Weg von der Nuckelflaschel

26. Oktober 2018 -



Nun ist es genug, die geliebte Nuckelflasche soll weg? Das Kind ist aber dagegen und sieht absolut nicht ein, wieso der geliebte Begleiter ausgedient haben soll? Nachfolgend erhaltet ihr hilfreiche Tipps und Hintergrundinformationen, um euren Kleinen das Nuckeln am Fläschchen „abzugewöhnen“.

Ist das Fläschchen nun wirklich schlecht für die Zähne oder ist das ein Ammenmärchen? Was ist das kleinere Übel – Schnuller, Fläschchen oder gar der Daumen? Oder ist alles halb so wild und das Kind hört irgendwann ganz von selbst mit dem beruhigenden Nuckeln auf?

Während noch in den 1970ern bedenkenlos mit Zucker gesüßte Getränke und Instant Babytees in Saugflaschen gefüllt wurden, gibt es heute zahlreiche Studien zur Zahngesundheit und zur schädlichen Wirkung von zuckerhaltigen Getränken in Babyflaschen.

Doch – zumindest hoffe ich das – wissen heute die meisten Eltern, dass zuckerhaltige Tees und andere gesüßte Getränke ebenso wie Säfte, die von Natur aus Fruchtzucker enthalten, in der Babyflasche extrem gefährlich sind.

Denn neben dem Zucker selbst, ist es für den Zahnschmelz absolut schädlich, wenn Zucker oder andere Süßstoffe ständig die Zähne umspülen. Apropos umspülen. Das ist das zweite No Go in Sachen Fläschchen. Niemals sollte den Kindern das Nuckelfläschchen über einen längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt werden.

Nuckelflasche als Einschlafhilfe

Wenn die Flasche dem Kind überlassen bleibt, etwa als Einschlafhilfe, ist häufig zu beobachten, wie es den Sauger wie einen Schnuller im Mund lässt, um immer wieder mal daran zu nuckeln, falls es ein wenig erwacht.

Die Flüssigkeit umspült beständig die Zähne und so kann selbst ein mit verdünnter Milch gefülltes Fläschchen zum Kariesbringer werden. Dies gilt ebenso für säurehaltige Getränke, wie z.B. Orangensaft. Beides erhöht das Kariesrisiko bei Keinkindern um ein Vielfaches.

Die Zahngesundheit leidet erheblich. Doch nicht nur das: Eine groß angelegte Studie der Temple University in Philadelphia zeigte auf, dass Zweijährige, die regelmäßig aus der Flasche trinken, mit fünf Jahren stärker zu Fettleibigkeit neigen.

Viele Eltern bedenken nicht, dass eine Kakao- oder Milchflasche kalorienmäßig gesehen, wie eine kleine Mahlzeit zu werten ist. 200 ml Milch machen laut besagter Studie etwa 12% des täglichen Kalorienbedarfs aus.

Experten raten schlicht, erst gar nicht mit dem Flasche geben anzufangen. Falls das schon geschehen ist, dann sollen die Kleinen nach dem Trinken ihrer Flasche auf jeden Fall die Zähne geputzt bekommen.

Fläschchen zur Beruhigung

Schlafendes Baby mit Nuckelflasche

Denn in der Praxis läuft oft alles anders als in der schönen Theorie. Weil unsere Kinder alle abends viel geschrien haben und wir Bauchweh nicht ausschließen konnten, haben sie schon mit wenigen Wochen ein Fläschchen mit ungesüßten Fencheltee bekommen. Und schwupps, schnell war die Flasche nicht mehr wegzudenken und ein wichtiger Helfer bei Schreiattacken.

In der Familie meines Mannes war es üblich, den Babys im Alter von einem Jahr mit Wasser verdünnte Frischmilch im Fläschchen zu trinken zu geben. So bürgerte sich auch dieser Brauch rasch bei uns ein, anstatt wie heute von Fachärzten und Experten geraten mit einem Jahr komplett auf Tassen und/oder Trinklernbecher umzustellen.

Nachdem unsere drei Kinder die harten Trinkaufsätze der Flaschenhersteller alle rigoros abgelehnt hatten, machte ich mir Sorgen wegen dem Milchzuckergehalt der Kuhmilch.

Wie auf dem Beipackzettel der Fläschchen empfohlen, hatte ich vor mit einem halben Jahr auf die harten Aufsätze umzustellen. Die anders als die Sauger mit einer größeren Öffnung auf das normale Trinken aus dem Becher vorbereiten sollen.

Die Kinder mochten diese „neuen“ Fläschchen aber gar nicht und warfen sie, wütend durch die Gegend. Zu den Mahlzeiten tranken sie ein wenig davon.

Sobald es sich aber um den Abendtrunk auf dem Sofa handelte, klappte das überhaupt nicht. Ihnen lief die Flüssigkeit in den Kragen und die harten Aufsätze boten ihnen einfach keine Saugqualität, was die lieben Kleinen zusehends frustierte.

Tipps zum Entwöhnen

Während Milch Laktose (Milchzucker) enthält, war die bei den Zwillingen eingesetzte Pflanzenmilch teilweise sogar noch um einiges süßer. Daher habe ich beides immer sehr mit Wasser verdünnt, um mein Gewissen zu beruhigen.

Irgendwie konnte ich ihnen ihre „Nuckiflasche“ auch nicht Wegnehmen. Ich brachte es einfach nicht übers Herz, weil alle drei das Nuckeln offensichtlich als so beruhigend empfanden.

Doch irgendwann kam der Zeitpunkt – beim ersten Sohn im dritten Lebensjahr, bei den Zwillingen um den zweiten Geburtstag herum – an dem mir wirklich klar war, dass die abendliche Einschlafberuhigung per Fläschchen der Vergangenheit angehören musste.

Im zweiten Lebensjahr waren jeweils schon etliche halbherzige Versuche vorangegangen. Manchmal klappte es besser, manchmal nur kurz – je nach Phase des Kindes haben wir aber doch wieder auf das Fläschchen als Beruhigungsmittel zurückgegriffen.

Wenn alles gut lief, gab es Wasser oder Tee und von Beginn an habe ich die Flaschen nach der abendlichen Nuckelrunde stets wieder weggenommen. Als es dann aber ernsthaft an die Entwöhnung gehen sollte, kaufte ich erst einmal neue hübsche Flaschen – mit einem normalen, altersgemäßen Trinkflaschenaufsatz.

Die fanden sie eine Weile ganz gut, aber sie tranken damit immer nur ein bisschen. Wenn sie ganz grantig wurden, haben wir die alten Nuckelaufsätze auf die neuen Flaschen aufgeschraubt. Nicht ganz so erfolgreich wie gedacht, aber immerhin wurde dem Nuckelbedürfnis nur noch im Ernstfall nachgegeben.

Nur noch Wasser in den Flaschen

Irgendwann gab es dann wirklich nur noch Wasser in der Flasche. Mich nervten die ständig irgendwo herumliegenden Flaschen mit den Milchresten einfach zu sehr, als das ich das noch weiter hätte ertragen könnte. Wie beim Abstillen ist das oft der wichtigste Punkt, damit es klappt. Man muss es richtig stark wollen und seinen Kleinen zutrauen, dann klappt es plötzlich.

Die Kinder waren lange Zeit gar nicht angetan von den Wasserflaschen. Komischerweise tranken sie dann aber plötzlich auch Wasser mit hartem Trinkverschluss. Anscheinend akzeptierten sie das Wasser, wenn sie wirklich Durst hatten und dann war ihnen der Verschluss egal.

Es ging zu diesem Zeitpunkt anscheinend immer weniger ums Nuckeln. Saft bekamen sie mit zwei Jahren bereits verdünnt im Becher sowie Wasser zu den Mahlzeiten.

Alle drei Kinder haben mit den Nuckelflaschen endgültig erst im Alter von zwei bis drei Jahren aufgehört. Der Große hatte noch einen „Rückfall“: Als er sah wie die kleinen Geschwister ihre Flaschen bekamen. Irgendwie habe ich ihn da auch verstanden.

Die Nuckelflasche wird mit der Zeit zu einer (scheinbaren) Garantie bzw. Ritual für Geborgenheit und Sicherheit.

Manchmal hilft allerdings auch die „Fläschchen-Fee“ bei der Entwöhnung. Diese kann die Flasche immer öfter in eine Tasse oder das Einschlaffläschchen in eine Extraportion Kuscheln mit Mama und Papa verwandeln.

Eure Verena (Babytalk-Autorin)

Beitragsfoto: Oksana Kuzmina / shutterstock
Foto2: S.Borisov / shutterstock

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