Welche Geburt ist besser?

16. December 2016 -



Allen Eltern geht es darum ihren Kindern eine sanfte und sichere Geburt und somit einen schönen Start ins Leben zu ermöglichen.

Nachfolgend findet ihr meine Erfahrungen und Kenntnisse aus meiner Arbeit als Therapeut, Persönlichkeitsentwickler und Vater zu diesem Thema: Früher dachte man, Neugeborene wären wie ein ungeschriebenes Blatt und somit absolut gefühllos.

Wenn kleine “Eingriffe” vorgenommen wurden, wurden diese in der Regel ohne Betäubung durchgeführt. Schreien und Weinen wurden als Reflexe abgetan, so als ob sie noch kein Schmerzempfinden hätten.

Heute weiß man, dass sie bereits im Mutterleib ganz viel mitbekommen, und diese “Erfahrungen” häufig ihr späteres Leben beeinflussen.

Schwangerschaft

Im Mutterleib nimmt der Embryo alle Gefühle der Mutter wahr, ob Angst, Trauer, Freude oder Schmerz. Die Gedanken zu den Gefühlen bleiben den Embryos/Föten dagegen verborgen.

Dies ist vor allem in den ersten Lebensjahren so extrem, da Babys in dieser Zeit, alles was um sie herum geschieht als von ihnen „bewirkt“ wahrnehmen. Sie sind der Mittelpunkt „allen“ Lebens um sie herum.

Sie fühlen sich verantwortlich, wenn Mama oder Papa lacht oder weint.

Wenn eine werdende Mutter, durch einen Todesfall im engeren Verwanden- oder Bekanntenkreis sehr viel Traurigkeit während der Schwangerschaft fühlt, was vollkommen verständlich ist, wird das heranwachsende Kind später das Leben sehr wahrscheinlich mit viel Trauer und Schmerz verbinden und dies somit immer wieder in sein Leben ziehen.

Es sei denn, viele “positive” Ressourcen, wie z.B. eine enge und liebevolle Bindung zur Mutter (und Vater) nach der Geburt, überlagern die traurigen Gefühle.

Wir können uns wie eine Festplatte vorstellen, die während der Schwangerschaft/Geburt mit viel schmerzhaften Erfahrungen beschrieben wird.

Die spätere Liebe überschreibt nun die Festplatte mit ganz viel positiven Gefühlen und daraus entstehenden Überzeugungen, wie „ich bin liebenswert“.

Dies hebt mit der Zeit immer mehr die Chance, dass der Lesekopf der Festplatte immer häufiger auf ein positives Gefühl/Überzeugung trifft als zuvor.

Geburten Kreissaal/ Natürliche Klinikgeburt

Die Geburt sollte, sofern nichts Medizinisches dagegen spricht in einer aufrechten Haltung von statten gehen, denn generell wirkt beim „Hocken“ die Schwerkraft unterstützend bei der Geburt mit.

In der aufrechten Haltung der Gebärenden hat ihr Becken zudem den größtmöglichen Raum, so dass dem Kind beim Stehen und Knien der Mutter viel Platz im Becken geboten wird.

Und den meisten Frauen geht es besser, wenn sie dazu zwischendurch immer wieder umher laufen. Wenn es medizinisch nicht zu riskant ist, sollte das Neugeborene nach der Geburt erstmal auf dem Bauch oder in dem Arm der Mutter liegen.

Gott sei Dank ist dies mittlerweile in den allermeisten Geburtskliniken unterstützt.

Unsere Geburt ist eines der “traumatischsten” Erlebnisse in unserem Leben.

Wir werden aus einem geborgenen Heim, der Gebärmutter, in der wir uns sicher fühlen, in der wir die Geräusche (Herztöne, Atem, Organe…), Gerüche und die Stimme der Mutter/Eltern kennen in eine schier „grenzenlose“ und fremde Welt mit unzähligen neuen Eindrücken „gerissen“. Dies macht jedem Neugeborenen Angst.

Es ist wie eine Art „Sterben“, ein Eintritt in eine unbekannte Welt. Aus diesem Grund brauchen diese neuen Erdenbürger in den darauffolgenden Wochen/Monaten noch viel Nähe und nicht zu viele fremde Eindrücke.

Intuitiv legt man sie zum Schlafen in ein kleines Bettchen oder macht ein größeres durch „Decken oder andere kuschelige Dinge“ die nicht die Atmung des Babys gefährden kleiner. Neugeborenes wird per Kaiserschnitt aus dem Bauch der Mutter geholt

Kaiserschnitt
Bei einem Kaiserschnitt geht es besonders darum, die eher negativen Rahmenbedingungen der Geburt, viel Licht und häufig auch Zeitnot durch eine möglichst “RUHIGE” Geburtsatmosphäre auszugleichen und der “hilflosen” Mutter und dem Ungeborenen mit viel Wertschätzung zu begegnen.

Verständnisvolle Frauenärzte klopfen, sofern es die Zeit zulässt, nach dem Aufriss der Bauchdecke an der Gebärmutter an (das darf man jetzt nicht wörtlich nehmen.Es geht um die Ankündigung, die Kontaktaufnahme), um dem Fötus auf den bevorstehenden “Gewaltakt” vorzubereiten.

“Hallo du Kleines, gleich wird jemand mit seinen Händen zu dir durchdringen und dich aus deinem schönen Heim herausheben und deiner Mutter auf die Brust legen. Sie ist gerade etwas aufgeregt, doch mach dir keine Sorgen, es geht ihr gut und sie freut sich auf Dich.“ Werdende Mutter entspannt vor der Geburt liegend auf einem großen Gummiball  

Hausgeburt und Geburt in einem Geburtshaus

Bei Geburten in der heimischen Wohnung oder in einem Geburtshaus wird, wenn möglich, häufig der Raum abgedunkelt und nur Kerzen- bzw. sanftes Licht verwendet.

Ruhige oder entspannende Musik kann dem neuen Erdenbürger zudem den Schritt in die neue Welt erleichtern. Allen Anwesenden ist in einem solchen Fall bewusst, dass eine entspannte Atmosphäre sehr wichtig und vor allem sehr hilfreich ist, damit die Gebärenden sich so gut wie möglich entspannen können.

Nicht selten wird der werdenden Mutter vorgeschlagen noch ein kurzes warmes Bad zu nehmen.

Viele Mütter genießen das Ritual zu einer „ähnlichen“ Tageszeit bei entspannter Musik mit dem Ungeborenen in Kontakt zu gehen und ihm über seinen Tag, seine Wünsche und ggf. auch Ängste zu erzählen, sofern diese nicht zu extreme Emotionen hervorrufen.

Diese Musik kann dann auch während der Schwangerschaft abgespielt werden. Werdende Mutter entspannt in einer Geburtswanne mit dem Kopf auf dem Rand liegend  

Wassergeburt

Diese kann zu Hause, in einem Geburtshaus und in den meisten Kliniken vorgenommen werden. Dabei hockt die Gebärende in einer körperwarmen „Wanne“ und wird bestenfalls mit dem Atem unterstützt sich zu entspannen.

Dabei wird darauf geachtet, dass der Aufenthalt nicht zu lange ist, da er sonst zu einer Belastung für Mutter und Kind werden kann. Hockt sich die Frau hin, kann der kindliche Kopf leichter in den engen Beckenausgang hineinrutschen.

Je entspannter die Gebärende ist, desto leichter und schmerzfreier wird die Geburt. Es gibt auch Mütter, die so im vertrauen sind, dass sogar das erste Kind leicht und zügig zur Welt kommt.

Hier sind es vor allem die eigenen mit der Geburt verbundenen Gedanken und Überzeugungen der Mutter, die die Geburt ihres Babys beeinflussen.

Häufig sind diese, u.a. durch erzählte „Horrorgeburten“, mit sehr viel Angst besetzt. Dies lässt die Mutter nicht zuletzt im Beckenbereich verspannen. Was es der Gebärmutter schwerer macht sich zu öffnen.

Hier wirkt das warme Wasser entkrampfend und der Beckenboden wird elastischer und gibt leichter nach.

Das Wasser ist außerdem das Element, wo sich das Neugeborene am heimischsten und wohlsten fühlt. Es hat ja nun einmal sein bisheriges Leben in solchem verbracht.

Übrigens: sobald das Kind geboren ist, macht es durch Paddelbewegungen von sich aus deutlich, wann es aus dem Wasser gehoben werden muss, um seinen ersten Atemzug zu tun. Die meisten Babys paddeln sogar selbst an die Oberfläche.

Bei der Geburt im körperwarmen Wasser ist die „neue Welt“ nicht mehr ganz so fremd.

Alle der hier aufgeführten Geburtsarten haben ihren spezifischen Einfluss auf das kommende Leben des neuen Menschen.
(Weitergehende Informationen über die Geburt im warmen Wasser findet ihr hier.)

Überzeugungen über das Leben

Nachfolgend habe ich einige typische Überzeugungen aufgeführt, die bei der Geburt entstehen und unser zukünftiges Leben beeinflussen können. Warum? Weil wir alle ersten Erfahrungen, die wir als „Mensch“ auf dieser Welt machen, erstmal als absolute Wahrheit annehmen.

Ob Babys in diesen Situationen, diese Überzeugungen übernehmen und wenn ja, wie lange diese das zukünftige Leben prägen, hängt nicht zuletzt von den vertrauensstärkenden Erfahrungen und vor allem von der liebevollen Zuwendung ihrer Eltern ab.

  • Wenn das Neugeborene nach der Geburt, aus welchem Grund auch immer, nicht bei der Mutter liegen und auch nicht beim Vater auf den Arm kann, fördert dies die Angst des Verlassen Werdens und/oder „ich bin nicht liebenswert“.
  • Wenn das Baby geholt wird, verstärkt es die Überzeugung, „Ich habe versagt, ich schaffe es nicht allein”.
  • Wenn die Geburt eingeleitet wird, kann die Überzeugung “Ich habe keine Zeit” daraus übernommen werden.

Neugeborenes nach einer Hausgeburt an der Brust der Mutter liegend, Vater umarmt Mutter und Neugeborenes

Fazit

Nichtsdestotrotz bin ich der festen Überzeugung, dass wir als Eltern, Hebamme und Ärzte nur unser Bestes geben können und wenn es dann doch eine eher traumatische Schwangerschaft oder Geburt wird, die daraus resultierenden Erfahrungen und Überzeugungen, so wenig Lebensfreude sie auch ausdrücken mögen, dann für das Kind wichtig sind, um seine Persönlichkeit zu entwickeln und seinen Platz im Leben zu finden.

Und so kann z.B. die Geburtsüberzeugung “Ich schaffe es nicht” gerade dazu führen, dass dieser Mensch in seinem Leben alles daran setzt “Alles zu schaffen, was er sich vornimmt”… .

Werdende Mütter sollten bei der Wahl der Geburtsart vor allem auf ihr Gefühl hören und schauen, wem sie am meisten vertrauen. Vertrauen ist absolut notwendig, um während der Geburt entspannen zu können.

Wenn sie sich sicher fühlt, fühlt sich auch ihr Ungeborenes sicher.

Sie sollte zudem für sich überlegen, wem sie dabei haben möchte, wobei Gedanken, dies kann ich jenem oder jener nicht antun, nicht hilfreich sind. Gespräche mit dem ungeborenen Baby fördern die Entspannung sowohl der Mutter als auch des Babys.

Nach der Geburt ist es vor allem wichtig, dass die „frischgebackene“ Mutter ihr Baby in ihren Armen oder auf ihrer Brust halten kann.

Dies gewährleistet für beide, dass die während der Schwangerschaft aufgebaute Bindung nicht unterbrochen wird und der nicht immer schmerzfreie Prozess der Geburt, gut verarbeitet werden kann.

Liebe Grüße Deva Babytalk-Redaktion Übrigens wurde am 19.06.2017 im ARD ein Beitrag gesendet, welcher aufzeigt, warum immer öfter unnötige Kaiserschnitte gemacht werden (ca. ab Minute 5):

Foto 1: Kati Molin Shutterstock
Foto 2: jomphong Shutterstock
Foto 3: Kazenon Shutterstock
Foto 4: ChameleonsEye Shutterstock
Foto 5: nata-lunata Shutterstock  


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