Wie kommt es zu einer Wochenbett-Depression und was hilft?

Wie kommt es zu einer Wochenbett-Depression und was hilft?

, Dezember 1, 2019

Wochenbett-Depression: Für junge Mütter ist es kaum begreiflich, dass sie sich trotz einer nicht immer angenehmen Schwangerschaft und gut überstandener Geburt nicht über ihr gesundes Baby freuen können.

Symptome einer Wochenbett-Depression

Am dritten Tag nach der Geburt eines Kindes fühlt sich ein Großteil der frisch gebackenen Mütter niedergeschlagen, weinerlich, leicht reizbar und antriebslos. Eine große Mehrheit der Mütter fühlt sich zudem Stimmungsschwangungen unterworfen. Diese werden auch Baby Blues bekannt und verschwinden in der Regel innerhalb weniger Tage oder gar nach Stunden nach der Geburt. Bei anhaltenden Symptomen spricht man von einer Wochenbett-Depression.

Die häufigsten Symptome einer Wochenbett-Depression sind:

  • ein anhaltendes Gefühl von Traurigkeit,
  • Antriebslosigkeit und extreme Müdigkeit, sowie
  • Mut- und Freudlosigkeit gegenüber Nahestehenden und der Umwelt

Weitere Symptome sind:

  • Schlafstörungen, selbst wenn das Baby ausreichend schläft
  • Sorgen und Unruhe
  • häufiges und anhaltendes Weinen
  • Schuldgefühle und Selbstvorwürfe
  • ein geringes Selbstbewusstsein
  • Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, sowie Entscheidungen zu treffen
  • eine über die Stilldemenz hinausgehende Vergesslichkeit
  • Bindungsschwierigkeiten mit dem Baby
  • Gefühl, sein Leben nicht bewältigen zu können
  • Beängstigende Befürchtungen, das Baby verletzen zu können
  • das Gefühl, das Baby nicht lieben zu können
  • unerklärliche Schmerzen
  • Panikattacken
  • Selbstmordgedanken oder Selbstverletzungen

Auch wenn eine postnatale Depression eine temporäre Erkrankung ist, sollte sie so früh wie möglich behandelt werden, da sie nicht von alleine vorübergeht und negative Auswirkungen auf die Bindung zwischen Mutter und Kind, sowie zwischen Mutter und Vater haben kann.

Folgen für das Baby und den Partner

Eine Wochenbett-Depression hat sowohl Auswirkungen auf das Baby wie auch auf die Beziehung der Eltern. So klappt das Stillen häufig nicht so entspannt, was das Gefühl der Unzulänglichkeit der Mutter verstärkt. Die sich verstärkende Unsicherheit der Mutter überträgt sich immer mehr auf das Neugeborene. Dieses zeigt seine Unsicherheit nicht selten durch vermehrtes Quengeln und Schreien, was sich wiederum die Negativspirale der Depression ankurbelt.

Der Partner bzw. Vater kann diese gedämpfte Stimmung nach der Vorfreude bis zur Geburt genauso wenig verstehen, wie Außenstehende und fühlt sich hilflos, da er nicht weiß, wie er seine Frau und sein Kind unterstützen kann. Im „schlimmsten“ Fall zieht er sich der immer weiter raus aus der „Situation“ und verbeißt sich in seine Arbeit oder andere Ablenkungen.

All dies verstärkt die Befürchtungen der Mutter ihr Baby nicht liebevoll versorgen zu können und das erschwert ihr Reinfinden in und das Ausfüllen ihrer neuen Rolle als Mutter.

Und selbst wenn die Schwangerschaft nicht so gut verlief, „erwartet“ bzw. hofft man, dass es doch zumindest nach einer komplikationslosen Geburt besser werden müsste.

Nur ungefähr jede dritte Mutter traut sich in einer solchen Situation, die sie als alles andere als „normal“ empfindet, aus Angst vor Unverständnis, damit an ihren Arzt oder Hebamme zu wenden.

Eine Wochenbett-Depression kann, muss aber nicht durch erkennbare Anzeichen in der Schwangerschaft, wie durch Partnerschaftsprobleme vorgezeichnet sein.

Mögliche Ursachen einer Wochenbett-Depression:

  • Unsicherheit in der Liebe zum Partner mit der Folge Angst zu haben es nicht „allein“ zu schaffen
  • „Erinnerung“ an eine eigene traumatische Geburt, unabhängig davon, ob die Geburt als Mutter störungsfrei verlief
  • Eigener Druck es „besser“ zu machen oder genauso gut wie die eigenen Eltern oder (gefühlter) Druck von außen
  • Unterschätzte Geburtsfolgen, wie Veränderung des Körpers und Hormonumstellungen, die die Mutter verunsichern
  • In sehr viele Fällen fallen die auftretenden Versagensängste auf fruchtbaren Boden, wobei die Ängste bereits rund um die eigene Geburt oder Kindheit entstanden sind
  • Wenn das Kind viel schreit, aus welchen Gründen auch immer, verfällt eine neue unerfahrene Mutter häufig ins Grübeln, und nicht selten gibt sie sich dann die Verantwortung
  • nicht zuletzt sind es häufig finanzielle Zukunftssorgen, weil das Einkommen durch die eigene Arbeit zu sehr zu Buche schlägt und/oder der Job des Partners wackelig ist
  • Angst die neue „Rolle“ als umsorgende Mutter mit ihren anderen „Rollen“ als Partnerin, Frau, Tochter, Mitarbeiterin und Freundin etc. unter einen Hut zu bekommen
Wochenbett-Depression 2

Wenn Sie das Gefühl haben, dass sie, ihre Partnerin, eine Verwandte oder Freundin unter einer Wochenbett-Depression leiden, finden sie nachfolgend hilfreiche Tipps.

Hilfreiche Tipps bei einer Wochenbett-Depression:

  • Der Austausch mit anderen, die der verunsicherten Mutter Verständnis für ihre Ängste schenken können und in ihrem Tun bestätigen.
  • Besonders wichtig ist es, dass die Mutter ihre Ängste und ihr damit verbundenes Leid äußern kann und ihre möglichen Tränen fließen lassen darf.
  • Wenn dieser Austausch nicht innerhalb der Familie oder Freunden stattfinden kann, dann wäre ein Austausch zwischen Gleichgesinnten, ob online oder in Selbsthilfegruppen ratsam.
  • Es ist hilfreich einer betroffenen Mutter Unterstützung im Haushalt, z. B. durch Wäsche waschen, Kochen, Putzen etc. anzubieten. Wenn möglich sollte sie solche Aufgaben, die sie selber noch gut schafft, auch übernehmen.
  • Eine liebevolle / verständnisvolle Umarmung tut gut, wenn die Mutter gerade dazu empfänglich oder ihr zumindest nicht ablehnend gegenübersteht.
  • Wenn möglich das Baby viel in einer Trage tragen

Stillen verringert das Risiko einer Wochenbett-Depression

Beim Stillen wird das Hormon Oxytocin verstärkt ausgeschüttet. Dieses Glückshormon verringert das Risiko einer Wochenbett-Depression (peripartalen Depression) erheblich. Und da beim Kuscheln vor allem mit Hautkontakt auch Oxytocin ausgeschüttet wird, sollte so viel wie es für alle Familienmitglieder okay ist, gekuschelt werden!

Wenn dies alles nicht greift, sollte der betroffene Mutter gut zugeredet werden, sich mit der Erkrankung an ihren Hausarzt oder Gynäkologen zu wenden und darüber professionelle Unterstützung einer/eines erfahrenen Therapeuten zu suchen. Denn sollte sie im Wochenbett nicht diagnostiziert und behandelt werden, kann sie sich zu einer chronischen Störung entwickeln. Was unbedingt vermieden werden sollte!

Übrigens, auch Männer können von einer Wochenbett-Depression betroffen sein!

Euer Deva (Familien- und Traumatherapeut)

Beitragsfotos: Highwaystarz-Photography / Getty Images

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