Schütteln IST Lebensgefährlich!

Juli 11, 2017 -



Wir freuen uns, euch lieben Babytalk-Lesern diesen sehr interessanten Beitrag zum Thema „Babys Schütteln“, von Katharina Tornow vorzustellen. Katharina schreibt in ihrem Blog „Natürlich geliebt“ über bindungsorientiertes Familienleben, ihren Alltag mit ihren beiden Söhnen und dem Thema Nachhaltigkeit.


Dein Baby schreit und schreit und schreit. Minuten, Stunden, Tage, vielleicht sogar Wochen lang hörst du dein Kind nur schreien. Du hast schon so viel probiert, um dein Baby zu beruhigen und scheinbar hilft nichts, es wird sogar noch schlimmer.

Du bist mit den Nerven am Ende, völlig kraftlos und erschöpft und willst einfach nur noch Ruhe. Im Folgenden findest du Tipps, wie du mit dieser Situation umgehen kannst. Eines aber solltest du nicht tun: Dein Baby schütteln, denn das kann tödlich enden!

Gefahr eines Schütteltrauma

Unter Schütteln versteht man ein gewaltsames, ruckartiges Hin- und Herpeitschen des Kopfes. Dabei kann es bei Babys und Kleinkindern schnell zum sogenannten Schütteltrauma (engl.: shaken baby syndrome oder abusive head trauma) kommen, da ihr Kopf im Verhältnis zum Rumpf sehr groß und die Nackenmuskulatur noch nicht ausgereift ist.

Der Kopf eines Babys ist zudem noch sehr flüssigkeitsreich. Am Häufigsten sind Säuglinge zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat betroffen. Deutschlandweit sterben jährlich zwischen 100 und 200 Kindern an den Folgeschäden eines Schütteltraumas.

Wird das Baby oder Kleinkind gewaltsam geschüttelt, verschiebt sich das Gehirn. Dadurch zerreißen Venen, die das Gehirn mit der Dura Mater (der Hirnhaut im inneren der Schädelhöhle) verbinden. Außerdem kann das Aufprallen des Gehirns zu Quetschungen und Prellungen führen. Weiterhin kommt es zu Wassereinlagerungen und Blutungen im Kopfinneren.

Durch diese Verletzungen kommt es zu irreparablen Zell- und Nervenschädigungen, die Seh- und Sprachstörungen, geistige Behinderungen und in vielen Fällen den Tod nach sich ziehen können. Die Gesamtmorbidität (Sterblichkeitsrate) bei Säuglingen wird nach einem Schütteltrauma auf 90 Prozent geschätzt!

Symptome des Schütteltraumas

Wurde ein Baby oder Kleinkind geschüttelt, sind oft keine äußerlichen Hinweise erkennbar, was die Diagnose für Ärzte wiederum häufig sehr schwierig macht. Die Symptome eines Schütteltraumas können von Schläfrigkeit und Trinkschwäche über Schreckhaftigkeit, Unwohlsein und Erbrechen bis hin zu völliger Apathie, epileptischen Anfällen, Herz-Rhythmusstörungen und Atembeschwerden reichen.

Eine Abgrenzung zu einem normalen Infekt kann schwierig sein, wenn Informationen zu dem vorangegangenen Schütteln fehlt. Dadurch kann wertvolle Zeit verstreichen, in der das Kind richtig untersucht und behandelt werden könnte. Eltern und andere Bezugspersonen sollten daher immer Angaben dazu machen, wenn das Kind geschüttelt wurde, da nur bei schneller Diagnose eventuell Schlimmeres noch vermieden werden kann.

Wenn du dein Kind geschüttelt hast, lass es bitte sofort untersuchen und erkläre, was passiert ist! Da ein Baby ein sehr verletzliches Gehirn hat, kann auch schon leichtes Schütteln schwere Folgen haben und sollte immer untersucht werden.

Zur richtigen Einschätzung der Situation wird das Kind per bildgebendem Verfahren wie Computer- oder Magnetresonanz-Tomographie untersucht. Je nach Befund erfolgt dann die Behandlung. Bei akuter Lebensgefahr werden die lebenswichtigen Funktionen stabilisiert (Atmung, Herzschlag,…) und Hirnblutungen operativ behandelt.

Zur Beobachtung gehören Kinder mit Schütteltrauma immer für mindestens 24 Stunden in klinische Beobachtung. Langzeitschäden wie epileptische Anfälle und Entwicklungsstörungen oder geistige Behinderung können medikamentös bzw. mit gezielter Förderung behandelt werden.

Mutter mit schreiendes Baby

Das Baby hört nicht auf zu schreien – was kann ich tun?

Wenn ein Baby über mindestens drei Wochen an drei Tagen die Woche drei Stunden lang schreit, wird es als Schreikind bezeichnet. Aber auch wenn ein Baby nicht in diese Definition passt, können Eltern unter dem Schreien des Kindes leiden.
Ein schreiendes Baby zerrt an den Nerven und irgendwann können Mutter oder Vater nicht mehr.

Die Nerven sind am Ende und man will einfach nur mal Ruhe, nur mal kurz. Das ist verständlich. Eins sollte aber immer dabei immer ein Tabu sein: Gewalt am Kind! Anschreien, Schlagen und auch definitiv Schütteln sind Formen von Gewalt am Kind oder am Baby.

Wenn du also nicht mehr weiter weißt und einfach nicht mehr kannst, dann leg dein Baby an einen sicheren Ort, an dem es sich nicht verletzen und von dem es auch nicht herunterfallen kann und nimm kurz Abstand von deinem Kind. Geh, wenn nötig in einen anderen Raum und atme tief durch. Beruhige dich bevor du wieder zu deinem Kind gehst und bitte eine andere Person, sich für eine Weile um dein Baby zu kümmern.

Wenn dich zur Zeit niemand unterstützen kann, benutze Ohrenstöpsel, um dich trotzdem um dein Kind kümmern zu können. Versuche zu entspannen, denn deine Anspannung überträgt sich auch auf dein Kind. Hilfe findest du außerdem vielerorts in sogenannten Schreiambulanzen. Außerdem solltest du dich bei akuter Not an den Kinderarzt und/oder an deine Hebamme wenden.

Schreien ist Babys Kommunikation

Babys schreien in den ersten drei Monaten besonders häufig und viel. Sie kommen aus der reizarmen, sicheren und bekannten Umgebung von Mamas Bauch auf eine Welt, die sie nicht kennen. Alles ist neu, alles ist anders und ungewohnt und macht Angst. Viele Reize überfordern Babys und lassen sie vermehrt am Abend lautstark den Tag verarbeiten.

Viele Babys sind deswegen besonders in den ersten Lebenswochen und -monaten besonders nähebedürftig, um Sicherheit bei Mama zu erfahren. Babys schreien, um ihre Bedürfnisse kundzutun, weil ihnen anfangs kein anderes Mittel zur Kommunikation zur Verfügung steht.

Sie weinen und schreien, wenn sie Hunger oder Durst haben, wenn ihnen etwas wehtut oder unbehaglich ist oder auch wenn der Tag sehr aufregend war und sie einfach deine Nähe brauchen.

Wenn dein Baby sehr viel bei dir sein möchte, du aber trotzdem beide Hände frei haben möchtest, kann es helfen, das Kind im Tragetuch oder in einer geeigneten Tragehilfe zu tragen. Für eine erste Unterweisung in der richtigen Bindetechnik wende dich an eine Trageberaterin oder an deine Hebamme.

Sollte dein Baby insbesonders nachmittags oder abends sehr unruhig sein und viel weinen, dann versuche, die folgenden Tage ruhiger zu gestalten, wenig oder keinen Besuch zu empfangen und mit deinem Kind zuhause zu bleiben. Oft kann ein ruhigerer Tagesablauf schon viel zu Babys Entspannung beitragen.

Lerne dein Kind kennen

Setze dich als frisch gebackene Mama nicht unter Druck! Du kannst nicht gleich jedes Schreien und Weinen akkurat deuten. Nimm‘ dir Zeit und lerne dein Baby erst einmal kennen. Am Besten eignet sich dafür das Wochenbett. In dieser Zeit sollte man möglichst wenig unternehmen und sich viel mit dem Baby zuhause in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre aufhalten.

Die Zeit gehört dir bzw. euch und eurem Baby. Nimm dein Kind viel zu dir, kuschel viel mit ihm und reagiere auf sein Weinen, Schreien und Meckern. Erholt euch beide von der anstrengenden Geburt und den aufregenden Tagen im Krankenhaus.

Durch Ausprobieren (In den Schlaf wiegen, stillen oder Flasche geben, Blähungen lindern, kuscheln,…) wirst du nach und nach ein gutes Gefühl für die Bedürfnisse deines Kindes bekommen und schneller wissen, was ihm fehlt. Wenn dein Baby jedoch längere Zeit schreit und keine Ursache gefunden werden kann, solltest du dein Kind immer von einem Kinderarzt untersuchen lassen.

Dein Baby kommt mit der Fähigkeit zur Welt, sich mitzuteilen und um Hilfe zu schreien, wenn es Hilfe benötigt. Als Eltern seid ihr die ersten und wichtigsten Bezugspersonen für euer Kind und solltet ihm diese Hilfe gewähren.

Wenn ihr merkt, dass eure Kräfte am Ende sind, befolgt bitte die genannten Tipps und holt euch Hilfe. Denn das Schütteln eines Babys und auch Kleinkindes aus Verzweiflung kann tödliche Folgen haben.

Eure Katharina Tornow (Babytalk – Autorin)

Beitragsfoto 1: SpeedKingz / shutterstock
Foto 2: MakeStory Studio / shutterstock

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