Was Kinder unter einem NEIN verstehen

9. Juli 2018 -



Erziehung ohne Nein: Habt ihr schon einmal darauf geachtet, wie häufig ihr zu euren Kleinen Nein oder das geht nicht, dass kannst du nicht haben etc. sagt? Studien meinen es sind weit über 100 verneinende Aussagen dieser Art.

Was ist an einem NEIN  verwerflich?

An sich nichts. Nur verstehen vor allem unsere Kleinen unter einem NEIN nicht nur den „Ausschlag eines Wunsches“, sondern: „Ich bin nicht OK“, was für sie gleichbedeutend ist, mit „Ich bin nicht liebenswert !!!„.  Das liegt daran, dass Kleinkinder ihre Bedürfnisse und Wünsche noch nicht von ihrer „Person“ trennen können. Dies fällt übrigens auch noch vielen Erwachsenen sehr schwer.

Viele von Euch können sich bestimmt nicht mehr daran erinnern, was ihr empfunden haben. Das liegt vor allem daran, weil sich das Meiste davon vor allem auf einer uns unbewussten Ebene abspielt.

Was nun? Sollen wir jetzt unsere Kinder etwa immer alles geben, was sie sich wünschen und keine Grenzen mehr setzen???? – Nein.

Doch man kann seine Kommunikation bzw. Formulierungen verändern. Dies ist zwar zu beginn etwas „mühseelig“, doch es ist eine lohnenswerte Investition in die Beziehung zu eurem Kind.

Hier ein paar Beispiele wie wir ein NEIN umgehen können:

Kind: „Ich will jetzt fernsehen!“  –  Mama: „Nein, Du darfst jetzt kein Fernsehen mehr schauen!“

– besser: „Ich kann verstehen, dass Du jetzt gerne Fernsehen möchtest. Was ich Dir anbieten kann, ist, dass wir jetzt erst in Ruhe zu Abendessen und wenn wir gemeinsam den Tisch abgeräumt haben, lese ich Dir gerne noch eine Geschichte vor. “

Kind (im Geschäft): „Ich will diese Puppe!!!!!“  –  Mama: „Nein, die gibt es nicht.“

– Unsere Vorschläge: „Oh, ja, diese Puppe ist wirklich schön. Die hätte ich auch gerne gehabt. (Hier geht es darum, unserem Kind Verständnis für ihr Bedürfnis/ihren Wunsch zu schenken.)

 oder „Diese Puppe werde ich Dir zwar nicht kaufen, doch was ich Dir vorschlagen kann, ist, dass wir, wenn ich mit den Einkauf fertig bin, ein Eis essen gehen“.

Es ist besser, unseren Kindern Verständnis für ihre Bedürfnisse/Wünsche entgegen zu bringen und eine Alternative anzubieten. Dies ist aber nicht immer zwingend notwendig. Es hilft aber häufig in unpassenden Situationen, dass Kind schneller zu beruhigen.

Ebenso ist es gerade bei Kleinkindern hilfreicher ihnen Alternativen vorzuschlagen als sie „offen/frei“ nach ihren Wünschen zu fragen. Denn das überfordert sie.

Papa: „Na, was sollen wir am Wochenende unternehmen?“ Kind: Ich will ins Disney Land.“

Wenn wir unsere Kleinen häufiger nach ihren Wünschen fragen und dann ablehnen (müssen), fühlen sie sich nicht ernstgenommen und nehmen auch unsere Fragen nicht mehr ernst. Und verlieren ihr Vertrauen in unseren Wunsch sie glücklich zu machen und an unsere Liebe.

Ich möchte noch betonen, dass einzelne Neins das Selbstbewusstsein von Kleinkindern nicht unbedingt schwächen müssen, da sie in der Regel auch viel Anerkennung, Wertschätzung und Bestätigung erhalten.

Kind greif beim Einkaufen in die Eistruhe

Doch das Vertrauen unserer Kinder wächst mit jeden JA.

Je mehr wir gewaltfreie Kommunikation üben, umso stärker wächst das Vertrauen unserer Kinder uns gegenüber und zu sich selbst.

Vor allem in Gefahrensituationen sind Neins wenig hilfreich. Da ihnen in diesen Momenten die Aufforderung fehlt, was sie stattdessen machen sollen.

Ich empfehle in diesen Situationen klar auszudrücken, was das Kind machen soll, wie z.B. „Bleib stehen!“ oder „Stopp!“, „Komm zu mir!“ (…). Dabei gilt: je kürzer und klarer umso besser!

Hilfreich ist es, wie in allen Anweisungen unseren Kindern zu sagen, was wir uns von ihnen wünschen und nicht, was wir uns nicht wünschen. „Betreten nicht den Rasen“, „Denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten“.

Diese Anweisungen gehen häufig in die „Hose“. Da unser Gehirn mit Bildern arbeitet und es für die Worte „nicht“ und „verboten“ (und vielen gleichbedeutendenen) keine klaren Bilder gibt, werden diese Worte in unseren „Bildern“ weggelassen. Und es bleiben Bilder übrig, wie wir den Rasen betreten oder es taucht ein Rosa Elefant vor unserem inneren Auge auf.

Ich weiß aus eigener Erfahrung als Papa, dass es eine sehr anstrengende, aber auch lohnenswerte Investition, in ein entspannteres Familienleben und in das Selbstbewusstsein unserer Kinder ist und kann euch dies nur nahelegen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns eure Erfahrungen, Fragen und Ideen in diesem Zusammenhang mitteilt, z.B. Welche „Neins“ findet ihr besonders schwer, umzuformulieren?

Euer Deva (Babytalk – Redaktion)

Beitragsfoto: HTeam / shutterstock
Foto 2: Andrey Burstein / shutterstock

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