Schnullerentwöhnung – Wie es klappt

26. June 2017 -



Einige von uns erinnern sich vielleicht noch daran, wie es war, als uns der Schnuller eines Tages einfach weggenommen wurde. Nicht selten mit viel Tränen und Geschrei. Und selbst wenn die Schnullerfee kam, brauchte es noch viel Zeit, bis „Ruhe“ eintrat.

Aus meiner Arbeit als Therapeut, Vater und Ex-Schnullerkind weiß ich, dass dies, vor allem wenn er plötzlich weg ist, für die Kleinen eine traumatische Erfahrung sein kann.

Was nicht heißt, dass eine Abgewöhnung nicht wichtig ist, und die Trauma nicht unbedingt lebensbestimmend sind.

Den Schnuller erst gar nicht bzw. nur in „Extremsituationen“ geben

Die leichteste Art den Schnuller abzugewöhnen, ist ihn von Anfang an, wenn überhaupt, nur „dosiert zu verabreichen“. Nicht wenige Babys verweigern sich erstmal gar einen Schnuller zu nehmen.

Der Schnuller ist häufig nur eine Ersatzbefriedigung für Nähe und Geborgenheit. Damit beruhigen sich die kleinen Schreihälse, wenn sie etwas überfordert, wie zum Beispiel zu viele Sinneseindrücke, oder sie ihren Willen nicht bekommen oder etwas Anderes ihnen Angst macht.

Und wenn wir Eltern uns gerade nervlich und/oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sehen unser Kind durch diese „Schreiphase“ hindurch zu begleiten, in dem wir es liebe- und vertrauensvoll in den Armen halten, ist der Schnuller ein probates Mittel.

Wenn das Kind sich beruhigt hat, “schnippt” man den Schnuller am besten direkt wieder mit einem Finger langsam aus dem Mund.

Wenn der Partner oder andere nahestehende Personen „greifbar“ sind, die gerade mehr in sich Ruhen, ist es eine gute Idee ihnen das Baby zu geben, statt dem Baby wieder den Schnuller in den Mund zu schieben.

Es ist hilfreich, den Kleinen zumindest zwischen durch immer wieder die Erfahrung machen zu lassen, dass sie sich selber beruhigen können.

Tipps zur Schnullerreduzierung

Wir Eltern können ihnen dabei auf verschiedene Art und Weise unterstützen. Die nachfolgenden Tipps gelten in dem Fall, dass das Kind gesund ist und nicht gerade extremen Hunger hat.

  • Das Baby auf dem Arm tragen oder anderweitig Körperkontakt herstellen.
  • Ruhig und entspannt bleiben. Dabei können bewusst genommene tiefe Atemzüge helfen, wenn möglich die Kinder dabei animieren, es uns gleich zu tun. Dies kann z.B. ein kleiner „Stupser“ auf den Unterkiefer sein.
  • Beruhigende Lieder singen (oder anderweitig laufen lassen, wobei uns Eltern das Singen auch hilft uns zu entspannen).
  • Bewegen, das Baby mit dem Oberkörper oder Armen schaukeln und / oder gehen.

Baby, das keinen Schnuller möchte

Entwöhnungsphase

Wenn sich das Kind an einen Schnuller gewöhnt hat, ist es ratsam, im Alter von 2 Jahren mit der Entwöhnung zu beginnen. Vor allem, weil die Gefahr bei normalen Schnullern sehr groß ist, dass es einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Kiefers und der Atmung des Kindes haben kann (nähere Informationen dazu findet ihr unter “Gibt es einen Schnuller ohne Reue?“.

Tipps zur Schnullerentwöhnung

Hier einige Tipps zur Schnullerentwöhnung:

  • Immer wenn das Baby schläft vorsichtig den Schnuller herausnehmen bzw. -kicken und falls es dann “quengelt oder droht wach zu werden” erstmal wieder reinstecken und später nochmal probieren.
  • Wenn möglich dem Kleinkind immer häufiger die Chance geben sich ohne Schnuller (notfalls durch „geborgenes Schreien“) zu beruhigen oder einzuschlafen. Dafür bieten sich Spaziergänge in einem Tragetuch an.
  • Wenn sich das Kind beruhigt hat den Schnuller geben lassen und notfalls herausnehmen. Was zu Beginn ein erneutes Schreien hervorbringen kann, häufig aber schnell angenommen wird.

Schnullerabgabe

Bevor man den Schnuller endgültig wegnimmt, ist es hilfreich, wenn das Kind einem zeigen konnte, wie es es schafft, auch ohne Schnuller mal einzuschlafen oder sich zu beruhigen.

Wenn die Kinder schon älter sind „Belohnungen“, wie zum Beispiel durch die Schnullerfee möglich. Doch „Vorsicht“, die Augen unserer Kinder sind häufig größer als ihr Wille ihren geliebten Schnuller aufzugeben.

So ist es wichtig sich darüber im voraus im Klaren zu sein und die Abgabe durchzuziehen oder gegebenenfalls noch zu verschieben. Wir sollten in solchen Situationen unsere Entscheidungen nicht zu häufig zurücknehmen.

Dies merken sich unsere Kinder ganz genau und probieren es immer wieder, mit Geschrei ihren Willen durchzusetzen.

Ich wünsche Euch allen eine entspannte Zeit der Abgewöhnung. Wenn diese nicht so entspannt Laufen sollte, freue ich mich über Eure (gerne auch anonymen) Schilderungen und werde Euch weitere spezifischere Lösungsvorschläge schreiben.

Euer Deva  (Babytalk – Redaktion)

Wir würden uns sehr über Euer Feedback und Eure Erfahrungen und Tipps freuen.

Beitragsfoto: Petr Bonek / shutterstock 
Foto 2: bedya / shutterstock


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