Schlafen im Familien-Elternbett

8. January 2017 -



Dieses Thema wird in den sozialen Medien sehr kontrovers diskutiert, nichtsdestotrotz möchten wir hier mit diesem Beitrag Stellung beziehen.

Wie haben es unsere Vorfahren gehalten?

Die meisten Kinder haben vermutlich bis vor gut 100 Jahren immer im gleichen Raum wie ihre Eltern geschlafen. Mir ist nichts darüber bekannt, dass dies besondere Probleme für die Entwicklung der Kinder nach sich zog.

Und wenn man in der Geschichte bis zum Beginn der Menschheit zurückgeht, wird einem schnell bewusst, dass das Schlafen in der Nähe von vertrauten Menschen vermutlich schon von Anbeginn an „normal“ ist bzw. war.

Dort bedeutete die Anwesenheit der Eltern (bzw. anderer erwachsenen Mitglieder der Gemeinschaft) Sicherheit vor Gefahren, wie wilden Tieren oder extremen Wettersituationen.

Diese „Ur-“Ängste sind immer noch in den „Genen“ verankert, und so genießen Babys die Sicherheit und Geborgenheit, die ihnen die Nähe zu ihren Eltern vermittelt.

Versetzt Euch mal für einen Moment in die Situation eines Babys, das neun Monate lang eng mit seiner Mutter verbunden war. Es kennt ihren Herzschlag, ihren Atemrhythmus, ihren Geruch, einfach alles von ihr.

Dies bzw. seine Mutter gehört für das Baby einfach zu ihm und seinem Leben. Dann kommt es mit der Geburt zu dem Ende dieser vertrauten und Sicherheit und Geborgenheit schenkenden „Zweisamkeit“.

Dies ist wahrscheinlich eines der dramatischen Erlebnisse im Leben eines Menschen, wie sanft die Geburt auch gewesen sein mag. Das Neugeborene findet sich plötzlich in einer weiten, unbekannten, grellen und „lauten“ Welt wieder.

Was vermutet ihr, wünscht sich da ein Baby? – Ich würde mir Geborgenheit und Nähe wünschen, was ich in meiner Arbeit als Therapeut ebenfalls immer wieder von meinen Klienten höre.

Verwöhnen wir durch das Schlafen lassen im Familienbett unsere Kinder? In den ersten drei Lebensjahren können Sie als Eltern ihre Kinder fast nicht verwöhnen.

Alles, was Sie ihnen aus Liebe und nicht eines schlechten Gewissens wegen schenken, stärkt ihr Wohlbefinden und Selbstvertrauen. Und ist es nicht genau das, was wir unseren Kindern mitgeben wollen?

Damit möchte ich nicht sagen, dass alle Eltern ihre Kinder in ihrem Elternbett schlafen lassen sollen. Denn was ein Kind sich noch wünscht, sind glückliche und entspannte Eltern.

Und wenn das für sie bedeutet, ohne ihr Kind in oder neben ihrem Bett zu schlafen, dann ist das so!

Vertraut euren Gefühlen und ihr werdet wissen, was das Beste für euch und die euch anvertrauten Kinder ist.

Lasst euer Kind nicht aus Angst dauernd in eurem Elternbett schlafen, oder weil ihr es nicht aushaltet, wenn euer Kind Probleme hat, sondern vor allem dann, wenn es sich für Euch (Mutter und Vater) gut anfühlt.

Es ist wichtiger für ein Kind, entspannte und ausgeschlafene Eltern zu haben, als mit ihnen in einem Bett zu schlafen.

Übermüdete und verzweifelte Eltern schalten schnell in einen Auto(-funktions)modus, sind getrennt von ihren Gefühlen und reagieren angespannt und genervt, was wiederum die Kinder verunsichert.

Plötzlicher Kindstod

Es gibt viele verschiedene Studien in Bezug auf den plötzlichen Kindstod, dessen tatsächliche Ursachen noch immer ungeklärt sind. Manche besagen, dass das Schlafen im Familienbett das Risiko erhöht, wobei in diesen Aussagen die unterschiedlichen Umstände nicht weiter berücksichtigt werden.

So gehen in diese Studien auch die Kindstode ein, wo ein Kind nur eine Nacht im Bett der Eltern geschlafen hat.

Zudem werden Kinder eher mal ins Familienbett geholt, wenn es ihnen eh nicht so gut geht, sie krank sind oder gerade einen Entwicklungsschub durchmachen und eine Phase mit vielen „Alpträumen“ durchleben.

Des Weiteren sind viele Faktoren, wie das Rauchen eines oder beider Elternteile im Elternbett oder Drogenkonsum der Eltern, die die Gefahren eines plötzlichen Kindstod sehr stark erhöhen, nicht rausgerechnet.

Zudem gibt es vermutlich wie bei vielen kritisch gesehenen Themen genauso viele Befürworter wie Kritiker.

So weist Abraham Bergman, emeritierter Professor am Harborview Medical Center in Seattle, darauf hin, dass der plötzliche Kindstod nur ein statistischer Zusammenhang sei und es nicht bewiesen sei, dass das Bett-Teilen für sich genommen zum plötzlichen Kindstod führt.

Der Tod eines Menschen, vor allem eines Kindes, so bedauernswert und tragisch er für die betroffenen Eltern ist, gehört genauso zum Leben wie die Geburt. Aus meiner Arbeit als Therapeut kenne ich viele solcher Tragödien.

Meistens zeigte sich hinter diesen Schicksalen, dass der Tod des Kindes eine Art „Geschenk des Himmels“ war, sich über das bisherige und zukünftige Leben Gedanken zu machen und für sie wichtige „Veränderungen“ anzugehen.

Denn ein „Weiter so“ ist den betroffenen Eltern nach solch einem Erlebnis nicht möglich. Das heißt nicht, dass die Eltern durch ihren bisherigen Lebensstil eine Mitverantwortung für den Tod ihres Babys tragen.

Auch wenn ich es nicht gleichsetzen möchte, sehe ich es ähnlich wie eine sehr schwere Krankheit, zum Beispiel einen Herzinfarkt, nach dem sich nicht selten die Prioritäten im Leben dieses Menschen grundlegend ändern.

Vieles, was früher von großer Bedeutung war, wie beispielweise die berufliche Karriere, schwindet, und vieles, was zuvor nicht oder weniger Beachtung fand, wie die Beziehung zu seinem Partner und Kindern, erfährt nun größere Bedeutung.

Dr. Jan Sperhake, Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), gibt in der Zeitschrift ELTERN (10/2012) folgende Information:

„Wenn jedoch das Kind selbst keine Risikofaktoren aufweist und die Eltern alle üblichen Vorsichtsmaßnahmen einhalten.

Vor allem, wenn die Eltern nicht rauchen, ist das Risiko für das Kind im Familienbett wahrscheinlich nur gering erhöht. Vorausgesetzt, es trägt einen Schlafsack, kann nicht unter eine Daunendecke oder mit dem Kopf in ein Kissen oder eine Kuhle geraten.“

Bei Kleinkindern und Babys kommt es während der Nacht nicht selten zu Atemaussetzern, was aber in der Regel nicht bedrohlich ist, und wenn, ist die Chance, dass sie durch das vertraute Atmen ihrer Eltern zum weiter atmen animiert werden, sehr groß.

Und wenn nicht, sind die Eltern durch ihre Nähe zu ihnen schneller in der Lage, aktiv zu werden. Babys, die im elterlichen Bett schlafen, sollen in der Regel seltener in der Nacht wach werden, und wenn doch, dann schlafen sie leichter bzw. schneller wieder ein.

Ein weiterer schöner Nebeneffekt ist, dass sich der Schlafrhythmus von Mutter und Kind annähert. Und so wird die Mutter auch nicht aus einer Tiefschlafsphase geweckt, wenn das Baby hunger bekommt und schläft anschließend leichter wieder ein und ist am morgen ausgeruhter.

Iryna Inshyna / shutterstock

Das Liebesleben der Eltern

Viele Eltern befürchten, dass ihr eh dürftiges Liebes- bzw. Sexleben nach der Geburt des Kindes weiter abflaut, wenn das Kind im Elternbett schläft. Das ist natürlich möglich, doch nicht notwendigerweise so.

Auch wenn Sex in unserer Zeit, durch die „68 Revolution“ von vielen Tabus befreit wurde und nicht mehr „nur“ auf die Ehe beschränkt ist und nicht zuletzt durch ihre dauernde Anwesenheit in den Medien und der Werbung scheinbar überall präsent ist, scheint es insbesondere für Eltern klare gesellschaftliche Richtlinien für ihr Sexualleben zu geben.

Es ist zwar bekannt, dass Kinder nicht unbedingt jeden heftigen Streit mitbekommen sollten, doch nichtsdestotrotz bekommen sie gerade in unserer Zeit sehr viele Streitigkeiten mit, was nicht zuletzt eine Scheidungsrate von fast 50 Prozent nahelegt.

Doch was spricht dagegen, dass Eltern Sex haben, während ihre Kinder im gleichen Zimmer schlafen? Sex, als Ausdruck von tiefer Zuneigung und Liebe. Was, wenn nicht das, wollen wir unseren Kindern in Bezug auf Beziehungen mitgeben?

Es macht kleinen Kindern eher Angst, wenn sie durch eine geschlossene Tür oder dünne Wände Stöhnen und andere laute Geräusche vernehmen, die sie nicht zuordnen können.

Da entspannen sie sich schneller, wenn sie doch mal in der Nacht im Elternschlafzimmer aufwachen sollten.

Falls der Sex mit Kind in einem großen Familienbett passieren sollte, darf der Sex auch mal sanfter sein. Und falls es doch mal weniger ruhig zugehen soll, sind Vater und Mutter für ihre leiblichen Bedürfnisse nicht aufs Schlafzimmer beschränkt.

Stillen

Mütter, die ihr Kind in ihrem Schlafzimmer / Bett schlafen lassen, stillen ihre Babys häufiger länger. Sie können sie nicht selten in einer Art Halbschlaf anlegen und wieder ab stöpseln und weiterschlafen.

Was sie nicht selten ausgeruhter werden lässt, als wenn sie nachts in einer Art „Habachtstellungsschlaf“ in ihrem Bett liegen, mit einem Ohr immer bei ihrem Baby im Kinderzimmer sind, um mitzubekommen, wenn es sich durch schreien oder weinen meldet.

Gemeinsames Schlafen gehen?

Je nach Schlafrhythmus geht das Baby mit den Eltern oder früher ins Bett. Eine gute Möglichkeit ist es, das Baby bis zum eigenen Schlafen gehen in einem Trage- bzw. Babykörbchen neben sich schlafen zu legen.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, sich dazu zu legen, bis es eingeschlafen ist, was zwar die eigene „freie Zeit“ beeinträchtigt, doch ansonsten ein schönes Ritual ist und zudem die Nähe zu den Eltern und das Vertrauen ins Leben stärkt.

Zudem sollte nicht vergessen werden, dass Bett mit Kissen oder anderen Utensilien „Rausfall“-sicher zu machen.

Einfluss auf die Entwicklung der Kinder

Babys, die nachts wach werden und weinen, lernen häufig wesentlich schneller, sich durch die Anwesenheit und Nähe ihrer Eltern wieder zu beruhigen und einzuschlafen. Dies stärkt das Selbstvertrauen, allein mit starken Emotionen umzugehen.

Auf das Alleinschlafen vorbereiten

In der Regel bemerkt das Kind den Zeitpunkt, wann es besser ist, allein in seinem Zimmer zu schlafen, und äußert dies auch gegenüber seinen Eltern.

Das eigene Zimmer sollte, zumindest bis es für das Kind normal ist, allein darin zu schlafen, nicht als Bestrafung genutzt werden, wobei Bestrafungen in aller Regel nur selten hilfreich sind. Belohnungen für „gewünschtes“ Verhalten sind dagegen wesentlich effektiver und entwicklungsfördernder.

Fazit

Es liegt in der Verantwortung der Eltern, für sich zu entscheiden, was das Beste für sie ist, womit sie sich am wohlsten fühlen. Dies ist dann auch das Beste für das Kind.

Denn auch, wenn sich Kinder häufig etwas anderes wünschen, ist ihnen am Wichtigsten, dass es ihren Eltern gut geht. Und es liegt nicht in ihrer Verantwortung, sich um das Wohlergehen ihrer Eltern zu kümmern. Sie dürfen alles freiheraus „äußern“ bzw. kundtun, was sie wollen.

Es ist allein die Aufgabe der Eltern zu entscheiden, was sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse brauchen und darauf zu achten, nicht über ihre Grenzen zu gehen.

Diese Aufgabe ist wesentlich schwerer, als es scheint, und kann im Grunde nur von Eltern beurteilt werden.

Sie sollten sich dabei nicht zu sehr von eigenen Erfahrungen als Kind und scheinbaren gesellschaftlichen Regeln beeinflussen lassen. So ähnlich wir Menschen uns auch sind, sind wir doch Individuen.

Liebe Grüße und angenehme Nächte!

Euer Deva (Babytalk – Redaktion)

Wir würden gerne lesen, wie Ihr es handhabt und welche Erfahrungen Ihr gemacht habt.

Foto1: Kotin / shutterstock
Foto2: Iryna Inshyna / shutterstock


				

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