Geburtspositionen – hockend, auf allen vieren oder doch lieber liegend?

Geburtspositionen Liegen

In den letzten 200 Jahren hat die liegende Geburtsposition, die aufrechte Position immer mehr verdrängt. Einen großen Einfluss wird dem französischen Kaiser zugeschrieben. Er hatte den Fabel Frauen bei der Geburt zu beobachten und dies ging für ihn am besten, wenn die Frauen vor ihm auf einem „Tisch“ lagen. Dies hat sich bis heute in dem Begriff „Kaiserschnitt“ verewigt.  

Bis ins 19. Jahrhundert besaßen viele Haushalte einen Gebärhocker, da das Hocken eine sehr verbreitete Geburtsposition war. Der Stuhl wurde häufig als Mitgift mit in die Ehe gebracht. Es ist bzw. war ein kleiner Stuhl ohne Lehne mit einer Aussparung für das Baby. Eine in der damaligen Zeit typische Gebärposition war zudem im Stehen.

In den letzten 200 Jahren hat der Einfluss der Medizin in der Geburtshilfe, eine aufrechte Gebärhaltung immer mehr verdrängt. Die Gebärenden wurden immer mehr in eine liegende Gebärposition „gedrängt“. Diese ist für den Geburtsprozess weniger günstig und für die Frau oft schmerzhafter.

*Es gibt eine unbestätigte Geschichte, dass der Ausgangspunkt der liegenden Geburt mit dem französischen Sonnenkönig Ludwig des 14. zusammenhängt. Der soll den Fabel gehabt haben, Frauen bei der Geburt zu beobachten. Damit er dies würdevoll im Sitzen tun konnte, mussten die Schwangeren vor ihm auf einen Tisch liegend gebären.

Die Rapide Abnahme der Hebammen, die auch Hausgeburten begleiten haben dazu geführt, dass ca. zweidrittel aller Geburten in einem Kreißsaal stattfinden und auch die Kaiserschnittrate rapide gestiegen ist.

Rückbesinnung zu aufrechten Geburtspositionen

In der jüngeren Vergangenheit hat eine Rückbesinnung, in die für die Frau günstigeren aufrechten Geburtspositionen begonnen. Dabei gebären die meisten halbsitzend auf dem flexiblen Bett im Kreißsaal. Das Ergebnis einer Umfrage auf www.eltern.de besagte, dass gut 60 Prozent der 1700 aller teilgenommenen Leser im Kreißsaalbett gebären, 10 Prozent in der Hocke und ebenso viele auf allen vieren. 14 Prozent entbinden in einer anderen Position.

Die beste Geburtsposition ist jedoch die, in der sich die Gebärende am wohlsten fühlt.

Es ist empfehlenswert, vor der entscheidenden Phase im Geburtsprozess, so viele Geburtspositionen wie möglich auszuprobieren. In den letzten 30 Minuten fehlt einer Gebärenden dafür vermutlich die „Muse“ und die Zeit.

Dafür sind vor allem Hebammen ausbildende Geburtskliniken geeignet, da die Hebammenschülerinnen mehr Zeit haben und motivierter sind, einer Frau dabei zu begleiten.

Geburtspositionen

In der Hocke

Geburtspositionen Hocken

Sobald die Austreibungsphase beginnt, geht die Gebärende mit jeder Wehe in die Hocke. Warum ist das hilfreich? Immer wenn die Schwangere in die Hocke geht, kippt ihr Becken nach vorne und die Schwerkraft senkt das Gewicht des Babys nach unten Richtung Gebärmuttermund.

Vorteile: Die Schwerkraft schiebt das Baby mit nach unten und unterstützt so die Frau beim „Pressen“ und weist ihr zugleich die Richtung, wohin.

Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil besteht darin, dass der Mann eine aktive Rolle während der Geburt einnehmen kann, indem er seine Frau von hinten stützt. Zudem sollte er seine Partnerin während des gesamten Geburtsprozesses, sofern sie es mag, sanft massieren.

Nachteile: Diese Geburtshaltung ist für die Gebärende wie für die Hebamme und Arzt eine sehr anstrengende und unbequeme Haltung.

Im Liegen

Geburtspositionen Im Liegen

Trotz der Vorteile der anderen Gebärpositionen entbinden die meisten Schwangeren in Deutschland noch immer im Liegen, wenn auch häufig mit halbangestellter Rückenlehne. Dies liegt vermutlich mit an den Geburtsbildern, wie sie in allen Arten von Filmen mit Geburten gezeigt werden.

Vorteile: Diese Gebärposition ist vor allem für die Geburtshelfer bequem, zudem haben sie so einen guten Blick auf das Geburtsgeschehen.

Nachteile: Der Druck des Schwangerschaftsbauches kippt das Steißbein nach vorne und verengt so den Eingang in den Gebärmuttermund. Zudem fühlen sich viele Entbindende in dieser Gebärposition dem Prozess und Helfern ausgeliefert. Dies und die liegende Haltung lassen sie in eine Passivität fallen, worunter häufig die Stärke der Wehen leidet.

Nicht zuletzt drückt die Vena cava, eine Hohlvene, die für die Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind verantwortlich ist.

Auf allen vieren

Geburtspositionen Auf allen vieren

Die Schwangere hockt sich auf alle viere und verteilt ihr Gewicht gleichmäßig auf Beine und Arme. Dies kann auf dem Boden, auf dem Bett oder in einer Wanne sein. Auf dem Bett kann sich die Gebärende bei aufrechtgestellter Rückenlehne mit ihrem Oberkörper und Armen dort abstützen.

Vorteile: Die Schwangere hat mehr Bewegungsspielraum und kann u.a auch ihr Becken kreisen lassen. Dies schafft dem Baby Platz und unterstützt es seinen Weg durch den Geburtskanal zu finden. Dadurch den größeren Raum, den das Becken so dem Baby bieten, kommt es im Vierfüßlerstand nur sehr selten zu Dammrissen/-schnitte.

Nachteile gibt es nicht und wenn dann eher für die Geburtsbegleiter.

Im Endeffekt muss die Schwangere schauen, wann unter der Geburt ihr welche Position zusagt. Denn jeder Schmerz ist ein Zeichen, dass eine Position in diesem Moment nicht förderlich ist.

Euer Babytalk-Team

Beitragsfoto: gorodenkoff / Getty Image Pro
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Deva Wallow
Deva ist Familientherapeut und Persönlichkeitsentwickler und ist bei babytalk.world als Autor und Chefredakteur verantwortlich für den Inhalt der Seite. Außerdem moderiert er die Community auf Facebook.