Warum unsere Partnerschaft nach dem ersten Kind fast draufgegangen wäre

14. November 2017 -



Und wie Eltern es besser machen können

Plötzlich ist alles anders. Der schöne Traum vom Glück zu dritt geplatzt wie eine Seifenblase. Dabei hatte ich doch alles so perfekt geplant. Ich habe so viel Zeit und Liebe in das neue Babyzimmer investiert und jetzt schläft das süße Kindchen bei uns im Bett. Nicht weiter schlimm, aber was ist mit uns als Paar?! Wir sind das nicht gewöhnt. Was macht es mit unserer Partnerschaft?

Ich habe mir so minutiös ausgemalt, wie wir schöne Kuschelstunden zu dritt verbringen können – ich mit wieder flachem Bauch, mein Liebster und unsere neue große kleine Liebe mittendrin – und jetzt?

Jetzt habe ich eine Brustentzündung und das Baby interessiert sich doch nur für meinen Busen, mehr als mein Partner jedenfalls.

Wie ein Keil liegt es zwischen meinem Liebsten und mir. Während wir streiten, wer wickeln darf, ob Puder besser ist für wunde Babypopos oder Calendulacreme oder darüber, was das Kind heute anziehen soll.

„Vorsicht, nimm doch diese Jacke, schau dieser Anzug ist viel wärmer, bei dem kalten Wetter, und nimm eine Decke für den Wagen mit!“, meine Stimme ist mir selber fremd. In was für eine Glucke habe ich mich bloß verwandelt?

Früher war ich unproblematisch und unbeschwert. „Was ist nur mit mir los, oder eher, was ist nur mit unserer Liebe los?“ Bestimmt geht es meinem Freund nicht viel besser und er hasst mich allmählich mit all meinen klugen Hinweisen.

Doch diese Gedanken behalte ich für mich und wieder rutscht mir ein tadelndes, vorwurfsvolles „Wie kanst du nur?“ heraus, als ich sehe, dass ihm das Baby ein wenig nach hinten entgleitet. Mir selbst auch schon des öfteren passiert und eigentlich nicht weiter erwähnenswert.

Doch irgendwie kann ich mir gerade nichts verkneifen. Die patzige Antwort kommt prompt: „Das einzige, was ich nicht kann, ist dir etwas recht machen.“

Sich in den anderen hineinfühlen

Hat mein Partner etwa recht? Ist das so? Kann man mir als frisch gebackener Mutter wirklich nichts recht machen? Habe ich zu hohe Ansprüche oder meckere ich einfach an allem und jedem herum? Dabei habe ich mich immer für tolerant und umgänglich gehalten.

Ein seltsames Gefühl hat sich plötzlich eingeschlichen, wenn ich ihn von der Seite betrachte und sehe wie unglücklich er jetzt oft drein schaut.

Nur wenn er mit dem Baby spielt, es liebkost und ihm liebevolle Worte zuflüstert, lächelt sein Gesicht und strahlen seine Augen.

„Früher hat er all seine Liebe für mich gehabt“, stichelt eine innere Stimme, die ich nicht hören will. Natürlich ist da auch die Vernunft, die mir sagt, dass das völliger Blödsinn ist. Dass mein Mann mich immer noch liebt, nichts lieber tun würde als mich in die Arme zu nehmen.

Doch was hat uns soweit voneinander entfernt? Tief im Herzen weiß ich, was ihn stört, was mich in seiner Position auch stören würde. Es ist wirklich so: Er kann mir als Mutter im Umgang mit unserem kleinen Schatz nichts recht machen.

Ich verhalte mich wie eine Oberglucke, lasse das Kind keine Sekunde aus den Augen und weiß obendrein noch alles besser. Dabei bekommt der junge Papa von vorneherein keine Chance sich zu beweisen. Ich lasse ihm keinen Platz, um zu zeigen, dass er es kann: und zwar mindestens so gut wie die Mama, aber eben auf seine Art.

Prioritäten setzen

Ist es wirklich so wichtig, ob das Baby seinen Brei um Punkt 12 Uhr mittags serviert und gefüttert bekommt? Auch ein Lebensmitteleinkauf ohne Bio-Produkte ist weder giftig noch lebensgefährdend für das Baby und ein nicht ordnungsgemäß zu geknöpfter Body juckt den Wonneproppen auch nicht im geringsten.

All diese für mich als junge Mutter, so wichtig erscheinenden Details im Babyalltag, sind doch nicht existentiell. Betrachtet man sie vor dem Hintergrund einer großen Liebe, die gerade kaputt geht – wegen Bio-Babybrei oder Windeln, kommt vielleicht der eine ins schmunzeln und die andere schüttelt den Kopf.

Im Ernst? Steht das in einer Relation? Um was für Lappalien sich Streitgespräche oft drehen, betrachtet man sie einmal objektiv und mit einem gebührenden emotionalen Abstand. Doch wer kann das schon, wenn er mittendrin steckt im Streit?

Deshalb ist es um so wichtiger, mit einem (zeitlichen, vielleicht auch räumlichen) Abstand über Unstimmigkeiten zu reden. Dabei gilt: den anderen erst aussprechen lassen und warten bis er fertig ist. Erst zuhöhren, auch wenn es schwer fällt.

Ein Plädoyer für Väter

Babys brauchen ihre Papas. Sie finden sie spannend, faszinierend, toll. Es ist fantastisch zwei oder mehrere Bezugspersonen zu haben, auch und gerade weil sie Dinge anders tun und verschiedene Ansichten haben.

Wer gluckt und auf seinen Ansichten beharrt, macht sich selbst das Leben schwer. Wieviel leichter wird das Zusammenleben als junge Familie, wenn beide sich tolerant verhalten und sich dem anderen öffnen.

Wie soll der Partner der jungen Mutter denn etwas abnehmen, ihr eine Hilfe sein, wenn er nicht darf? Das schafft garantiert Frust bei beiden Elternteilen:

Die Mutter kommt sich allein gelassen vor und findet, der Partner bringt sich zu wenig in den neuen Alltag mit Baby ein. Der Papa ist gefrustet, weil er ihrer Meinung nach alles verkehrt macht. Also macht er lieber gar nichts mehr. Ein Teufelskreis.

Das A und O, um diesem zu entkommen, ist miteinander zu reden: Erzählt Euch von Euren Ängsten, Schwierigkeiten loszulassen und Bedürfnissen. Da führt kein Weg daran vorbei.

Familie ist ein Großprojekt, das nur mit und durch Kommunikation funktioniert. Denn jeder braucht seine Freiräume (als Paar und als Individuum) und jeder stößt an Grenzen, über die sie/er nicht hinaus kann.

All dies muss besprochen werden und zwar regelmäßig. Denn je länger man wartet und je weiter sich Paare voneinander entfernen, desto schwieriger fällt ihnen das Reden.

Eure Verena (Babytalk – Autorin)

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Beitragsfoto: Drpixel / shutterstock

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