Wenn das eigene Kind nicht spricht

26. Februar 2018 -



Viele Eltern kennen das, man sehnt sich so sehr nach den ersten Worten von seinem Kind. Ein erstes Brabbeln und natürlich das magische erste Wort. Egal ob es Mama oder Papa ist. Das erste Wort wird zelebriert und gefeiert.

Dies ist der nächste große Entwicklungsschritt vom Baby zum Kleinkind. Die meisten Kinder bilden ihre ersten Wörter ab einem Alter von ungefähr einem Jahr. Im Alter von eineinhalb bis zwei Jahren erweitert sich der Wortschatz, dann sehr schnell. Mit drei Jahren liegt er häufig zwischen 300 und 500 Wörter.

Zwischen dem 18. und 30. Monat lernen die Kleinen oft bis zu zehn Wörter und mehr am Tag zu verstehen. Am Ende dieser Zeitspanne beginnen die Kinder bereits die ersten kleinen Sätze aus 2 bis 3 Wörtern wie selbstverständlich zu bilden.

Natürlich hat jedes Kind dabei seine eigene Geschwindigkeit. Genauso wie beim Laufen, krabbeln oder sauber werden und so sind manche Kinder schneller oder langsamer. Daher ist Geduld gefragt. Denn bis zu einem Alter von 2 Jahren braucht man sich noch gar keine Sorgen machen, dass etwas nicht stimmt.

Das Kind spricht nicht, wann sollte man handeln?

Grundsätzlich sollten alle Eltern auf ihr Bauchgefühl hören. Habt ihr das Gefühl, es ist alles noch im Rahmen oder es ist in Ordnung so, gibt es erstmal keinen Grund zur Sorge.

Spätestens beim Eintritt in die Kita oder den Kindergarten haben auch Erzieher ein Auge darauf und werden euch ggf. eine Empfehlung zur Vorstellung bei einem Arzt geben.

Bei unserer Tochter war es damals so, dass wir recht schnell gemerkt haben, dass ihre Altersgenossen, sprachlich sehr viel weiter sind.

Da sie unser erstes Kind war und wir wussten, dass alle Kinder sich unterschiedlich schnell entwickeln, haben wir uns erstmal keine großen Sorgen gemacht. Denn der Hörtest beim Arzt war stets unauffällig und wir wussten auch das sie gut hören kann, da sie auf Fragen richtig reagierte.

Im Alter von 2 Jahren sind wir dann doch mal zu einem Arzt, aber auch dieser beruhigte uns und sagte, dass jedes Kind, sollte keine körperliche Störung vorliegen, irgendwann das Sprechen anfangen würde. Unsere Tochter sprach bis zu dieser Zeit, nur wenige Wörter.

Er sagte uns, dass es eben diese „Late Talker“, also Kinder die spät das sprechen beginnen, gibt und dies kein Grund zur Sorge ist. Denn körperlich war alles in Ordnung.

Er sagte uns, dass Kinder mit dieser Diagnose, bis zum dritten Lebensjahr, diesen Rückstand zu anderen Altersgenossen normalerweise aufgeholt haben.

Trotzdem ist es sinnvoll euch beraten zu lassen, wenn euer Kind mit zwei Jahren noch nicht spricht.

Was gibt es für Ursachen?

Wenn euer Kind nicht spricht, kann das unzählige Ursachen haben. Dabei spielt natürlich auch immer das Alter eine große Rolle. Denn die Sprachentwicklung verläuft in verschiedenen Stufen und ist Alters abhängig. Mögliche Ursachen, warum euer Kind nicht spricht, sind:

  • LATE TALKER, der Sprachbeginn erfolgt hier später, normalisiert sich dann aber recht schnell, sobald das Kind erstmal zu sprechen beginnt.
  • Hörschädigung bzw. Gehörlosigkeit, dies kann nur ein Arzt überprüfen. Der erste Hörtest erfolgt schon kurz nach der Geburt, sodass diese Ursache relativ früh erkannt werden kann. Eine Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist daher sehr wichtig.
  • Sprachentwicklungsstörung: Wenn euer Kind nicht spricht, kann auch eine Sprachentwicklungsstörung der Grund dafür sein. Falls es Anzeichen dazu gibt, bespricht dies am besten mit eurem Kinderarzt.
  • Angeborene Stummheit, dies kann auf einem genetischen Defekt zurückzuführen sein. Die Stummheit ist auf eine Schädigung im Gehirn zurückzuführen, bei der das ansonsten normal entwickelte und intelligente Kind nicht spricht, weil es seine Sprechorgane nicht steuern kann. 
  • Mutismus, wenn euer Kind unter Mutismus leidet, dann spricht es aufgrund von psychischen Ursachen nicht. Dies ist auch die Ursache für die Stummheit unserer Tochter.

Was kann ich tun, wenn mein Kind nicht spricht

Wenn die eigentliche Ursache für die Stummheit eures Kindes geklärt ist, dann kann die passende Therapie beginnen. Diese übernimmt entweder ein Logopäde, ein Sprachheilpädagoge oder ein Psychologe.

Je nach Ursache gibt es wirklich gute Heilungs- und Genesungschancen. Denn Kinder können, mit der richtigen Hilfe, ganz viel aufarbeiten und kompensieren. Außerdem könnt ihr als Eltern eurem Kind helfen, aktiver Sprechen zu lernen.

Denn oft, wenn so eine Sprachstörung vorliegt, übernehmen die Eltern das Sprechen für das Kind. Die Eltern dienen somit als Sprachrohr und das Kind „muss“ gar nicht sprechen. Auch wir haben diesen Fehler gemacht.

Ich habe mich oft dabei ertappt, dass wenn jemand nach dem Namen meiner Tochter gefragt hat, ich automatisch geantwortet habe. Einfach weil ich wusste, dass sie nicht antworten wird.

Dies war natürlich nicht richtig, denn heute antwortet sie ganz selbstverständlich. Einfach weil wir es nicht mehr für sie tun. Dies sind so kleine Übungen, die viel bewirken können.

Denn wenn ein Kind „gezwungen“ ist zu sprechen, überwindet es sich meistens doch. Genauso verhält es sich, wenn euer Kind etwas möchte. Lasst ihm etwas Zeit, um zu formulieren, was es genau möchte, beispielsweise: Apfel, Milch etc.

Nur kleine Wörter, keine Sätze. Aber auch euer Kind wird dieses Erfolgserlebnis positiv verknüpfen und merken, dass es leichter etwas bekommt, wenn es die Dinge benennt.

Dies erfordert natürlich Ausdauer und viel Geduld. Aber es lohnt sich. Abschließend kann ich nur sagen, hört immer auf euer Bauchgefühl, lasst euch nicht verunsichern. Denn wir als Eltern spüren am Stärksten, ob etwas nicht stimmt.

Eure Nicole (Babytalk – Autorin)

Unter dem Link Knetfeder Kleinkindpädagogik findet ihr nähere Hinweise zur Sprachentwicklung von Kindern (Hinweis der Redaktion).

Beitragsfoto: Bronwyn Photo / shutterstock

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