Stillen in der Öffentlichkeit

16. August 2017 -



Stillen in der Öffentlichkeit, eigentlich das normalste in der Welt, doch leider wird es nicht von allen und überall so gesehen. Verena hat uns hierzu einen schönen Beitrag geschrieben, den wir Euch gerne vorlegen.


Mein Mann, ein paar Freunde und ich sitzen im lärmend vollen, fröhlichen Biergarten. Alles wie immer – außer: Wir haben unser kleines, süßes Baby dabei. Das quengelt ein wenig. Dann brüllt es. Da macht das Baby auf dem Arm halten und Duzidu den Freunden plötzlich keinen Spaß mehr.

Der kleine Schreihals mit offenbar gutem Lungenvolumen wird zur Mama zurück gereicht mit den Worten: „Hat der vielleicht Hunger?“ Naheliegend, auch für Nichtmütter und Nichtväter. Alle schauen die junge Mama an, was die nun wohl macht.

Cool bleiben, Mama

Eltern mit Baby in einem Park. Mutter stillt das Baby mit einer Flasche

Maria Sbytova / shutterstock

Es ist das erste Mal, das Frau in einer vergleichbaren Situation ist. Schließlich ist es ganz was anderes, mit seinem Baby vormittags im Park spazieren zu gehen und sich zum Stillen für ein ruhiges, schattiges Plätzchen zu entscheiden.

Da kommen zwar auch schon mal Menschen vorbei, die einen Blick auf eine stillende Mutter werfen – sei dieser nun zweideutig, fragend oder gar missbilligend. Ich selbst habe vorwiegend wohlwollende Blicke erlebt, denn die meisten Menschen sind fasziniert von kleinen Babys.

Doch zurück zum Biergarten-Szenario: Innerlich total aufgeregt beschließt die junge Frau ihr brüllendes Kind anzulegen. Immerhin eine gute Chance, dass es wirklich Hunger hat und gleich wieder satt und zufrieden ist. Sie nestelt an ihrem Still-BH herum und denkt sich: „Es sind ja nur Sekunden in denen meine Brust unbedeckt ist, das werde ich ja jetzt wohl überstehen.

Saugt das Baby daran, ist alles gut.“ Irgendwie ist es schon eine Herausforderung, das Stillen in der Öffentlichkeit. Nicht jeder Mensch ist so freizügig, dass es ihm/ihr nichts ausmachen würde, einfach vor allen anderen – Fremden, Freunden oder Bekannten – die Hüllen fallen zu lassen. Das ist eine natürliche Hemmschwelle und dabei geht es erst einmal gar nicht so sehr um das Bedürfnis des Kindes, sondern um die Mutter.

Alles eine Frage der Gewohnheit

Die junge Frau hat sich in weiser Voraussicht ein leichtes Baumwolltuch mitgebracht. Das legt sie jetzt schützend um das Baby und sich selbst. Diese Schutzmaßnahme wirkt beruhigend sowohl auf die stillende Mutter als auch auf das Kind selbst. Wenn nämlich die Mama innerlich nervös ist und sich gar schämt, weil sie in der Öffentlichkeit ihrem Säugling die Brust gibt, klappt es oft mit dem Stillen auch nicht so richtig.

Gerade am Anfang, wenn die beiden noch nicht so ein eingespieltes Team sind, kann es passieren, dass die Position zum entspannten Trinken nicht passt oder nicht genug Milch fließt. Je entspannter die Mutter, desto besser klappt alles.

Ich habe auch schon Frauen gesehen, die sich ein Kissen mitgebracht haben. Denn es ist nicht immer so gemütlich, das Baby in der Armbeuge zuhalten. Wie ich finde eine gute Idee, auf die ich selbst als frischgebackene Mama nicht gekommen bin. Das musste ich durch eine Schleimbeutelentzündung im Ellbogen büßen. Vor lauter Beflissenheit, es dem Kind recht gemütlich zu machen, habe ich mir selbst eine schlechte Haltung angewöhnt.

Je länger die Stillbeziehung dauert, desto mehr verändert sie sich auch. Mutter wie Kind gewöhnen sich an die gemeinsame Kuschelmahlzeit. Dem gemeinsamen Auftritt in der Öffentlichkeit kommt das zugute. Das Kind weiß bald, was zu tun ist und dockt ganz von allein an sobald es darf.

Allerdings werden gerade Langzeitstillende in der Öffentlichkeit oft komisch angeguckt. Während es für viele normal ist, dass ein Säugling an der Brust trinkt, reagieren mehr Leute befremdet, wenn sie sehen, dass ein zwei- oder dreijähriges Kleinkind an der Brust trinkt.

Warum Stillen in aller Öffentlichkeit?

Vielleicht fragt sich jetzt so manche, warum soll ich mir das überhaupt antun, warum mache ich mir es nicht einfach zuhause auf dem Sofa gemütlich? Irgendwie stimmt das auch. Vor allem in den ersten Wochen mit einem Neugeborenem ist es wirklich viel entspannter für alle Beteiligten einfach daheim im vertrauten, privaten Raum zu bleiben.

Die Zeit des so genannten Wochenbetts, also die ersten sechs bis acht Wochen, ist eine Zeit des Ausruhens und Zueinanderfindens. Auch dauert es ein wenig sich kennen zu lernen, damit sich das Dreamteam einspielen kann. Hebammen raten dazu, diese ersten Wochen wirklich langsam zu machen, auszuruhen und das Wochenbett regelrecht als heilige Zeit zu respektieren.

Das ist für diese Zeitspanne auch gut so. Und es heißt ja nicht, gar nicht hinaus zu gehen. Frische Luft ist auch für Neugeborene eine Wohltat. Es bedeutet einfach, sich und dem Kind eine Pause vom Alltag und den damit häufig  verbundenen Stress zu gönnen.

Denn wer will wochen- oder monatelang zuhause bleiben? Der Tag kommt, an dem Mama wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen will. Und sich nur wegen dem Stillen zuhause zu verstecken, wäre doch sehr schade. Sich das Leben so einzuengen, weil Stillen in der Öffentlichkeit manchen Leuten noch immer ein Tabu zu sein scheint? Nein, danke.

Daher ist es wunderschön, immer mehr stillende Frauen in der Öffentlichkeit anzutreffen. Vielleicht macht das weiteren Frauen Mut sich auch trauen. Wer sich geniert und sich sicher ist, sein Kind nicht im Biergarten vor der Clique oder auch nur vor Wildfremden stillen zu wollen, findet womöglich eine andere Lösung für sich: Sucht Euch eine Location als Treffpunkt aus, die Rückzugsmöglichkeiten bietet.

Das kann ein Restaurant mit Lounge sein oder einem Bereich mit Sofas und gemütlichen Sitzgelegenheiten. Oder ihr packt das Kind kurzerhand ein, verabschiedet Euch für einen Moment und begebt Euch alleine mit ihm in einen naheliegenden Park. Es ist auf jeden Fall ratsam sich anfangs vorher Gedanken zu machen, wie ihr euch die ungewohnte Situation so angenehm wie möglich einrichten könnt.

Frau stillt versteckt hinter Büschen ihr Baby

Es gibt auch Frauen, die setzen sich am liebsten in ihr geparktes Auto. Wichtig ist, dass es für einen selbst stimmt. Und nicht dass eine Frau sich gezwungen sieht, sich im öffentlichen Raum zu verstecken – etwa in der Umkleidekabine eines Kleidergeschäfts oder gar auf der Toilette! Soll alles schon vorgekommen sein!

Wer in so eine Situation gerät, muss sich nicht eingeschüchtert fühlen, sondern darf den Mut haben (möglichst laut) zu sagen: „Sie haben soeben eine kaufwillige Kundin verloren. Ich komme so schnell nicht wieder in ihren Laden und berichte meinen Freunden von ihrem Verhalten einer stillenden Mutter gegenüber!“

Eure Verena (Babytalk – Autorin)

Beitragsfoto: Iryna Inshyna / shutterstock
2 Foto: Maria Sbytova / shutterstock
3 Foto: Kolbakova Olga /shutterstock


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