Doula aus Berufung

Januar 16, 2019 -



Ich freue mich sehr auf Einladung von Mira und Deva Euch ab nun von meiner Arbeit als Doula und damit verbunden Themen berichten zu dürfen.

Doula zu sein erschien mir als etwas Wunderbares und doch sehr weit entferntes. Ich hatte gerade mein viertes Kind geboren, als ich das erste Mal von dieser Möglichkeit der Unterstützung von Gebärenden hörte und fand die Form der Begleitung außerordentlich wertschätzend und sinnhaft.

Mit dem Erkennen, dass mit dem Doula sein eine rund um die Uhr Rufbereitschaft verbunden ist, parkte ich den Gedanken mit der Option auf „später gerne“, da das aktuell letzte meiner vier geborenen Kinder zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein Jahr alt war.

Wie so oft im Leben entwickeln sich die Wege unverhofft und doch vollendet anders.

Hospitationen

Für eines meiner Zertifikate musste ich eine Hospitation zu Geburten vorlegen. Ein kleines Klinikum in einem Landkreis bei Stuttgart nahm mich an und so durfte ich zu Pfingsten diese Hospitation antreten.  Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und durfte bei allen Arbeiten dabei sein, die von Hebammen ausgeführt wurden. Ich profitierte auch von den geburtenfreien Tagen, da ich mit vielen Hebammen wie Assistenzärztinnen Gespräche führen konnte, aus denen ich sehr viel Erfahrung mitnahm.

Am vierten Tag meiner Hospitation nahmen wir eine Frau mit Verdacht auf akutem HELLP Syndrom auf. Als der Befund schließlich vorlag, fiel die Entscheidung für einen Notkaiserschnitt umgehend. Die Frau fragte mich, ob ich bei ihr bleiben kann, was ich natürlich von Herzen gerne machte. Ich streichelte ihre Hand und ließ sie nicht allein.

Es gab einen kurzen Moment der Unsicherheit, ob ich das schaffe und im nächsten Moment stand ich aber auch schon im OP und streichelte weiter den Arm der Mutter. Ich erklärte ihre diversen Vorgänge und konnte sehen, wie ihr Blutdruck sich im Zaum hielt, während ich über ihren Kopf streichelte und ihr versicherte sie nicht allein zu lassen.

Wie bei einem Kaiserschnitt üblich ging es sehr schnell und schon lag das kleine Mädchen auf der Mama. Die Hebamme half es zu halten und so konnten Mama und Baby sich beschnuppern und ich ihr zu ihrem wunderbaren kleinen Kind gratulieren.

In der Zwischenzeit erreichte auch endlich der Vater die Klinik und die Familie war endlich vereint.

Diverse Anpassungsschwierigkeiten und Danksagungen

Nach der Versorgung der Bauchwunde und Verlegung ins Kreiszimmer hielt ich mich im Hintergrund und ließ der Familie ihren Raum. Durch diverse Anpassungsschwierigkeiten wurde das Baby spezieller untersucht und die Entscheidung fiel, dass das Kindlein in eine andere Klinik mit Kinderstation verlegt werden sollte.

Der Vater stand versteinert neben dem Bett der Mutter. Die Mutter regte sich mit jedem Wort mehr auf, was man ihrem Blutdruck erkennen konnte. So gab ich dem Vater, der von den Ereignissen völlig überrumpelt und paralysiert war einen kleinen Hinweis, dass er ruhig die Hand seiner Frau halten darf. Er war sehr erleichtert und griff sofort zu. Der Blutdruck senkte sich und ein erleichtertes Ausatmen war zu hören.

Immer wieder, wenn ich mit der Mutter später über die Geburt sprach, bedankte sie sich für drei Dinge:

  • Danke, dass Du die ganze Zeit so ruhig und positiv an meiner Seite warst
  • Danke, dass Du mir zu meinem Kleinen Mädchen gratuliert und Dich mit mir gefreut hast und
  • das Du meinem Mann den kleinen Schubs gegeben hast meine Hand zu halten

Ich erinnere mich noch gut an den Adrenalinspiegel, mit dem ich um ein Uhr nachts heimfuhr und noch lange nicht einschlafen konnte. Aufgewühlt und zugleich beseelt von diesem Erlebnis.

Ruhe in den Geburtsprozess bringen

Am nächsten Morgen kam ein Anruf, dass zwei wehende Frauen in der Klinik angekommen sind. Nach Ankunft durfte ich eine junge Frau und ihren Partner begleiten, die zum ersten Mal Eltern wurden. Die Mutter war guter Dinge hatte einen sehr guten Fokus auf ihre Pausen. Die Geburt schritt flott voran und es ging allen Beteiligten gut. Intuitiv wusste ich auch in dieser Situation, welchen Handgriff die Mutter brauchte, die mit fortschreitendem Verlauf auch zunehmend von ihr eingefordert wurden.

Durch eine unklare CTG Interpretation stand plötzlich das Thema Kaiserschnitt im Raum. Die Mutter war der Überzeugung, dass es dem Baby gut geht und hatte eine sehr positive Einstellung zum Verlauf. Der Vater fühlte sich sehr überrumpelt von den Informationen und beide waren auf einmal vehement aus ihrer klaren und positiven Geburtsarbeit gerissen.

Alternativen zum Kaiserschnitt erfragen

Intuitiv kam es mir über die Lippen die Eltern anzuregen nach Alternativen zum Kaiserschnitt zu fragen.

Die Eltern besprachen sich mit der Assistenzärztin und diese schlug eine Untersuchung zur Messung des ph-Wertes vor, die von den Eltern dankbar angenommen wurde.

Die nun eingenommene Rückenlage und damit verbundenen extremen Schmerzen für die Mutter zeigten sich durch Übertragung der Aufregung auf das Baby, das nun stärkere Ausschläge produzierte. Der Vater stoppte nach dem dritten Versuch das Prozedere (*), weil seine Frau sehr litt. Da das CTG ja nun „besser“ aussah, verwarf man den OP Gedanken und die Frau gebar flotte 90 Minuten später einen gesunden Jungen.

Diese Mutter bedankte sich nach der Geburt ebenfalls bei mir:

  • „Du hast so viel Ruhe reingebracht und mir wahnsinnig viel Kraft gegeben. Vor allem als das Thema Kaiserschnitt im Raum stand und
  • dass Du meinen Mann an die Hand genommen hast – das war eine enorme Hilfe.“

Eine Stunde nachdem der kleine Junge geboren war, wurde ich in das Nachbarzimmer gerufen und durfte meine dritte Geburt innerhalb von 18 Stunden erleben.

Berufung zur Doula

Nach diesen drei Geburten sprach mich die Hebamme an, ob ich mir nicht vorstellen könnte als Doula zu arbeiten. Sie erklärte mir, dass ohne meine Begleitung vermutlich beide Geburten im Kaiserschnitt geendet hätten.

Im ersten Moment war ich von dieser Frage überrumpelt, dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch, dass eine Doula eine Ausbildung und verliehene Befähigung braucht.

Mit dem Reflektieren über diese und in Folge noch weitere Geburten wurde mir jedoch klar, dass Doula sein eine Berufung ist und Fähigkeiten verlangt, die man nicht trainieren kann oder muss. Diese Fähigkeiten sind Empathie, Ruhe, Geduld, Vertrauen in die Kraft und Fähigkeit einer Gebärenden, Intuition und Liebe.

In diesen Tagen meiner Hospitation spürte ich, mit all dem was ich bin und vertrete, am richtigen Ort und angekommen zu sein. Seit diesem Tag begleite ich Frauen in der Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Elternzeit als Doula.

Wie es für mich als Doula weiterging, welche Lektionen ich lernen musste, wie ich an meine Grenzen stieß, was das Doula sein im Alltag bedeutet, warum ich selbst eine Erweiterungsfortbildung ins Leben gerufen habe und welche unglaublichen Geburten ich erleben durfte, darf ich ab nun für Euch in regelmäßigen Abständen hier beschreiben.

Ich freue mich Euch meine Arbeit näher zu bringen und verabschiede mich bis zum nächsten Mal,

Eure Doula Sylvia

Erklärung

(*) mbu – Mikroblutuntersuchung. Dazu wird eine ein Blutstropfen aus der Kopfschwarte des Kindes durch Anritzen entnommen, um den pH-Wert im Blut zu messen. Das Blut darf nicht durch Fruchtwasser „verunreinigt“ sein, da das Messgerät den Wert dann nicht korrekt bestimmen kann. Ab einem p-Wert von unter 7.10 muss die Geburt, zum Schutz des Kindes, umgehend zügig beendet werden.

Beitragsfoto: Kzenon / shutterstock

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