Expertenbeitrag: Warum manche Babys unbedingt Schnullern wollen

27. Dezember 2017 -



Wir freuen uns, Euch heute den Beitrag unserer Babytalk Heilpraktikerin/Osteopathie Kristin Wentingmann vorzustellen, „Warum manche Babys so unbedingt einen Schnuller wollen“.


Häufig wird sich mit den Fragen beschäftigt Schnuller ja oder nein, welcher Schnuller. Wie oft soll mein Kind einen Schnuller bekommen. Kann ich die Schnuller Nutzung negativ beeinflussen und wie gewöhne ich meinem Kind den Schnuller wieder ab.

Die für mich als Osteopathin essentiellere Frage ist viel eher:

Warum braucht ein Kind einen Schnuller?

Warum gibt es Kinder, die sehr gut ohne Schnuller auskommen oder nur ab und an einen benötigen/fordern. Und warum können manche Kinder gar nicht ohne Schnuller.

Jedes Neugeborene hat einen Saugreflex, der der Nahrungsaufnahme und der Selbstregulation in Form von Beruhigung dient.

Aber nicht jedes Neugeborene braucht einen Schnuller, es gibt sogar einige, vor allem die die Gestillt werden, die den Schnuller schlicht weg ablehnen.

Nach meiner Erfahrung liegt das daran, dass manche Säuglinge mit dem Schnuller versuchen einen Ausgleich des Craniosakralen (Kopf-Kreuzbein-) Rhythmus zu erreichen.

Um meinen Ansatz verständlicher zu erklären, muss ich etwas ausholen.

Stressfaktoren

Jeder Organismus hat eine individuelle Menge an Stressfaktoren, die er aufnehmen und verarbeiten kann, ohne sicht- und spürbare Anzeichen zu zeigen. Und mit Stress meine ich nicht den Ärger im Büro oder mit dem Partner. Als Stress wird im Körper erstmal alles wahrgenommen, was den natürlichen Regelkreis zur Aufrechterhaltung des inneren physiologischen Gleichgewichts im Organismus (natürliche Homöostase genannt) stört oder negativ beeinflusst.

Dies können Umwelt Belastungen, Amalgam Füllungen oder Unfälle sein. Etwas spezieller auf den Fall eines Säuglings eingegangen, sind dies z.B. unverträgliche Nahrungsmittel oder übermäßiger Stress, der durch die Geburt verursacht wurde und von dem er sich ohne Unterstützung von außen nur schwer erholt.

Erhöhte Streßpegel

Woran man aber einen erhöhten Stresspegel erkennen kann, ist der Craniosakrale Rhythmus. Dies ist ein Mechanismus, den es in jedem Menschen gibt, der aber bei Babys noch deutlich stärker den ganzen Organismus bestimmt und sich bei Unstimmigkeiten zeigt als bei Erwachsenen.

Warum ist das so? Das liegt unteranderem daran, dass Babys und Kinder noch nicht so voll gestopft sind mit Informationen und Dingen, die sie auf verschiedenen Ebenen bearbeiten müssen. Ein wesentlicher anderer Grund ist die Tatsache, dass bei Säuglingen die Schädelplatten noch sehr weich und zueinander beweglich verschiebbar sind.

Der Craniosakrale Rhythmus ist eine wiederkehrende Bewegung im menschlichen System, die unter anderem durch die Zyklische Produktion und den Abbau des Gehirn Wassers (Liquor Cerebrospinalis) entsteht.

Wenn der Craniosakrale Rhythmus ins Ungleichgewicht gerät, kann das viele verschiedene Ursachen haben, die alle unter einem Begriff zusammengefasst werden können, Stress im Organismus.

Und das hat hat auch wieder Stress für den Organismus zur Folge.

Was hat das alles mit einem Schnuller zu tun?

Wie also lässt sich die Katze, die sich in den Schwanz beißt durchbrechen und was hat das alles mit dem Schnuller zu tun?

Wie ich schon erwähnt habe, ist der Craniosakrale Rhythmus von der Menge des Gehirnwassers abhängig. Das bedeutet, es findet tatsächlich eine kaum messbare Bewegung statt, die grundsätzlich im ganzen Körper, am Kopf und am Kreuzbein (Sakrum), am stärksten spürbar ist.

Das bedeutet aber auch, dass sich die Schädelknochen für einen ausgeglichenen Craniosakralen Rhythmus frei bewegen können müssen.

Womit wir bei einer möglichen Ursache für einen eingeschränkten, unausgeglichenen Craniosakralen Rhythmus wären. Bei der Geburt schieben sich physiologisch die Schädelknochen des Säuglings übereinander.

Das passiert zwangsläufig, damit er durch den Geburtskanal gelangen kann.

Das ist nicht nur ein notwendiges Übel, sondern auch eine, man könnte sagen, Turboaktivierung des Craniosakralen Rhythmus. Denn diese massive Kompression des Schädels bewirkt eine sehr starke Gegenbewegung. Was zu einer Aktivierung des gesamten Systems auf Neurologischer ebene führt, welche durch eine Kaiserschnittgeburt nicht „automatisch“ aktiviert wird.

Nach dem die Kinder auf der Welt sind, stellt sich dann ein normaler gleichmäßiger Craniosakraler Rhythmus ein. Dafür ist es aber wichtig, dass sich die Schädelplatten wieder an ihre physiologischen Positionen begeben.

Wenn der Geburtsvorgang schwierig oder besonders langwierig war, Saugglocken, Zangen (in diesen beiden Fällen wird der Druck auf die Schädelplatten ungleich ausgeübt und es sollte anschließend ein OsteopathIn aufgesucht werden) oder ein Kaiserschnitt von Nöten waren, kann es sein, dass dies nicht auf natürlichem Weg passiert.

Das bedeutet Stress im System!

Stimulation des Craniosakralen Rhythmus durch das Schnullern

Der zentralste Kern des Neurologischen -, wie auch des Craniosakralen Systems liegt an der Schädelbasis. Und dieser ist im Wesentlichen über dem Gaumendach positioniert.

Dort ist ein Punkt, den die Kinder mit dem Schnuller unbewusst zu stimulieren versuchen. Der Schnuller wird beim Saugen immer und immer wieder rhythmisch unter den Gaumen gedrückt.

Dies ist ein Mechanismus, der von den Kindern unbewusst als Stimulation Mechanismus des Craniosakralen Rhythmus genutzt wird.

Sollten Ihr Kind nicht ohne Schnuller können, macht es Sinn, so früh wie möglich einen Osteopathen auf zu suchen. Und abzuklären, ob dieses Verhalten ein rein psychologischer Versuch ist Stress aus dem System abzubauen.

Und sollte es nicht an dieser Thematik liegen, dass die Schädelplatten Schwierigkeiten haben sich nach der Geburt an ihre anatomischen Positionen zu bewegen, kann man Osteopathisch auch viele andere Ursachen, die mit Stress Aufbau im Organismus zu tun haben, unterstützend behandeln.

Auf jeden Fall kann man den Stress im System abbauen. Wenn dies nur kurzfristig eine Verbesserung mit sich bringt und das Schnuller Problem wiederkommt, oder sich andere Auffälligkeiten zeigen sollten, ist es auf jeden Fall ratsam einen weiteren Fachmann aufzusuchen.

Liebe Grüße

Eure Kristin (Babytalk Heilpraktikerin/Osteopathin)

Beitragsfoto: bedya / shutterstock

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