Meine erste selbstbestimmte Geburt

März 12, 2019 -



Eine typische „Risikoschwangerschaft“

43 Jahre alt, chronische Erkrankung, Zustand nach Kaiserschnitt, Mehrgebärende, großes Kind und viel Fruchtwasser, ET+8 – rein Geburtsmedizinisch eine Risikoschwangerschaft. So fühlten sich auch die ersten Monate, durch die starke Hyperemesis an. Dieses kleine Wesen überraschte uns mit seinem Ankommen. War unter diesen Umständen eine selbstbestimmte Geburt möglich?

Sofort war mir bewusst ich wollte dieses Mal keinen Kompromiss unter der Geburt weder im Geburtsort, der Geburtsform, noch in der Betreuung eingehen. Bei allen vorherigen Geburten war dies der Fall.

Kein Kompromiss hieß für mich die Hebamme meines Vertrauens bei einer geplanten Hausgeburt. Leider musste die Hebamme aus persönlichen Gründen ihre Zusage widerrufen. Was nun?  Neu orientieren? Nein, das erschien mir alles zu anstrengend. Mein Partner und ich redeten viel in den nächsten Wochen. Er bestärkte meinen Wunsch der Hausgeburt und zur Not auch ohne anwesende Hebamme.

Beunruhigende Probleme

Plötzlich dann medizinische Probleme. Querlage der Kleinen (was mich nicht so beunruhigte, da ich Mehrgebärende war), eine erhöhte Menge Fruchtwasser und ein plötzlicher Perzentilen Sprung im Geburtsgewicht (diese beiden Dinge beunruhigten mich dann schon). „Schaffe ich die Geburt eines 4000g Kindes? Habe ich einen unentdeckten Schwangerschaftsdiabetes, der dann meine Geburt zu Hause im Kreis der Familie kosten würde?“

Da war ich nun, wo ich dieses Mal nicht hinkommen wollte. Fremdgesteuert, nachdenklich, weit ab von meinen ureigenen Wünschen. Kurz kam ich von meinem Weg ab, Tränen flossen. Ich wollte dieses Menschenkind so unbedingt zu Hause willkommen heißen.

Zurück ins Vertrauen kommen

Ich musste mich fangen, wieder in mein Vertrauen in mich, dem Menschenkind und meinen Körper kommen. Was mir half war die Natur, der Wald und das Element Wasser. Ich spürte, dass das beobachten eines Bachlaufes mich mir wieder näher brachte. Und auch mein Partner bestärkte mich in meinem Wesen.

Die kommenden, wehenden Nächte verbrachte ich mit meiner Hündin zu den Füssen am Kamin. Ich lud mir eine Wehenapp runter, um in meinen Geburtsvorbereitungskursen irgendwann mitreden zu können. Am ET passierte nichts – obwohl es doch immer hieß, die Kleine wäre 2 Wochen voraus.

Unzählige Tassen Himbeerblättertee, Heublumendampfsitzbäder, Datteln (nie verzehrt), Nelkenöltampons, Leinsamen, meine Hypnose CD, den dicken Bauch anmalen, Bauchfotos und einen Bauchabdruck versüßten mir das warten.

Dann am ET+7 die CTG Kontrolle in der Klinik. Die Klinik in der ich mich widerwillig zur Geburt angemeldet hatte. Die Klinik konnte nichts für meine Nichtakzeptanz. Ich wollte dort einfach nicht hin, nicht diskutieren über Oxytocingaben, Braunülen, Geburtspositionen usw. Vielleicht hätte ich diese dort nie gehabt, aber das Wissen, dass es unter der Geburt so kommen könnte, reichte aus. Prompt war das CTG mit Wehen durch Brustwarzenstimulation nicht 100%ig. Stunden später dann die erneute Fahrt zur CTG Kontrolle in die Klinik. Genau diese Unruhe wollte ich nicht.

Mit der Geduld am Ende

Geburt - Schangerschaftsbauch mit HerzchenET+8 war meine Geduld am Ende. Leichte Wehen, aber keine Regelmäßigkeit trotz Wehenapp zu erkennen. Sonnenschein. Am späten Nachmittag gönnte ich mir einen Spaziergang mit meiner Tochter Fee im Wald. Mitten im Wald dann eine Wehe, die mich nichts mehr halten ließ.

Ich musste so etwas von lachen. Da stand ich mitten im Wald mit völlig nasser Hose. Für alle Leser – es war kein Blasensprung. Zu Hause bekochte ich noch meine Lieben. Mitten drinnen dann die erste Wehe, die mich doch sehr an die 4 anderen Geburten erinnerte. Die erste echte Wehe. Ich freute mich – Jetzt geht es los.

Ähm und wie!!! Vielleicht doch lieber jetzt noch nicht. Wir informierten die Geburtsfotografin und das Kamerateam. Eine Hebamme hatten wir keine mehr gefunden.

Ein kraftvoller Wehensturm

Die Geburt begann mit einem Wehensturm, kraftvoll, überrumpelt, kaum Pausen, Druck wie verrückt, peinliche Situationen, der Schrei nach einer Pause – nur einer Pause. Für alle Fachleser – ich schrie nach Partusisten ;). Diese unfassbar starken Rückenschmerzen, dieses Becken was gefühlt zerbrach, kurz der Gedanke – „wie geht es wohl Ida mit diesem Wehensturm?“

Ich versuchte die Herztöne zu finden, die für eine Sekunde gefundenen Herztöne 133 spm, beruhigten mich. Mein Freund drückte wie verrückt gegen mein Becken, um mir den Schmerz zu erleichtern. Er war meine Rettung, seine Arme zitterten. Die Kinder, die um mich rum waren, nahm ich kaum wahr.

Mehr als kurze Wehenpausen

In den mehr als kurzen Wehenpausen, kurze klare Gedanken. Wie sollte man mich jetzt verlegen? Schreiend mit diesen Wehen? Unmöglich, dass würde nie gehen. Es musste alles klappen. „Ob der Muttermund wohl auf geht?“ Ich sah kurz unter mich. Zeichenblutung und Druck. Der Muttermund ging auf. Ich verschrie die Wehen im Stehen am Seil. „Aber passt auch der Kopf ins Becken?“

„In die Wanne, ich will jetzt in die Wanne.“ In der Wanne brachte selbst das Wasser keine Ruhe. Druck, Druck und noch mehr Druck. Dieser Druck. „Auaaah“. Irgendwas kam da. Der Schmerz des Fire Ring, die Glückshaube war geboren, dann der Kopf und dann schwamm sie dort vor mir. Ich griff nach ihr und nahm sie hoch.

Glückselige Geburt

Ida – geboren nach nur 60 min ab der ersten Wehe. Glückseligkeit im Raum mit allen Familienmitgliedern. Für einen großen Moment stand die Zeit still.

Meine erste (Allein-) Geburt, in der ich mich so gar nicht alleine fühlte. Ich war noch nie so nahe bei der Kraft meines Körpers. Diese 60 Minuten waren die Versöhnung für alle Kompromisse der vorherigen Geburten. Sie waren nicht risikoreich oder verantwortungslos. Sie waren der Geburtsweg den ich mir für uns gewünscht und erseht hatte.

In tiefer Dankbarkeit Eure Anja (Babytalk – Hebamme)

Ein sehr persönliches, aber zu wundervolles Video der Geburt von Ida, um es nicht zu zeigen.

Cerstin Jütte – Video: Doula & Geburtsfotografie Cerstin Juette

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