Mein Baby: Liebe auf den ersten Blick

5. September 2018 -



Liebe auf den ersten Blick – Erst kürzlich habe ich darüber berichtet, dass ich meine beiden Mädchen nicht gleich lieben würde – was auch völlig normal sei. Dabei meine ich nicht die Intensität, sondern vielmehr die Art zu lieben.

Ich habe zwei völlig unterschiedliche, einzigartige Menschen geboren und ebenso einzigartig ist die Liebe zu ihnen. Doch wo lag der Ursprung dieser Liebe? Wann habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass es anders ist? Nun, ich denke, der Grundstein wurde im Kreißsaal gelegt.

Bei Claire war ich eine unerfahrene „Erstlingsmama“. Die erste Schwangerschaft, die erste Geburt, die ersten Fehler. Ich nahm die Geburt auf die leichte Schulter und hatte nicht damit gerechnet, dass es Probleme geben könnte.

Immerhin war meine Schwangerschaft tadellos. Meine Mutter hat fünf Kinder zur Welt gebracht, warum sollte ich das nicht schaffen? Dementsprechend war ich etwas unvorbereitet und das Unglück nahm seinen Lauf.

Mehrtägige Einleitung unter Wehen

Leider hatte „ich“ den Entbindungstermin deutlich überschritten. Am zehnten Tag wurde entschieden, dass man nun einleiten werde. Ich habe den Ärzten vertraut und einen richtigen Höllentrip erlebt. Diese Erfahrung wünsche ich keiner Frau, denn sie endete nach drei Tagen Wehen mit einem Kaiserschnitt.

Damit möchte ich nicht andeuten, dass der Kaiserschnitt per se schlecht sei! Für mich kam er nur unvorbereitet und mit voller Wucht. Ich hatte mich nicht informiert und der Ablauf hat mich völlig überwältigt: Die Herztöne wurden schlechter, meine PDA wurde hochgedreht und ich kam in den OP. Alles binnen weniger Minuten.

Dort schnallte man meine Arme am Tisch fest, ich war umgeben von Weißkitteln und grünen Masken. Dann wurde ein Tuch aufgehängt, damit ich meinen Bauch nicht mehr sehen konnte. Ich fühlte mich – Pardon – wie eine Sau auf der Schlachtbank und war mir sicher, ein Kaiserschnitt kann auch anders sein.

Doch in diesem Moment fühlte ich mich nur hilflos, ausgeliefert und traurig. Ich hatte versagt als Mutter. Ich hatte mein Kind nicht selbstständig gebären können. Diese Gedanken hingen mir noch lange nach, stürzten mich in Depressionen. Es war wahrlich keine schöne Zeit.

Wie in Trance

Während ich auf dem OP-Tisch festgeschnallt war, wurden mir ein paar Dinge erklärt, aber ich konnte die Informationen nicht verarbeiten. Ich wollte einfach nur, dass das aufhört und einfach mein Baby im Arm halten. Ich spürte, wie an meinem Bauch etwas passierte, dann einen seltsamen Unterdruck. Und schon sah ich, dass mein Baby aus dem Bauch herausgehoben wurde.

Eine Schwester hat sich mein Baby geschnappt und in ein Handtuch gewickelt. Erst nachdem die ersten Untersuchungen abgeschlossen waren und nach gefühlten etlichen Stunden Schmerzen und Leid – konnte ich endlich in die Augen meines Babys blicken. Dazu wurde ein Arm vom OP-Tisch gelöst.

Ich lag noch immer da, einarmig festgeschnallt. Mein Baby wurde mir im Handtuch an den Kopf gehalten, ich konnte es mit einem Arm kurz berühren und habe mein Baby ganz benommen angesehen.

Ich war wie in Trance, war nicht ganz bei Sinnen und fühlte nur Erleichterung und – Müdigkeit. Fühlte mich unendlich müde von der Tortour, konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Ganz kurz flackerte Freude in meinem Herzen auf. Dann wurde sie von meiner Erschöpfung im Keim erstickt.

Pausenloser Körperkontakt

Der erste Blick war demnach nicht so romantisch schön, wie man ihn vielleicht aus anderen Erzählungen her kennt. Er wurde überschattet von vielen negativen Erinnerungen und getrübten Sinnen. Als ich im Kreißsaal ankam, wurde mir mein Baby in den Arm gelegt und wir schliefen gemeinsam kuschelnd ein.

Ich habe sie in den nächsten Tagen nur zum Wickeln und Wiegen aus dem Arm gegeben. Sie schlief und kuschelte die ersten Tage in meinem Arm. Und wir fingen an gemeinsam die Geburt zu verdauen.

Dies war lange Zeit meine Art ihr Liebe zu zeigen. Nähe, Körperkontakt und Geduld. Während ich sie anblickte, fühlte ich oft Schuld. Es tat mir so Leid, dass ich ihr keinen guten Start ins Leben ermöglichen konnte. Ich war zerfressen von Schuldgefühlen und Angst, eine schlechte Mutter zu sein. Das aktive „lieben“ kam leider erst sehr viel später.

Der Weg zur selbstbestimmten Geburt

Völlig anders war es bei Marie. Nach dem schlechten Erlebnis, stellte ich mir die Frage, ob ich es nochmal auf eine natürliche Geburt ankommen lassen wollte oder direkt einen Wunschkaiserschnitt in Betracht ziehen sollte. Hier findet ihr einen Beitrag unserer Babytalk-Hebamme Dayo zu dieser Geburtswahl (Hinweis der Redaktion).

Ich haderte stark, hatte Angst erneut zu versagen. Doch dann las ich – zum Glück – das Geburtsbuch von Nora. Ich hatte das Buch schon früher rezensiert und in der Schwangerschaft mit Marie erneut zur Hand genommen.

Darin habe ich viel über die selbstbestimmte Geburt gelesen, mich mit den verschiedenen Möglichkeiten von Geburtsorten vertraut gemacht und letztlich entschieden, dass ich es nochmal versuchen wollte. Zum Glück! Denn bestärkt durch Noras Buch habe ich somit den wohl bisher schönsten Tag meines Lebens erleben können.

Ein Traum von einer Geburt

Maries Geburt war wie aus dem Bilderbuch. Sachte Wehen zu Anfang, die ich wegatmen konnte. Stärkere Wehen habe ich in der Badewanne zu Hause und später auch im Krankenhaus durchgestanden.

Ich habe zuvor bestimmt, dass ich keine PDA möchte und während der Geburt gezeigt, was ich will – und was nicht. Und es lief super. Mein Mann war dabei und hat die Geburt mit mir durchlebt. Die Hebamme hielt sich im Hintergrund und war in den richtigen Momenten voll da: Pressen!

Erst merkte ich, wie weich und flauschig es zwischen meinen Beinen wurde, mit der nächsten Presswehe habe ich Marie dann aus eigener Kraft geboren und konnte sie sofort auf meine Brust legen. Ich habe sie angesehen und war wie vom Donner gerührt: Sie war wunderschön und ich habe mich sofort tief mit ihr verbunden gefühlt.

Es ist… Liebe

Während der Geburt habe ich mit meiner inneren Stimme immer wieder zu ihr gesagt, dass wir ein tolles Team seien und das zusammen hinbekommen. In meinem Arm liegend habe ich dann eine tiefe Verbundenheit, wie nie zuvor gespürt. Und ich wusste: Wir haben das gemeinsam geschaffen. Diese Art der Liebe, die es kein zweites Mal auf der Welt gibt.

„Du siehst so unglaublich glücklich aus!“, sagte mein Mann direkt nach der Geburt zu mir. Und er hatte Recht. Ich war glücklich, Marie hatte all meine Wunden der ersten Geburt verödet. Es ist Liebe. Bedingungslose, unendliche, reine Liebe. Dies wurde mir sofort klar als ich sie an sah. Für sie wollte ich alles sein und alles werden, was sie jemals brauchen wird. Ich war endlich wieder im Reinen mit mir.

Ja, es gibt die Liebe auf den ersten Blick

In diesem Moment konnte ich endlich all die glücklichen Mamas verstehen, die sich mit Freude an die Geburt ihrer Babys erinnern, denn trotz der Schmerzen, bleibt letztlich nur das Hochgefühl, einem wunderbaren Menschen in das Leben begleitet zu haben.

Ich bin so glücklich den Schritt gewagt zu haben und diese leichte, beschwingte Art der Liebe kennengelernt zu haben. Die Liebe auf den ersten Blick, es gibt es ihn wirklich. Mit Marie habe ich sie tatsächlich erlebt und ich bin mir sicher, dass es eine endlose Liebesgeschichte sein wird.

Eure Yasmin (Babytalk-Autorin)

Wir würden uns sehr freuen, etwas über Eure Erfahrungen in Bezug auf die „Liebe auf den ersten Blick“ zu erfahren. Ging es Euch genauso oder war es eher ein längerer Weg (Hinweis der Redaktion).

Beitragsfoto: LittleDogKorat / shutterstock

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