Rektusdiastase Behandlungsmöglichkeiten – Teil 2

29. Januar 2018 -



In Teil 1 dieser kleinen Serie haben wir uns schon darüber unterhalten, was eine Rektusdiastase eigentlich ist – nämlich eine Bauchwandschwäche, die dazu führt, dass du dauerschwanger aussiehst – wie du einen ersten Selbsttest durchführen und zu welchem Arzt du für eine Diagnose gehen kannst.

Solltest du nun feststellen, dass bei dir tatsächlich eine Diastase vorliegt, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, sie wieder loszuwerden: Physiotherapie bzw. ein gezieltes Muskeltraining oder eine operative Korrektur.

Wobei, so ist das eigentlich zu allgemein ausgedrückt, denn bei einer Rektusdiastase gibt es immer zwei zu Grunde liegende Probleme:

  1. Die eingeschränkte Funktionalität und Stabilität der Bauchmuskulatur (und ggf. damit einhergehende Beschwerden)
  2. Das ästhetische Problem des vorstehenden Bauches

Erste Maßnahme: Allgemeine Do’s and Dont‘s

Unabhängig eines speziellen Trainings solltest du dich von nun an in deinem Alltag an ein paar allgemeingültige Do’s and Dont‘s halten, die verhindern, dass sich dein Diastasespalt noch vergrößert:

  • Aufstehen nur über die Seitenlage, nicht über die Flexion des Oberkörpers.
  • Keine Bewegungen oder Übungen, bei denen ein Aufrollen des Oberkörpers verlangt wird, also Sit Ups oder Crunches.
  • Keine Bewegungen oder Übungen, bei denen die geraden Bauchmuskeln überdehnt werden.
  • Möglichst kein schweres Heben und Tragen.

Die Wiederherstellung der Funktionalität und Stabilität

Um wieder mehr Stabilität in deinen Bauch zu bekommen, hilft das gezielte Training der Rumpfmuskulatur – die Mitte stärken, wie es immer so schön heißt. Wichtig ist hierbei, dass du nicht wie wild mit einem Bauchmuskeltraining beginnst, sondern Übungen wählst, die vor allem die seitliche Bauchmuskulatur ansprechen.

Diese helfen dabei, deinen Muskeln zu zeigen, wie sie wieder richtig arbeiten. Falsche Übungen oder Belastungen können dazu führen, dass sich deine Diastase noch verschlimmert!

Trainieren unter fachkundiger Aufsicht

Optimal ist es natürlich, wenn du deine Bauchmuskulatur unter Anleitung eines Experten wieder aufbaust. Die erste Anlaufstelle hierbei ist der Physiotherapeut. Gegebenenfalls kann dir dein Arzt eine Empfehlung und auch eine Verschreibung ausstellen. Ansonsten kannst du vorab einfach erfragen, ob sich dein Physiotherapeut mit der Behandlung einer Rektusdiastase auskennt.

Einige Betroffene haben auch gute Erfahrung mit Cantienica gemacht. Cantienica ist ein Tiefentraining mit dem Ziel der vollen Bewegungsfreiheit, Schmerzfreiheit und der optimale Agilität bis ins hohe Alter. Diese Methode wird gerne zur Rückbildung und Stärkung des Beckenbodens empfohlen. Cantienica oftmals in Yoga-Zentren angeboten.

Von Zuhause aus trainieren

Wenn du nicht außer Haus gehen möchtest oder keine Anlaufstelle bei dir Zuhause findest, dann gibt es auch noch ein paar Online-Angebote für Zuhause:

  1. Online Kurs Rückbildung mit Diastase von Nicole Frank Physiotherapie
  2. Das MuTu-System von Wendy Powell (nur in Englisch)
  3. Das Programm: Bye, bye Babybauch Diastase von Gymondo
  4. Lose your Mummy Tummy von Julie Tupler (nur in Englisch)

Zusätzlich zum Training können Taping, Bauchmassagen oder das Tragen eines Bauch-Mieders die Rückbildung unterstützen.

So, und wenn du Glück hast, erledigt sich durch das richtige Training der Bauchmuskulatur auch Problem Nummer zwei gleich mit: Der Fake-Schwangerschaftsbauch verschwindet oder reduziert sich zumindest auf ein Niveau, mit dem du gut leben kannst.

Die Sache mit der Ästhetik

Tja, und wenn du kein Glück hast, dann hilft dir in punkto Aussehen allerdings auch das Training nicht.

So wie in meinem Fall.

Ich habe zuerst den Kurs von Gymondo und anschließend das MuTu-Programm absolviert. Voll motiviert habe ich dabei meinen inneren Schweinehund fünf Mal die Woche niedergeprügelt (denn Fitness ist ehrlich gesagt so gar nicht mein Ding).

Mein Bauch wurde auch erst einmal flacher. Ganz weg ging der Vorstand allerdings nie ganz und sobald ich mit den Übungen aufhörte stülpte er sich wieder in astronomischer Größe nach außen.

Zu sagen, ich war frustriert ist noch eine Untertreibung. Die vielen Anfragen und Wünsche zu meiner vermeintlich erneuten Schwangerschaft halfen auch nicht gerade dabei, mich mit meinem „neuen“ Körper anfreunden zu können. Ich fühlte mich einfach nur noch hässlich.

20 Monate nach der Geburt meines zweiten Sohnes war ich schließlich am Ende meines Lateins, meiner Geduld und auch meiner Leidensfähigkeit.

Nach langem Abwägen und zahlreichen Besuchen bei verschiedenen Ärzten (die übrigens alle eine andere Meinung zu dem Thema hatten) habe ich mich schließlich dazu entschlossen, die Diastase operativ schließen zu lassen.

Von einem Schönheitschirurgen. Mit anschließender Bauchdeckenstraffung.

Denn wenn ich mich schon unter das Messer lege und sowohl Risiken als auch Schmerzen in Kauf nehme, dann wollte ich anschließend auch ein möglichst schönes optisches Ergebnis haben.

Die Rektusidastase-Operation

Bei der Rektusdiastase-Operation, oder Faszienraffung wie es medizinisch genannt wird, werden die Bauchmuskeln mittels einer Naht zunächst gerafft und anschließend fixiert. Da diese Naht bestehen bleibt, ist dieser Eingriff nur nach Ende der Familienplanung sinnvoll.

Die Korrektur der Rektusdiastase ist ein relativ großer Eingriff. Er wird in Vollnarkose durchgeführt und dauerte in meinem Fall an die drei Stunden. Der Schnitt und damit auch die spätere Narbe ist ziemlich groß: Sie erstreckt sich auf Höhe Bikinibereich von Hüftknochen zu Hüftknochen.

Die Operation wird stationär durchgeführt. Rechne also damit, dass du danach noch drei, vier Tage in der Klinik bleiben musst. Die Genesung nach dem Eingriff dauert in der Regel um die sechs Wochen.

In dieser Zeit solltest du nichts schweres Heben (dazu gehört auch das Tragen deiner Kinder!), keinen Sport treiben und nicht Saunieren. Außerdem wird empfohlen, ein Mieder zu tragen, welches in den meisten Fällen direkt von der Klinik zur Verfügung gestellt wird.

In vielen Fällen liegt bei einer Rektusdiastse keine medizinische Notwendigkeit vor, sie zu schließen. Das bedeutet, dass die Operation nicht unbedingt von der Krankenkasse übernommen wird und du dich darauf einstellen musst, sie privat zu bezahlen.

Ich habe die Operation November 2017 durchführen lassen und bin mit dem Ergebnis bisher sehr zufrieden. Alle Details und natürlich das Vorher-Nachher Bild gibt es dann in Teil drei dieser kleinen Serie 😊

Eure Silvia (Babytalk-Autorin)

Beitragsfoto: L Julia / shutterstock


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