Abstillen – wie es ohne Stress klappt

24. April 2018 -



Viele Mamas haben keine Ahnung ,wie sie denn ihren kleinen Liebling abstillen bzw. von der Muttermilch entwöhnen können. Irgendwann fühlen sie sich, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgesaugt, leer getrunken.

Das Stillen kostet auf Dauer ganz schön viel Energie, auch wenn das Baby schon fleißig in der Familie mit isst.

Es gibt viele Gründe, warum sich Frauen ab einem selbst gewählten Zeitpunkt wünschen, mit dem Stillen aufzuhören.

Wenn sie so auf ihr Kind blicken, das gerade wieder innig saugend am Busen hängt, können sie sich aber einfach nicht vorstellen, wie sie ihrem Liebling diese zärtlichen, gemeinsamen Augenblicke verwehren könnten.

Das würde eine riesengroße Protestwelle auslösen, fürchten manche. Das grenze an Liebesentzug denken andere.

Ich meine: Wenn die Mama aus welchen Gründen auch immer, der Ansicht ist, es sei jetzt genug gestillt, dann ist das  ein triftiger Grund, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Und das beste: Wenn die Mama wirklich nicht mehr stillen will und diese Entscheidung ganz bewusst fasst, dann klappt es mit dem Abstillen erstaunlich rasch.

Es ist ganz so wie bei dem Entschluss, das Kind in Fremdbetreuung zu geben: Auch das klappt nur, wenn der Nachwuchs spürt, der Mama ist es ganz ernst damit – sie meint, was sie sagt.

Tipps zum Umsetzen

Ist dieser Entschluss bewusst und ernsthaft gefasst worden, kann es losgehen. Bei vielen wird dieser Zeitpunkt um den ersten Geburtstag herum gekommen sein.

Meiner Erfahrung nach isst das Kind in diesem Alter auch bereits so viel andere Nahrung und so regelmäßig bei den Familienmahlzeiten mit, dass sich das Stillen meist nur noch auf eine Abend- bzw. Einschlafmahlzeit und evtl. eine Morgenrunde beläuft.

Hilfreich ist es, eine Stillmahlzeit nach der anderen wegzulassen und gegen Beikost zu ersetzen, so ist das Abstillen ein schleichender Prozess.

Uns hat auch geholfen, dass das Baby schon früh Fencheltee im Fläschchen bekam. Er liebte seine Babyflasche und auch das haben wir geschafft, ihn davon wieder zu entwöhnen. Das war aber viel schwieriger und hat erst im Alter von drei Jahren geklappt!

Angst, dass dem Kind in dieser Situation durch das Abstillen wichtige Nährstoffe fehlen, muss also niemand haben. Das Baby braucht als Ersatz auch keine Milchfläschchen zu bekommen.

Es kann aber einen Versuch Wert sein, ihm oder ihr eine Nuckelflasche – diese kann mit Wasser verdünnte Kuhmilch, und besser noch Ziegen- oder „Pflanzenmilch“, aber auch nur Wasser oder ungesüßten Tee enthalten – zur Zeit des gemeinsamen Kuschelstündchens anzubieten.

Meistens brüllt das Kind dann und haut die Flasche wütend weg – so einfach lässt es sich ja nun nicht abspeisen. Es will eindeutig sein gewohntes Abendritual nicht vorenthalten bekommen.

Mein erster Sohn war neun Monate alt, als ich erfuhr, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Plötzlich wollte ich abstillen. Sonst hätte ich sicher noch weiter gestillt, aber ich hatte das Gefühl wegen der erneuten Schwangerschaft meinen Körper schonen zu müssen.

Die Fläschchen mit den verschiedenen Sorten Milchpulver, die wir ausprobierten, spuckte der Kleine alle aus, schmiss die Flaschen herum und erkannte deren Geschmack sogar, als ich es einem Fruchtmus beimischte.

Da war nichts zu machen. Er mochte einfach nur Muttermilch, später Kuhmilch. Natürlich machte ich mir Sorgen, ob es gesund für ihn sei so ganz ohne Milch, denn mit der Kuhmilch sollte ich ja laut Kinderarzt noch ein wenig warten.

Wir begannen dann aber doch schon ab dem 10. Monat stark verdünnte Kuhmilch zu geben – nach meinen eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren mit meiner Laktose- und Kuhmilcheiweißunverträglichkeit fiele meine Wahl heute eher auf eine pflanzliche Milchalternative wie Hafer- oder Mandelmilch.

Damals war das noch nicht so verbreitet, die Zwillinge bekamen dann schon Pflanzenmilch zum Abstillen.

Papa kann beim Abstillen helfen

Zu diesem Zeitpunkt war unser erster Sohn aber längst abgestillt. Das geschah innerhalb einer Woche! Wir lebten in den ersten neun Monaten eine derartige Mama-Kind-Symbiose, dass mir dieses totale Desinteresse an meinem Busen von einen Tag auf den anderen fast zu abrupt war.

Geschafft hat das eigentlich der Papa, muss ich zugeben. Ich wäre heillos überfordert gewesen und hätte überhaupt nicht gewusst, wie ich das zuwege bringen sollte.

Zu besagter Abendstunde, als die Stillzeit nahte, wurde ich schon nervös und der Papa schlug vor, ich solle doch ein wenig spazieren gehen. Er würde das mit dem Kleinen schon hinkriegen. Ich verschwand erleichtert, aber mit sehr gemischten Gefühlen, und er spielte mit ihm, lenkte ihn ab und fütterte ihn.

Zum Glück war zu dieser Zeit Winter und ich trug meine Wollpullis mit Rollkragen. So war nicht einmal das klitzekleinste bisschen Dekolleté zu erahnen.

Diesen Tipp, so doof er sich anhört, würde ich jeder abstillenden Mama nahelegen. Eure Kinder sind so schlau, sogar die ganz kleinen:

Die Kinder erinnern sich eher an etwas, wenn sie es vor Augen haben. Bekommen sie das Wunschobjekt gar nicht zu Gesicht, vergessen sie es auch schnell mal, wenn sie nichts daran erinnert.

Wir zogen das eine Woche so durch, dass ich den Kleinen immer beim Papa ließ oder zum Papa brachte, wenn die kritische Uhrzeit nahte. Natürlich geht das genauso mit der Oma oder einer guten Freundin.

Nach ein paar Tagen hatte mein Sohn tatsächlich vergessen, dass er die erste Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Brusttrinker gewesen war. Das Kuscheln haben wir beibehalten.

Während dieser Abstillphase haben wir einfach zu anderen Tageszeiten gekuschelt, zu denen es ohnehin schon normal für ihn war, sein Essen bei mir bzw. uns am Tisch zu bekommen. Wahrscheinlich hat es damals auch so gut geklappt, weil ich einfach die absolute Notwendigkeit zum Abstillen hatte.

Wenn das Kind keine Lust mehr hat

Bei den Zwillingen habe ich ebenfalls fast sechs Monate voll gestillt und dann eine Mahlzeit nach der anderen mit Beikost ersetzt.

Irgendwie wusste ich diesmal zwar, dass das schon irgendwie klappen würde mit dem Abstillen. Das gab mir mehr Sicherheit, aber wie ich das schaffen sollte, wusste ich nicht.

Sie waren bereits zwölf Monate alt und ich hatte insgeheim keine Lust mehr weiter zu stillen.

Die beiden hörten kurz vor ihrem ersten Geburtstag von einen Tag auf den anderen auf, an der Brust zu trinken. Sie mochten einfach nicht mehr!

Das fand ich auch sehr erstaunlich. Während ich noch überlegte, wie ich das ganze anpacken sollte, vergaßen sie einfach zu trinken. Es war diesmal  Sommer und wir waren viel draußen.

Vielleicht hatten sie die abendliche Stillrunde vergessen, weil sie so viel im Garten entdeckten? Wir kuschelten jetzt einfach jeden Abend ohne Stillen.

Der beste Tipp ist wohl, auf seine eigenen Wünsche zu hören und behutsam, aber mit innerer Überzeugung dem Kind nahe zu bringen. Jede Stillgeschichte ist anders, kann kürzer sein oder um viele Monate länger. Wichtig ist, dass es beiden Beteiligten gut dabei geht.

Wenn wer nicht weiter weiß, hat bestimmt die Hebammen Tipps bereit. Im Netz gibt es auch Kontakt zu den Stillberaterinnen z.B. von La Leche liga.

Übrigens: Zu den Kräutern, die den Milchfluss verringern, gehören Salbei, Walnussblätter und Pfefferminze. Ein so genannter Abstilltee reduziert die Milchproduktion langsam und bildet das Bindegewebe in der Brust schonend zurück.

Eure Verena (Babytalk – Autorin)

Beitragsfoto: Billion Photos / shutterstock


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