Das Wochenbett – Warum das Zusammenfinden Zeit braucht

Das Wochenbett – Warum das Zusammenfinden Zeit braucht

, Oktober 23, 2017

Wozu brauche ich sechs bis acht Wochen Wochenbett?

Das Wochenbett ist eine Zeit der Ruhe und des Ankommens. Vielleicht mag der Begriff für so manchen altmodisch klingen. Früher hielten die „Wöchnerinnen“ das Wochenbett sehr streng ein.

Was zum einen daran lag, dass viele Frauen, etwa in der Landwirtschaft, ja wirklich sehr hart arbeiteten. Zum anderen  gab es aber gesellschaftlich auch nicht so einen Druck auf die Mütter, gleich wieder fit, schlank und voll belastbar zu sein.

Babyblues und Frühwochenbett

Gerade im sogenannten Früh – Wochenbett bekommen manche Frauen den sogenannten Babyblues, zu dem unsere Großmütter noch Heultage sagten. Die hormonelle Umstellung, der Milcheinschuss und die neue Situation können ganz schön heftig aufs Gemüt schlagen.

Manchmal wächst sich das Stimmungstief auch zu einer Depression aus. Jede junge Mutter soll sich unbedingt Hilfe holen, wenn sie das Gefühl hat, nicht mehr froh zu sein und mit der Situation nicht klar zu kommen.

Da soll niemand warten bis es richtig schlimm wird. Deshalb ist es sehr ratsam, dass eine Hebamme regelmäßig zur Nachsorge vorbeischaut. In den ersten zehn Tagen kommt die Hebamme wirklich jeden Tag. Auch dann wenn die Mutter erst nach einer Woche aus dem Krankenhaus nach Hause kommt.

Dies sollte vorher ausgemacht sein. Am besten ist es, die Hebamme schon in der Schwangerschaft regelmäßig zu besuchen. So ist sie nicht mehr fremd und die junge Mutter traut sich auch wirklich alles zu fragen.

Die Hebamme hilft bei der Pflege des Neugeborenen, schaut auf die Nabelschnur die jetzt langsam abfällt. Sie zeigt den jungen Eltern auch, wie man das kleine Baby badet. Die wertvollen Tipps meiner Hebammen waren so wichtig, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe.

Sie berät nicht nur rund ums Kind, sondern weiß auch alles über die Vorgänge im Frauenkörper nach der Geburt und hat natürlich auch viele Tipps zum Stillen.

Was mit und in Deinem Körper nach der Geburt geschieht, hat Mira in ihrem Artikel zum Wochenbett beschrieben. Außerdem gibt sie eine wichtige Checkliste, wie ihr Euch die ersten Tage und Wochen erleichtern könnt. Zum Beispiel, indem ihr schon vor der Geburt alles im Haus habt, was in dieser Zeit des Frühwochenbettes wichtig wird.

In das neue Leben hineinfinden

Das Wochenbett ist nicht nur eine Zeit, in der sich der Körper der Frau sehr stark verändert.  Dies sowohl geburtsbedingt als auch in hormoneller Sicht. Die Wunden der Geburt brauchen eine Weile, um zu verheilen. Und der Frauenkörper bildet sich zurück nach den großen Umstellungen in der Schwangerschaft und der körperlich anstrengenden Geburt.

Aber nicht nur der Körper braucht diese Zeit: Es bedarf auch der Ruhe, damit die neue Familie zusammen findet. Deshalb ist es gut, wenn Eltern und Kinder im Wochenbett, die Möglichkeit haben in einem geschützten Raum für sich zu sein. Freunde und Verwandte sind gern gesehene Helfer, wenn sie wirklich „nützlich“ sind.

Damit sind Menschen gemeint, die nichts fordern oder erwarten, sondern mithelfen beim Aufräumen oder Kochen, zum Einkaufen gehen oder mit den Geschwisterkindern spielen. Sie sollen den Eltern möglichst viel abnehmen und dafür sorgen, dass diese Zeit miteinander und dem Neugeborenen verbringen können.

Die Familie muss sich zusammenfinden

Auch wenn es nicht das erste Kind ist, die Familie verändert sich in ihrem Gefüge und braucht Zeit, sich neu zu formieren.

Mutter und Baby haben jetzt die Zeit sich zu beschnuppern, sich kennen zu lernen, ebenso die anderen Familienmitglieder. Es braucht Ruhe und Zeit, die Geburt selbst zu verarbeiten. Oft wird einem erst viel später klar, was die Geburt für ein intensives Erlebnis war und was sie alles ausgelöst hat.

Und das gilt nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Baby. Das kleine Wesen hat in seinen ersten Tagen auf unserer Welt mit all seinen Sinnen schon so viel Neues erlebt, dass es die kuschelige Nähe zur Mutter in Stille und Harmonie zum Ausruhen braucht.

Selbst das Ankleiden, das Wickeln und das Schlafen mit dem kleinen Wesen in einem Bett ist für das Baby, aber auch für die Eltern neu und besonders. In so einer entspannten Atmosphäre können sich Mutter und Kind auf sich selbst konzentrieren und sich voll und ganz dem Stillen widmen.

Das Wochenbett ist die Zeit, um sich mit dem neuen Lebensabschnitt auseinanderzusetzen, mit einer neuen Rolle im Leben. Damit auch der Vater Teil haben kann, sollte das so gut wie möglich bereits vor der Geburt organisiert sein.

Bekommt er Urlaub oder besteht die Möglichkeit in diesen Wochen weniger zu arbeiten? Wer könnte helfen, damit der Vater sich nicht komplett um Haushalt und Alltag kümmern muss und damit auch wieder keine Zeit für seine junge Familie hat?

Ein guter Rat ist es, bereits in den Wochen vor der Geburt einen Vorrat an eingefrorenen Gerichten anzulegen. Auch Lieferdienste von Supermärkten, Pizza-Service oder – natürlich viel gesünder – eine Gemüsekiste sind in dieser Zeit hilfreich.

In den Alltag finden

Die Hebamme ist auch Ansprechpartnerin für Rückbildungskurse und bietet oft selbst solche an. Bei den Zwillingen lebten wir z.B. auf dem Land und es war mir viel zu stressig, mit den Kindern so einen Kurs zu besuchen. Die Hebamme schlug vor, die leichten und kräftigenden Gymnastikübungen einfach daheim mit mir zu üben.

Wer sich selbst etwas Gutes tun möchte, bucht eine Mütterpflegerin. Die kommt nach Hause, gibt Massagen und verwöhnt die junge Mutter nach Strich und Faden.

Wenn so etwas in Deiner Gegend nicht verfügbar ist, tut auch eine Massage oder ein Besuch bei einer Osteopathin richtig gut. Mir hat letztere sehr geholfen, meinen Körper wieder in seine alte Form zurückfinden zu lassen.

Das Wochenbett, die Zeit der Ruhe

Die Zeit des Wochenbetts sollte unbedingt dazu genutzt werden, damit sich die Mutter selbst etwas gutes tun kann. Der Alltag kehrt früh genug wieder ein.

Daher sollte das Wochenbett solange wie möglich, also mindestens sechs Wochen eingehalten werden.

Im Frühwochenbett zu ruhen, leuchtet den meisten annähernd ein. Die ersten drei, vier Wochen zunächst wirklich im Bett und dann immer noch mit sehr viel Liegepausen zu verbringen, klappt anfangs noch ganz gut.

Doch mit der zunehmenden Energie der Mutter fällt die Auszeit immer schwerer. Und sie verspürt immer mehr den Drang nach Abwechslung und Bewegung. In wieweit Du diesem Bedürfnis nachgibst liegt auf jeden Fall in deiner Entscheidung und Verantwortung.

Natürlich können im zweiten Monat schon Spaziergänge unternommen werden. Doch die Ruhe für Mutter und Kind sollte nach wie vor oberstes Gebot sein.

Neben Rückbildung und Mama-Terminen ist eh schon einiges los. Das Baby geht zu den ersten Untersuchungen beim Kinderarzt. Der Vater wird in den meisten Fällen wohl recht früh wieder arbeiten müssen und auch die Besucher- und Unterstützerzahl nimmt wieder ab.

Jetzt ist es Zeit ein wenig Routine in den Alltag zu bekommen. Das tut dem Kind und der Mama gut. Da das Kind in den ersten zwei Monaten noch sehr viel schläft, hat die Mutter jetzt auch Zeit sich einmal auszuruhen.

Sie sucht sich ein gutes Buch zum Lesen oder sonst etwas zu tun, was sie selbst einfach gerne macht. Sozusagen im Hinblick auf die Zeit, in der diese Augenblicke, für sich ganz allein sein zu können, dann erst einmal wieder seltener werden.

Kräftigende Ernährung im Wochenbett

Eine gesunde und nährstoffreiche Ernährung ist ein wichtiges Thema in der Zeit des Wochenbetts. Darüber kann auch schon vorher nachgedacht werden. Die Klassiker sind kräftigende Suppen – die sind zudem praktisch, da sie immer mehr als eine Mahlzeit ergeben – sowie Stillkugeln, wie sie die Hebamme Ingeborg Stadelmann in ihrem sehr empfehlenswerten Buch „Die Hebammensprechstunde“ vorschlägt.

Dieses Buch ist überhaupt ein nützlicher Begleiter in der gesamten Schwangerschaft und der ersten Zeit mit dem Baby. Eine gesunde Ernährung ist sehr wichtig in dieser Zeit für die Mutter und wegen dem Stillen natürlich auch für das Kind. Blähende Gemüse und scharfe Gewürze sollten daher lieber weggelassen werden.

Stillkugeln nach Ingeborg Stadelmann aus „Die Hebammensprechstunde“

1 kg Dinkel, Gerste und/oder Hafer, 300 g gekochten Vollreis, 350 g Ghee oder Butter, 300 g Honig, evtl. 1 Tasse fein gehackter Nüsse z.B. Haselnüsse, Cashew, Mandeln, Kokos oder Walnuss, 1 Glas Wasser, Milch oder Pflanzenmilch

Reis kochen und beiseite stellen. Abkühlen lassen. Das Getreide mahlen (je nach Wunsch gröber oder feiner), bzw. schon verarbeitet kaufen, und kurz anrösten. Nüsse können ebenfalls kurz angeröstet werden. Wenn die Masse eine leichte Bräune hat und duftet, Butter hinzufügen.

Weiter verrühren bis die Butter geschmolzen ist, Honig hinzugeben und gut schwenken. Anschließend die Masse vom Herd nehmen und je nach Konsistenz Reis, Wasser oder Milch hinzugeben. Die Masse sollte gut formbar sein und die Stillkugeln nicht zerfallen. Die Kugeln mit ca. 2-3 cm Durchmesser im Kühlschrank lagern. Auf Wunsch diese in Kokosflocken, gerösteten Sesam oder Kakao wälzen.

Wer mag, kann dieses Rezept mit Datteln und getrockneten Feigen sowie anderen Trockenfrüchten anreichern. Diese Energiebällchen, die zudem die Milchproduktion positiv beeinflussen, sind auch ein schönes Geschenk, das jemand mitbringen könnte.

Eure Verena Wagner (Babytalk – Autorin)

Beitragsfoto: hedgehog94 / shutterstock
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