Wie kriege ich Vitamine in mein Kind hinein

8. May 2017 -



Hier haben wir gleich noch einen interessanten und schönen Beitrag von Mamirocks bzw. Verena Wagner. Im aktuellen Beitrag geht es darum, wie Mütter und/oder Väter ihre Kleinen nahrreiche Kost, schmackhaft machen können.


Beikost- und Kleinkindalter

Gerade im Beikost- und Kleinkindalter sind Eltern oft sehr ambitioniert, ihre Kleinen möglichst gesund zu ernähren.

Und es stimmt ja auch, wenn die Kleinen sich möglichst früh an vielfältige Geschmacksnuancen gewöhnen – so heißt es in einschlägigen Ernährungsratgebern zur Beikost – mögen sie auch im späteren Leben Gemüse, Obst und andere gesunde Lebensmittel.

Nun ja, muss ich ganz ehrlich sagen: Unsere Kinder sind jetzt im Grundschulalter und sie haben eigene Vorlieben entwickelt. Obwohl sie als Babys alle selbst gekochten Babybrei aus Kürbis, Pastinake, Birne und allerlei mehr gesunden Zutaten essen durften, hat sich da jeder von den dreien sehr individuell entwickelt.

Während unser Ältester als Kleinkind eigentlich alles Gemüse und Obst mochte, von A wie Avocado bis Z wie Zichorien und andere bittere Gemüse, isst er jetzt längst nicht mehr so viele Sorten.

Paprika zum Beispiel mag er nicht mehr, obwohl er dieses Gemüse jahrelang gerne gegessen hat.

Mamas Trickkiste

Daher habe ich mir einige Kniffe überlegt wie die Vitamine ins Kind kommen. Schon in der Früh zum Frühstück schneiden wir Eltern den Kindern Obst, meist Äpfel und Banane, auf.

Wenn sie es sich wünschen, bekommen sie auch Paprika, Mais oder Gurke – auch wenn ich selbst so etwas nie frühstücken würde.

Fünf am Tag

Wenn sie aber schon morgens anfangen, Vitamine zu essen, dann schaffen wir auch die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen „Fünf am Tag“.

Damit ist gemeint, dass jeder – groß oder klein – fünf Handvoll Früchte am Tag verspeisen soll. Erwachsene haben eine größere Handfläche, Kinder eine kleinere – der Spruch passt also wirklich als Faustregel für alle.

Da kleinere Kinder ja öfter am Tag Zwischenmahlzeiten bekommen, ist es leichter, viel Rohkost anzubieten. Jetzt bekommen die Schulkinder in ihre Pause immer Obst oder Gemüse mit, meistens Karotten, Gurke, Tomaten, Trauben, Pflaumen oder Apfelstücke und im Winter auch Zitrusfrüchte.

Im Sommer gibt es häufig Beeren aller Art. Die mögen fast alle Kinder und sind sehr gesund – am besten auf einer Beerenplantage pflücken oder selbst anbauen. In der Schule essen sie fast immer, was in der Dose ist.

Am Nachmittag, meist so gegen fünf Uhr, wenn alle schon wieder Appetit haben, serviere ich ebenfalls Rohkost. Dann essen die Kinder viel mehr davon, als wenn ich bis zum Abendessen warten würde.

Nur Gesundes auf dem Teller

Der Trick dahinter: Liegt nur Gesundes auf dem Teller, essen sie es. Stehen aber auch andere Lebensmittel wie Wurstbrot oder ähnliches auf dem Tisch, greifen sie meistens erstmal danach – unsere Kinder zumindest.

Zwei unserer drei Kinder mögen kaum grünes Gemüse. Aber sie essen Pesto – also püriere ich, was das Zeug hält. Im Pesto kann man schön viel Gesundes verstecken: von Zucchini bis Paprika und natürlich alle möglichen Kräuter.

Allerdings sind Pesto mit Gemüse nicht sehr lange haltbar. Entweder nur so viel zubereiten wie für eine Mahlzeit benötigt wird, oder das Pesto sauber in ein schmales Glas mit Schraubverschluss einfüllen und mit gutem Olivenöl extra vergine bedecken.

Kreativer Umgang mit der Wahrheit

Meine Kinder liebten schon ganz früh Leberwurst – Streichwurst. Da ich nicht wollte, dass sie dauernd Wurst essen – unser Papa liebt Wurst – und ich Wert auf vegetarische Tage in der Woche lege, habe ich irgendwann zum vegetarischen Aufstrich „Delikatess“ gesagt, das ist Streichcreme. So direkt lügen wollte ich ja auch nicht. Seitdem schmeckt es ihnen.

Irgendwann kam die explizite Frage, ob Streichcreme Leberwurst ist, was ich dann verneinte. Delikatess-Aufstrich schmeckte ihnen zu dem Zeitpunkt ja schon. Als dieser einmal ausgegangen war, habe ich den Kindern Champignon-Aufstrich untergejubelt.

Die schlaue Fünfjährige schaute auf die Packung und jubelte: „Das ist ja Pilz-Delikatess“ Seitdem ist dieser Aufstrich auch auf der Liste derjenigen, die aufs Brot dürfen! Zum Glück hatte sie schon vorher abgebissen! Also immer wieder was Neues ausprobieren und nicht aufgeben.

Dekorativ aufgeschnittene Mangos / Igelschnitt

Frag nicht soviel, Mama!

„Frag nicht soviel, Mama“, hat einmal eins meiner Kinder zu mir gesagt. Gerade beim ersten Kind habe ich zu allem das Kind nach seinen Wünschen gefragt!

Möchtest Du Milch oder Saft trinken, möchtest Du Radieschen oder Karotte essen? Irgendwann und auch dank dieser Antwort habe ich gemerkt, dass ich die Kinder mit meinen Fragen oft überfordere.

Seit dem richte ich einfach etwas her. Wenn dann was nicht passt, kann ja noch was verändert oder hinzugefügt werden. Mit dem Wegnehmen ist das schon schwieriger.

Früher habe ich streng darauf bestanden, dass wir die Nudeln mit Soße essen, heute mache ich öfter Ausnahmen: gerade bei Gnocchi, Spätzle oder Schupfnudeln.

Diese „Ausnahmen“ sind aber an meine Bedingung geknüpft, dass die Kinder statt dem Gemüse in der Sauce dann eben Rohkost dazu essen. Hier gibt es übrigens einen ganzen Artikel dazu wie es gelingt, dass das gemeinsame Essen nicht zum Machtkampf ausartet.

Von anderen Kindern lernen

Wenn zwei Kinder (und der Papa) etwas lecker finden, gibt es gute Chancen, dass der dritte das auch haben will. Vor allem, wenn die anderen Kinder schon Schlange stehen, um das begehrte Stück vom Bäh-Kind zu ergattern.

So manches Mal hat das Kind, das zuerst Bäh sagte, plötzlich doch Lust auf den vegetarischen Aufstrich entwickelt, den es zuerst verabscheuungswürdig angeblickt hat.

Bei Einzelkindern, aber natürlich auch bei Geschwistern, kann ich Euch, liebe Eltern, nur dringend empfehlen, ladet öfter mal andere Kinder zum Essen ein, denn das gemeinsame Mahl vollbringt wahre Wunder.

Das Alter der Gastkinder spielt dabei keine Rolle.

Kinder interessieren sich für die Essensgewohnheiten ihrer Gäste. Der Schuss kann allerdings auch nach hinten losgehen, wenn wir wieder mal einen Gast haben, der nur „nackte“ Nudeln oder sogar nur trockenes Brot haben will.

Bei letzterem hat dieses für unsere Kinder sehr seltsame Essverhalten ihren Ehrgeiz jedoch so angespornt, dass sie nicht haltgemacht haben, bis ein Obst oder Gemüse gefunden war, dass der Junge dann gerne essen wollte: Es war Mais aus der Dose!

Vorbildfunktion Essverhalten

Die hohe Kunst beim Essen heißt also „Genuss“. Wer sich gesunde Lebensmittel schmecken lässt, könnte gar kein besseres Vorbild für den Nachwuchs abgeben. Die Kinder sollen ruhig sehen, dass Essen Spaß macht, ein Genuss ist und Zeit braucht.

Auch wenn dieses Essverhalten nicht sofort Resultate zeigt, entwickeln Kinder doch Spaß an gesundem Essen – vor allem wenn sie sehen, dass die Eltern die Vitamine auch gerne essen.

Ich habe einmal eine Faustregel gelesen, die ich mir immer vorsage, wenn ich mal wieder am Verzweifeln bin, weil alles Bäh ist.

Angeblich wird ein neuer Geschmack wie zum Beispiel Salat oder anderes bitteres, grünes Gemüse erst dann als wohlschmeckend akzeptiert, wenn dieser Geschmack an die zehnmal probiert wurde.

Also, liebe Eltern, gebt nicht so schnell auf. Und denkt mal an Eure eigene Kinderzeit zurück! Was habt ihr nicht gemocht? Bei mir waren es Zucchini. Die haben mein Bruder und ich strikt abgelehnt – über Jahre hinweg.

Heute liebe ich Zucchini! In allen Spielarten von gegrillt über gedünstet bis zur Rohkost!

Eure Verena (Babytalk – Autorin)

Beitragsfoto: Iakov Filimonov / shutterstock
Foto 2: Kritsada Namborisut / shutterstock

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