Schwierige Hebammensuche – und wo ihr Hilfe bekommt

1. März 2017 -



In diesem Beitrag schildert unsere Gastautorin Yasmin ihre problematische Suche nach einer Hebamme. Dies ist ja leider für viele werdenden Eltern ein großes Problem, doch wie ihr hier lesen könnt, gibt es Anlaufstellen, die Euch helfen:


Endstation Hebamme: Was ich anders gemacht habe!

Aktuell wird in meiner FB-Mummy-Gruppe folgende Frage immer und immer wieder gestellt: Ab wann habt ihr eure Hebamme gesucht? Beziehungsweise Ab wann sollte man die Hebamme suchen?

Für beide Fragen kenne ich nur eine gute Antwort: Sobald man von der Schwangerschaft erfährt.Bei mir war das dann quasi in Woche 6. Bestätigt vom Arzt war die SSW eine Woche später.

Sofort habe ich bei verschiedenen Hebammen-Praxen angerufen bzw. sie angemailt, weil ich unbedingt eine Beleghebamme wollte. Leider hatte ich damit keinen Erfolg, weswegen ich mich an die „Hebammenzentrum Rhein-Sieg/Bonn e.V.“ gewandt habe.

Diese Stelle hat einen Überblick über alle freien Hebamme aus der Region. Ich habe angerufen und meine Daten hinterlassen – ebenso meinen Wunsch, nach einer Beleghebamme.

Das Hebammen-Zentrum Bonn unterstützt bei der Suche

Das Zentrum hat sich dann für mich auf die Suche gemacht und bei verschiedenen Hebammen angefragt. Diese haben sich dann auch zurückgemeldet. Allerdings waren es „nur“ normale Hebammen.

Also keine Beleghebamme, die mich in der Schwangerschaft, der Geburt und danach begleiten würde. Das war ziemlich niederschmetternd für mich, da ich sehr große Angst vor der Geburt habe und mir so sehr eine Hebamme in den Kreissaal wünsche, der ich vertrauen kann…

Daher habe ich die ersten Rückmeldungen auch abgesagt und darauf verwiesen, dass ich aufgrund eines Geburtstrauma unbedingt eine Beleghebamme möchte.

Diese Hoffnung wurde mir dann genommen. Dafür sei es einfach zu spät. Tatsächlichen arbeiten hier manche Hebammen nur monatsweise als Beleghebamme.

So wie Tina (*), für die ich mich letztlich entschieden habe. Sie bietet Beleggeburten nur bis Mai an. Zu blöd für mich… Aber da ich Angst hatte gar keine Hebamme zu bekommen, wollte ich zugreifen.

Auch, weil Tina sehr sympathisch herüberkam. Ein Eindruck der sich beim Kennenlernen bestätigt hatte.

Das Kennenlernen mit der Hebamme

Bevor ich zu meiner neuen Hebamme komme, möchte ich euch schnell über meine ehemalige Hebamme berichten. Ich habe sie quasi gewählt, weil sie damals direkt neben meiner Frauenarztpraxis gearbeitet hatte.

Das hat einfach gut gepasst. Ich wurde direkt von der Frauenärztin in die Hebammenpraxis geschickt und hatte Glück. Mir ging es da nicht um Sympathie oder Vertrauen, sondern schlicht die Nachsorge und ein paar Geburtsvorbereitende Maßnahmen.

Dementsprechend kühl war unsere Verbindung zueinander. Es war nicht unbedingt unangenehm, aber eben distanziert-professionell.

Nie wurde über mich gesprochen

Womöglich ein Grund weswegen meine Wochenbettdepression nie zur Sprache kam – wir haben nie von mir gesprochen, sondern einfach immer nur über das Baby.

Diesmal wollte ich das nicht. Und ich habe das Gefühl, dass es nicht wieder so werden muss: Tina nahm sich gut anderthalb Stunden Zeit für unser Erstgespräch. Sie hat meine Daten aufgenommen, aber auch Fragen zu mir und die erste Geburt gestellt.

Sie hat sich die gesamte Geschichte angehört. Dann haben wir über meine Wunschvorstellung der Geburt gesprochen: Der hebammenbegleitete Kreißsaal in Bonn.

Das ist ein Kreissaal in dem die Hebammen „das Sagen“ haben und Ärzte nur im Notfall dazu stoßen. Es gibt in ganz Deutschland nicht mal zehn solcher Kreißsäle. Und hier in Bonn haben wir einen!

Ich war happy und hatte Hoffnung, dass die selbstbestimmte Geburt – wenn schon nicht mit Beleghebamme – so klappen würde.

Herzlich und ehrlich

Leider nahm mir Tina diese Hoffnung. So herzlich wie sie zu sein scheint, so ehrlich ist sie:

„Mit deiner Vorgeschichte und der daraus resultierenden Risikoschwangerschaft, wird es wohl nichts werden, leider“.

Mittlerweile sollte ich daran gewöhnt sein, dass meine Träume verpuffen. Aber irgendwie war das dennoch ziemlich belastend…

Bei meiner ersten Schwangerschaft war ich 10 Tage drüber, wurde 3 Tage eingeleitet und erhielt einen Kaiserschnitt nach Geburtsstop. Dieses Risiko würde der Kreißsaal nicht eingehen, um sich „die Quoten“ nicht zu versauen.

Irgendwie einleuchtend, wenn auch ziemlich wirtschaftlich und unmenschlich. Tina hat mich ermutigt, es dennoch zu versuchen. Sie wollte mich nur darauf vorbereiten, dass mein Wunsch wahrscheinlich eine herbe Enttäuschung erfahren würde.

Verstanden werden ist sehr wichtig

Ich bin ihr sehr dankbar für ihre Offenheit. Tina versucht nichts zu umschreiben, sie ist sehr direkt und ehrlich. Etwas, was ich an einem Menschen schätze. Sie sagt, was sie denkt – wie ich.

Das macht sie sehr sympathisch für mich. Sobald es so weit ist, werde ich mich um einen Termin bemühen, werde aber auch nach Alternativen suchen.

Beispielsweise auch, wo man einen geplanten Kaiserschnitt machen kann. Tina meinte ganz klar: „Nach deiner Geschichte kann ich deinen Wunsch total nachvollziehen, einen geplanten Kaiserschnitt zu machen.

Ich stehe da voll hinter dir – egal wofür du dich entscheidest.“ Ich hatte das Gefühl sie meint es ernst. Das war mir sehr wichtig und ich wusste: Die nimmste, die ist cool und akzeptiert dich.

Regelmäßiges Durchecken

Tja und nun komme ich also bei Tina unter und lasse mich im Wechsel zum Frauenarzt alle 4 Wochen von ihr durchchecken. So habe ich alle 2 Wochen eine Vorsorge für´s Baby, was mir nochmal mehr Sicherheit gibt. Das ist ja sehr wichtig für mich.

Sie weiß auch von meiner Depression und daher bin ich zuversichtlich, dass sie mich bei den ersten Anzeichen zur Brust nimmt und mir den Kopf zurechtrücken wird. Das nimmt mir auch die Angst nochmal in so ein Loch zu stürzen wie nach Claires Geburt.

Liebe Schwangere: Die Hebammen-Situation – gerade bei Beleghebammen – ist sehr angespannt. Immer wieder lese ich von Frauen, die gar keine Hebamme mehr gefunden haben. Daher mein Rat an euch:

Sucht frühzeitig, am Besten mit Bekanntwerden der Schwangerschaft nach einer Hebamme und nehmt nicht die Erstbeste, die euch über den Weg läuft. Hört auf euer Gefühl, immerhin erlebt sie viele intime Momente und Gedanken mit euch.

Was ist mit euch? Hattet ihr eine Hebamme? Habt ihr keine bekommen oder bewusst darauf verzichtet? Gibt es bei euch in der Region auch einen akuten Mangel?

Übrigens engagiert sich das Babytalk-Team mit dem Weltrekord für Hebammen für eine von der Wirtschaftlichkeit entkoppelten Geburtshilfe in Deutschland. Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt, findet ihr nähere Informationen unter dem Link Strochenfonds.org, Hinweis der Redaktion.

Eure Yasmin  (Babytalk – Autorin)

*Name geändert

Beitragsfoto: Siegi /shutterstock

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