Wenn das Baby als Frühchen geboren wird

4. March 2017 -



Unsere Gastautorin Yvonne hat ein Frühchen bekommen. Wie sie diese Zeit erlebt hat, und was ihr dabei geholfen hat, sie mental zu überstehen, hat sie hier beschrieben:


„Herzlichen Glückwunsch, Ihr Kind ist ein Frühchen!“

Mein Kind ist ein Frühchen. Was das konkret bedeutet, wissen Eltern im vorab nicht. Schließlich setzt man sich in der Schwangerschaft ungern mit “Problemthemen” oder möglichen Krankheiten auseinander.

Alles soll perfekt ablaufen und die Geburt soll möglichst eine Bilderbuchgeburt werden.

Bei vielen Schwangeren, einschließlich mir selbst, lief es allerdings nicht so perfekt, plötzlich heisst es “Herzlichen Glückwunsch, Sie sind eine Frühchen Mama!”.

Und dann steht man völlig überfordert mit der Situation da, dass das Kind, früher als geplant gekommen ist.

Die meisten Kinder müssen um ihr Überleben kämpfen, viele schaffen es nicht, oder haben später bleibende Schäden. Das muss aber nicht immer so sein. Wir sind zum Glück mit einem mehr als blauen Auge davon gekommen.

Es ist aber nicht nur für die kleinen Helden ein Kampf, sondern auch von den Eltern erfordert dies schwere Schritte, die gemeistert werden müssen.

Als Mutter genießt du kaum, oder gar kein Wochenbett. Viele Eltern haben längere Fahrtzeiten zur Klinik und im allgemeinen bist du als Elternteil mit der Materie völlig überfordert.

Man hat Sorgen, Ängste, aber auch Hoffnung. Man wird vom Glück umarmt, aber auch von der Trauer überwältigt.

Die Gefühle auf der Frühchen-Station

Als ich auf der Intensivstation ankam, hatte ich zitternde Knie. Es war beunruhigend. All die lauten Maschinen. Überall Menschen in blauen Kitteln. Teilweise hinter einem Mundschutz versteckt.

Es roch nach Desinfektionsmitteln. Trotz der piependen Geräusche herrschte Stille, anders als auf der Station mit all den Mamis und ihren weinenden Babys im Beistellbett.

Es war einfach nur beängstigend still. Und da lag er, im Inkubator, kaum sichtbar hinter den vielen Kabeln. Ich war schockiert, das sollte also mein Kind sein? Ich soll Mama sein? Kaum zu glauben…

Ich tat mir anfangs unwahrscheinlich schwer ein direktes Muttergefühl zu empfinden. Es ist nun mal einfach anders. Schließlich bekommen viele Mütter, gerade bei Notfall- OP’s ihr Kinder im OP nicht zu Gesicht.

Nach der OP in getrennten Zimmern, wartet man auf den Moment endlich laufen zu können. Meist vergehen dabei Tage.

Im Vergleich dazu, haben normal gebärende ihre Kinder direkt nach der Geburt, auf der Brust liegen. Deshalb ist es umso wichtiger für Frühgeborene Eltern eine Bindung aufzubauen!

Was dabei hilft, eine Bindung zu seinem Kind aufzubauen

Habt keine Scheu eure Babys anzufassen. Mit Hilfe des Personals schafft ihr das! Die Versorgung des Babys ist auch eure Aufgabe und sie ist wichtig. Denn hier, wirst du Schritt für Schritt zur Mutter.

Anfangs war ich überfordert, nervös und sehr ängstlich. Ich konnte doch nicht so ein kleines Wesen an Kabeln angeschlossen wickeln, geschweige denn anziehen.

Doch, ich konnte! Ich wuchs über mich hinaus und war stolz. ‘Ich war Mama und konnte mein Baby selbst versorgen’. Ein tolles Gefühl und aus meiner völlig überforderten Hilflosigkeit, entwickelte ich immer mehr ein Selbstbewusstsein, welches ich definitiv dringend nötig hatte.

Für meine anfangs nicht vorhandenen Muttergefühle, hat mir das Känguruhen, dass Kuscheln mit dem Früchten auf der Brust, sehr geholfen. Es stärkte die Bindung zwischen mir und meinem Kind.

Mir selbst gab es jedes mal aufs Neue Kraft und meinem Kleinen tat es ebenfalls gut.

Es ist die Zeit, in der du die ganzen Monitore um dich herum vergisst, es gibt dann nur dein Baby und dich.

Und wenn ihr am Abend wieder nach Hause fahren müsst, ohne Kind…seid nicht traurig! Eure Frühchen sind die kleinsten, aber auch größten Kämpfer, die es gibt. Und ein bisschen Loslassen und Vertrauen in eure Babys müsst ihr haben.

Sie schaffen es und mit diesem Gefühl fahrt ihr jeden Abend nach Hause und am nächsten Morgen seid ihr wieder einen Schritt näher an der Entlassung. Diese Einstellung half mir ungemein die Zeit zu überstehen. Mit ihr fuhr ich fast zwei Monate lang, jeden Tag 60 km.

Natürlich gab es auch bei uns in dieser Zeit viele schwere Momente, Rückschläge und sehr viele Tränen. Ich glaube, dass Wichtigste ist, Kraft aus seinen kleinen Helden zu schöpfen.

Heute ist der Räuber über ein Jahr alt und Mama kann ihn kaum aufhalten, so auf Zack ist der kleine Mann. Ein richtiges Schlitzohr 😉

Eure Yvonne (Babytalk – Autorin)

Beitragsbild: Maesse Photography / shutterstock

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