Wieviel Medien sind gut für Kleinkinder?

Januar 28, 2019 -



Ganz ehrlich: Kleinkinder brauchen weder Fernsehen noch Tablets also keinen Medienkonsum. Oder habt ihr schon mal eine Zweijährige gesehen, die aktiv nach dem Tablet verlangen würde, wenn ihr andere spannende Spiele angeboten und am besten auch noch mit ihr gemeinsam aufgebaut und gespielt werden?

Kleine Kinder wollen die Welt entdecken. Vermeintlich verlangen sie dann nach Smartphone & Co., wenn sie es bereits kennen gelernt haben. Und wer hat es ihnen gezeigt? Genau, wir, die Großen.

Denn eigentlich sind es die müden, überforderten, gelangweilten, abgelenkten oder desinteressierten Erwachsenen, die nach einer Pause verlangen. So kommt die elektronische Unterhaltung überhaupt ins Spiel.

Was ich beim ersten Kind noch einigermaßen geschafft habe, nämlich fast kein Medienkonsum bis zum dritten Geburtstag, daran bin ich mit den Geschwisterchen sagenhaft gescheitert.

Erstens, wenn das große Kind wie gebannt auf einen Bildschirm starrt, bekommen die Kleineren das unweigerlich mit und wollen das auch. Es hüpft schließlich schön bunt und singt lustig im Kasten. Was soll daran schädlich sein?

In der Tat ist es beim zweiten und dritten Kind ungleich schwieriger, auf einen bewussten Medienkonsum zu achten. Doch auch das geht – natürlich ausgenommen: Tage am Rande des Nervenzusammenbruchs, die ja nun wohl wirklich fast alle Eltern kennen, oder?!

Wie wäre es zum Beispiel damit, dass großer Bruder und große Schwester abends als Privileg länger aufbleiben dürfen? Oder dass sie sich gemeinsam mit Mama ihre Medienzeit während des Mittagsschlaf der Kleinen gönnen?

Dann haben die Eltern weiterhin ihre Ruhepause und das große Geschwister fühlt sich in seiner Rolle als „Großer“ gestärkt, während die Kleinen noch nicht viel vom Medienkonsum mitkriegen müssen. Da gibt es bestimmt ein passendes Modell für jede Familie.

Wir sind die Vorbilder

Zweitens, wenn die Eltern viel Zeit am Smartphone in den sozialen Medien oder vor Bildschirmen von Computern und TV verbringen, ist es für Kinder natürlich schwer verständlich, warum sie das selbst nicht tun sollten.

Es gilt immer zu berücksichtigen, dass unsere Kinder nicht verstehen, was wir für einer Tätigkeit nachgehen, wenn wir auf einen Bildschirm oder ins Handy starren. Sie können nicht erkennen, ob wir gerade arbeiten, wichtigen Papierkram erledigen oder zocken.

Das habe ich verstanden, als mein Dreijähriger eines Tages während meiner Arbeit im Homeoffice unter den Schreibtisch gekrabbelt ist – und zack – den Hauptschalter gekappt hat. Bildschirm schwarz, Mutter kreischt, aber Kind hat sein Ziel erreicht: endlich schaut Mama es an, beachtet es.

Es hat die gerade so dringend benötigte Aufmerksamkeit der Mutter wieder erlangt. Da habe ich auch erkannt wie viel Wahres in dem Spruch von Karl Valentin liegt: „Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“

Die Vorbildfunktion der Erwachsenen ist im Zusammenhang mit Medienerziehung und einem bewussten Umgang mit den Medien nicht zu unterschätzen. Mami trifft sich mit der Freundin und das Baby kriegt das Tablet vorgelegt, damit es beschäftigt ist? Die Familie sitzt im Restaurant und die Kinder bekommen die Smartphones, damit sie bloß still sind? Traurig aber wahr, das sind häufig beobachtete Szenen in der Öffentlichkeit, aber auch in den eigenen vier Wänden.

Natürlich macht das jeder von uns mal und dagegen ist doch auch nichts einzuwenden. Manchmal geht es eben nicht ohne. Doch die schnelle Hilfe bei Knatsch, Streit und Geschrei hilft nur vordergründig. Rasch ist das vermeintlich praktische Hilfsmittel im Dauereinsatz.

Natur erleben statt Medienkonsum

Den Kindern mangelt es an Bewegung und frischer Luft. Waren das nicht mal die ultimativen Geheimtipps für entspannte, ausgeglichene Kinder? Denn Gebrüll und Motzerei geht nach der Spielzeit leider meistens in die nächste Runde. Die Kinder sind dabei noch vielmehr überdreht als vor dem Gebrauch von Smartphone und Tablet.

Wenn Fernsehen und Tablet täglich eingesetzt werden, um in Ruhe seinen eigenen Bedürfnissen nachzugehen, gewöhnen sich die kleinen Menschen recht schnell an eine ständige Mediennutzung. Und wer sich an etwas gewöhnt hat, fordert das dann auch lautstark ein. Logisch, oder?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Kinder umso mehr nach Filmen und Videospielen verlangen, desto häufiger wir vor dem Bildschirm sitzen.

Aber alles halb so wild. Es lohnt sich wirklich gegenzusteuern. Genauso schnell wie die Kids sich an einen erhöhten Medienkonsum gewöhnen, so schnell lassen sie sich auch wieder auf andere Gedanken bringen.

Wenn ich das Gefühl hatte, jetzt verbringen wir aber eindeutig zu viel Zeit vor der Glotze, habe ich uns allen strikt medienfreie Tage verordnet. Ab nach draußen, alle zusammen, hinaus in den Wald oder den Park.

Sinnvolle Beschäftigungen

Sehen die Kinder, dass auch die Großen mal für einen ganzen Tag Smartphone und Tablet in der Tasche lassen, vergessen sie die aufregende, aber eben auch nicht reale Welt aus Film und Fernsehen wieder. Plötzlich ist ihr wirkliches Leben ein großes Abenteuer, denn so ein Tag im Indoorspielplatz oder auch ein einfacher Waldspaziergang kann ganz schön spannend sein.

Die Natur lässt sich wie eine große Schatzsuche inszenieren. Dazu braucht es kaum Hilfsmittel. Gerade kleinere Kinder finden alles spannend vom Tunnelgraben im Sandkasten bis zum Schneemann bauen.

Alles, was sie brauchen, ist ein klein wenig Anleitung und eine Idee – ihre eigene Phantasie zeigt ihnen den Rest. Aber am schönsten ist es manchmal doch, wenn Papa oder Mama mitspielen.

Es ist sehr sinnvoll, den Kindern, zum Beispiel mittels Sportangeboten, alternative Beschäftigungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. So bekommen sie Hobbys und lernen etwas kennen, das ihnen Spaß macht.

Sie kriegen von klein auf eine Idee, dass das Leben mehr beinhaltet als die digitale Welt. Denn geht es nicht in erster Linie um einen Ausgleich, ein sowohl als auch?

Schon Kleinkinder haben Spaß beim Kinderturnen oder der Eltern-Kind-Partner-Variante. Ob Schwimm- oder Skikurs, Fußball, Kindergarten oder Pekip – am besten ist es doch immer, zunächst etwas auszuwählen, was auch den Interessen der Eltern entspricht. So ist viel gemeinsame Zeit garantiert.

Sinnvoller Medienkonsum

Der Neurologe Prof. Dr. Joachim Bauer empfiehlt aufgrund neuester Erkenntnisse aus der Hirnforschung einen sehr moderaten Umgang mit digitalen Medien bis zum zehnten Lebensjahr.

„Die Welt ist keine zweidimensionale Bedienungsoberfläche, sondern eine dreidimensionale Welt, die sich das Kind nur analog, nicht digital erschliessen kann. Daher sollen Kinder in den ersten zehn Lebensjahren in der realen Welt spielen, die Natur erkunden, musizieren und lernen ihren Körper einzusetzen.

Smartphones, Tablets und PCs engen, wenn sie in dieser Zeit zur Beschäftigung des Kindes werden, den Erfahrungsraum des Kindes gefährlich ein.“ Prof. Dr. Joachim Bauer (Auszug aus einem Interview im Naturblog Mami Rocks.)

Die tägliche Medienzeit sollte daher auf keinen Fall eine halbe Stunde übersteigen – und wie gesagt – komplett medienfreie Tage sind sehr hilfreich, um den Medienkonsum einzuschränken. Für kleine Kinder gibt es tolle Lernspiele, aber auch Mal- oder Musikspiele sind nette Zerstreuungen.

Altersangaben von Spieleherstellern

Die Altersangaben von Filmen und Spieleherstellern sind meiner Meinung oft nicht zutreffend. Allein schon die Länge eines Kinofilms ist für ein Kleinkind zu lang. Es schafft es gar nicht, sich auf so eine komplexe Geschichte zu konzentrieren.

Auch die vielen Zeichentrickfilme, die kindlich wirken, aber 1-A nach dem Hollywood-Actionfilm-Muster gestrickt sind, finde ich ungeeignet. Außerdem ist mir in den meisten Filmen zu viel Gewalt und Kampf im Spiel.

Viel besser sind da Kinderserien, die 10 oder allerhöchstens 20 Minuten dauern. Mir gefallen da die Serien aus Frankreich sehr gut, z.B. Bali, oder Trotro – ein allerliebstes Eselchen und natürlich auch Caillou.

Tolle deutsche Serien sind Jonalu und immer wieder die Spots von Sendung mit der Maus. Wir diese sehr viel auf Youtube geguckt. Leider gibt es dort mittlerweile auch immer mehr Werbung in den Filmen. Die kann man aber immerhin überspringen – im Gegensatz zur Fernsehwerbung.

Da sind wir schon bei einem neuen Thema: Es ist nie früh genug, um den Kindern die manipulativen Fallstricke von TV & Internet zu erklären. Das geht ganz einfach: Indem Ihr selbst etwa die Werbung mit einem kritischen Kommentar entlarvt, verstehen Eure Kinder schnell, dass nicht alles, was da auf dem Bildschirm erzählt wird, der Wahrheit entspricht.

Eure Verena (Babytalk – Autorin)

Beitragsfoto: Twin Design / shutterstock

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