Erfahrungsbericht einer künstlichen Befruchtung

20. Februar 2018 -



Wenn das Schwanger werden nicht von alleine klappt 

Wir freuen uns euch einen wieder einen sehr bewegenden Bericht einer Babytalk-Leserin, diesmal über eine erfolgreiche künstliche Befruchtung, vorstellen zu dürfen.


Mit Anfang 20 denkst du, dass die Welt dir gehört. Dir kann eh keiner was. Du malst dir dein Leben aus und für mich war immer klar: eigene Kinder gehören dazu! Dass es da Schwierigkeiten geben könnte, kam mir nicht in den Sinn.

Höchstens, dass der Prinz ein wenig auf sich warten ließ… Auch als meine Frauenärztin bei mir mit Mitte 20 ein PCO-Syndrom diagnostizierte, kamen keine Sorgen oder Zweifel. Beruflich war ich viel in der Welt unterwegs, ich war Single, hatte es aber auch nicht so eilig.

Wann ist es denn bei euch soweit?

Meinen jetzigen Mann lernte ich dann mit 28 kennen und schon früh sprachen wir über das Thema Kinder. Er selber wusste aus seiner vorherigen Beziehung bereits, dass es nicht ganz leicht werden würde für ihn, eigene Kinder zu zeugen, aber der Wunsch nach einer eigenen Familie war bei uns beiden groß. Bereits nach ein paar Monaten begannen wir „es zu versuchen“.

Mein Mann war etwas pessimistisch, wie ich fand. Ich dachte, dass wir es einfach ein paar Monate länger probieren müssten. Leider sollte er – aufgrund seiner Erfahrung – recht behalten und mit jedem Zyklus wurde klarer, dass wir Hilfe brauchen würden. Ich erinnere mich gut, wie ich ihn fast belächelt habe für seine negative Haltung. Wie ich nicht verstehen konnte, warum ihn so aufregte, wenn uns einer fragte: „Wann ist es denn bei euch soweit?“

Um uns herum wurden Freunde schwanger und wir freuten uns natürlich mit denen, ohne Frage. Aber letztendlich zog uns jede Periode weiter herunter. Inzwischen waren wir fast zwei Jahre zusammen und es war einfach kein Baby in Sicht.

Ich begann selbst, mich zu verspannen, wenn wieder jemand zu wissen meinte: „Ihr seid die Nächsten“. Es meint ja jeder nur gut und keiner will einem etwas Böses, aber diese Kommentare können sich für Paare wie uns wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen.

Wir fanden immer Ausreden, denn dass es nicht klappen wollte, wollten wir lieber für uns behalten. Wir wollten einfach nicht noch mehr Rückfragen und Tipps á la „Fahrt mal ein Wochenende weg und entspannt euch, dann klappt das schon“. Nach unserer Hochzeit gingen wir das Thema nun aktiv an und suchten ärztliche Hilfe. Wir fingen an, uns einzuigeln, weil der Druck von uns selbst schon sehr hoch war.

Beginn eines Ärztemarathons

Und dann begann der Ärztemarathon. Bereits nach dem ersten Termin stand fest, dass eine reguläre In-vitro nichts für uns wäre und wir eine ICSI (Anm.d.RDie Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, ICSI ist eine Methode der künstlichen Befruchtung. Dabei wird die Samenzelle, das Spermium des Mannes, direkt in das Zytoplasma (Ooplasma) einer Eizelle eingespritzt. Quelle Wikipedia) wählen würden.

Das bedeutete, dass man zunächst meinen sehr unregelmäßigen Zyklus beobachten würde, ich auch noch etwas Gewicht verlieren sollte und daraufhin die Behandlung auf uns abgestimmt beginnen würde. Ein spezielles Nasenspray regelte zunächst meinen Zyklus komplett herunter, bevor dann mit täglichen Spritzen die Eizellen zum Reifen stimuliert wurden.

In diesen Tagen ging ich mindestens jeden zweiten Tag zur Apotheke, um Hormonspritzen für Hunderte von Euros zu kaufen, in der Hoffnung, dass sie helfen würden. Dazwischen gab es immer wieder Ultraschalluntersuchungen, um zu sehen wie mein Körper auf die Hormone reagierte.

Frau spricht sich Hormone

Immer wieder mussten Anpassungen und Untersuchungen vorgenommen werden

Anpassung der Dosis, keine ausreichende Reifung, wieder eine Anpassung. Dann passierte etwas, aber nicht genug. Also wieder zur Apotheke und wieder eine höhere Dosis. Jeden Abend trafen wir uns in der Küche und mein Mann übernahm den Part des Spritzens.

Zusammen, als Team eben! Das war für uns psychischer Stress allererster Güte, denn es ging immerhin um das Wichtigste auf der Welt für uns. Da hält man auch gerne aus, dass der Arzt einen beschimpft, weil die Gebärmutter zu tief im Unterleib sitzt und er die Entnahme somit nur unter schwierigen Bedingungen machen kann.

Immer wieder. Wie oft ich weinend aus dieser Praxis rausgekommen bin, sicher, dass wir nie zur Entnahme kämen. Und niemandem haben wir von all dem erzählt, um den Druck von außen zu minimieren. Diese Wochen werde ich nie vergessen.

Endlich kam der OP-Termin

Nach tagelangem Hin und Her kam dann an einem Dienstag der erlösende Satz: Donnerstag sollte die OP sein, immer mit dem Hintergrund, dass man abbrechen würde, wenn man nicht gefahrlos am Darm vorbei an die Eierstöcke kommen würde. Das machte uns nicht wirklich viel Mut, aber wir kratzten unsere letzte Hoffnung zusammen.

Spontan nahmen wir Urlaub und dann ging es los. Auf die Minute genau mussten wir mitten in der Nacht 36 Stunden vor der OP noch einen Cocktail zusammenmischen und mir spritzen. Und dann saß ich am Donnerstag nun da, besprach im OP-Hemdchen letzte Details mit dem Anästhesisten und dann nahm man mich auch schon mit.

Was für eine Befreiung es war, kurz darauf aufzuwachen und zu hören: 7 Eizellen konnten entnommen werden, 6 davon waren brauchbar und wurden befruchtet. Eine setzte man mir dann zwei Tage später bereits ein. Dieser Eingriff sollte eigentlich nur kurz 10 Minuten dauern, bei vollem Bewusstsein.

Die Entnahme ist auch nur unter Vollnarkose, damit man keine unbedachten Bewegungen macht und ggf. Eizellen zerstört werden. Nachdem der Arzt immer lauter schimpfte und ich nun schon 20 Minuten auf dem Stuhl saß, brachen sie Versuch 1 ab. Er müsse mal eben eine Runde spazieren gehen und sich beruhigen.

„Und wer beruhigt mich?“, dachte ich bei mir. Ich solle mich entspannen, dann würde das gleich schon. Nach einer kurzen Pause ging es dann aber auch ganz schnell. Hinterher erzählte man mir, dass die Eizelle mit der Flüssigkeit wieder herausgeschwommen war und der Arzt das aber Gott sei Dank gesehen hatte. Jetzt versicherte man mir, dass sie genau da säße, wo sie hin sollte!

Künstliche Befruchtung

Die schrecklich Zeit des Wartens

Das war 7 Tage vor Weihnachten und 11 Tage vor unserem Umzug. Wir saßen also schon auf gepackten Koffern und hatten noch ein paar hundert Kilometer Familienbesuche über die Feiertage vor uns, bevor ich am 27.12.2016 zum ersten Bluttest kommen sollte. Man prüft so früh die HCG-Werte, um ggf. noch eingreifen zu können, falls diese noch sehr gering ausfallen.

Über die Feiertage haben wir uns dann noch Ausreden ausgedacht, warum ich keinen Alkohol trank. Klar, dass da die Spekulationen ihren Lauf nahmen, aber wir sind erstmal nicht darauf eingegangen. Dann verkündete meine Schwägerin auch noch, dass sie im 3. Monat schwanger sei.

Das Gefühlschaos ist nicht in Worte zu fassen, denn neben der Freude für sie fuhren unsere eigenen Gedanken Achterbahn: Angst…Hoffnung….Freude…Angst….Hoffnung….Zurück zu Hause wurde dann am Morgen Blut abgenommen und um 13.30 Uhr sollte der Anruf kommen, ob es geklappt hatte oder nicht. Wir packten also die restlichen Sachen ein… und warteten! Es wurde 14 Uhr. Es wurde 15 Uhr. Wir starrten das Telefon an.

Um 15:30 Uhr klingelte dann ENDLICH das Telefon. „Geht es Ihnen gut, Frau Ahrens?“ – „Ja… schon… nervös bin ich!“ „Das freut mich zu hören! Sie sind schwanger!“ Ein unglaublicher Moment – für jeden, der sich Kinder wünscht. Für uns nach den Jahren des Versuchens und mit vielen Enttäuschungen brachen hier alle Dämme.

Mein Mann hat erst einmal 10 Minuten gar nichts gesagt und nur den Kopf geschüttelt. Sollte es jetzt doch „so einfach“ sein? Nur ein Versuch und wir werden Eltern? Ich wusste jetzt, dass ich die Anzeichen in den letzten Tagen nicht erfunden hatte, aber die Tage davor hatte ich große Sorgen, dass dem so war und ich mir zu große Hoffnungen machen würde.

Aufklärung im Freundeskreis

Nach ein paar Wochen erzählten wir unsere Geschichte so nach und nach im Freundeskreis und in der Familie. Die unterschiedlichen Reaktionen zeigten uns wieder einmal, dass es wichtig ist, dieses Thema nicht zu tabuisieren. So viele unbedarfte Kommentare, die niemals böse gemeint sind, können Paaren in dieser Phase vorkommen wie ein Tritt in die Magengrube.
Und wenn man sich umhört, betrifft dieses Thema so viele Menschen. Wenn es nur einem Paar Hoffnung gibt, unsere ICSI-Geschichte zu hören, dann waren diese Zeilen es wert.
Und wenn nur ein Mensch einmal mehr darüber nachdenkt, ob man wirklich ganz lapidar „Ihr seid die Nächsten“ zu einem kinderlosen Paar sagen sollte oder ständig fragt, wann es denn soweit ist oder auch den Tipp gibt sich „einfach mal zu entspannen“, dann war es das wert. Unser kleines ICSI-Baby ist jetzt genau 5 Monate alt und schnarcht mich durchs Babyphone an. Pures Glück!
Wir drücken allen die Daumen, die diesen Weg noch vor sich haben!
Eure Miriam (Babytalk – Leserin)
Beitragsfoto: Photographee.eu  / shutterstock
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Foto 3: Alex Mit / shutterstock

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