Rektusdiastase – Teil 1: ein nicht schwinden wollender Schwangerschaftsbauch

13. November 2017 -



Wir freuen uns Euch wieder eine neue Autorin Silvia von Babytalk vorstellen zu können. In diesem Beitrag schreibt sie über ein sehr intimes Thema, ihren nicht schwinden wollenden Schwangerschaftsbauch. Vielen Dank dafür!

In ihrem eigenen Blog vivabini geht es um uns Mamas. Um unsere Gedanken, unser Leben und unsere Lieben. Und zwar jenseits des Mutterklischees. Ihr Motto: “Denn du musst keine Supermutti sein, um eine super Mutti zu sein!“, können wir nur unterstreichen.

Auf Vivabini schreibt sie über alles, was uns Mamas angeht und interessiert. Bei Ihr findet Ihr Geschichten aus dem Alltag einer ziemlich “unbegabten” Mutter, Hilfreiches und Wissenswertes rund um das Mamasein und das Leben mit Kindern. Und zudem tolle Konzepte, außergewöhnliche Ideen und Inspirationen für Euch und eure Familie.


Rektusdiastase Teil 1: Krankheitsbild und Diagnose

Eine Schwangerschaft hinterlässt nicht selten körperliche Spuren: Dehnungsstreifen, Babypfunde, einen schwachen Beckenboden – alles nicht schön, doch zumindest alles relativ bekannte Folgeerscheinungen.

Doch es gibt da noch etwas anderes. Etwas, das nicht so bekannt ist. Etwas, mit dem ich ganz persönlich Bekanntschaft gemacht habe: ein nicht verschwinden wollender Schwangerschaftsbauch.

Ein paar Monate nach der Geburt waren alle anderen Körperteile wieder auf Normalniveau. Nur der Bauch kugelte sich immer noch nach außen, wie im sechsten Monat.

Mittlerweile muss ich mich sogar zahlreicher Glückwünsche zur erneuten Schwangerschaft erwehren: „Nein, da kommt kein drittes Kind. Ich schaue einfach nur Scheiße aus!“

Ich habe dazu viel recherchiert und herausgefunden, dass dieser Fake-Schwangerschaftsbauch einen Namen hat: im Fachchinesisch wird dieser Zustand Rektusdiastase genannt.

Leider musste ich jedoch auch feststellen, dass dieses Krankheitsbild in der Ärzte-, Physiotherapeuten- und Hebammenwelt sehr stiefmütterlich behandelt wird, oder oftmals sogar gar nicht bekannt ist. Dabei kommt so eine Diastase gar nicht mal so selten vor, wie du das jetzt denken magst!

Wölbt sich dein Bauch auch immer nach außen? Wird das während des Tages ausgeprägter? Vielleicht hast du schon versucht, mit Sport entgegenzuwirken – ohne Erfolg?

Nun, dann bist auch DU vielleicht davon betroffen!

Rektusdiastase – was ist das?

Die Rektusdiastase beschreibt einen Spalt in der gerade verlaufenden Bauchmuskulatur bzw. eine Ausweitung der sognannten Linea Alba – das ist die Bindegewebsnaht, welche die linke und rechte Bauchmuskelhälfte miteinander verbindet.

Durch eine Schwangerschaft wird dieses Bindegewebe stark gedehnt und bildet sich in einigen Fällen nicht wieder vollständig zurück. Dadurch entsteht eine Bauchwandschwäche, die zur Folge hat, dass sich mit Ausweitung des Darms (z.B. durch Nahrung oder Blähungen) der Bauch nach vorne wölbt.

Aus medizinischer Sicht ist eine Rektusdiastase in den meisten Fällen unbedenklich und verursacht auch keine Beschwerden.

Es schaut halt nur „Scheiße“ aus.

In einigen Fällen können jedoch aus der Diastase heraus auch Bauchwandbrüche entstehen (wie z.B. ein Nabelbruch). Ein Bauchwandbruch sollte unabhängig von einer Diastase auf jeden Fall ärztlich versorgt werden, um Komplikationen durch das Einklemmen von Organen zu vermeiden.

(Quelle: Netdoktor.de)

Wie erkenne ich, ob eine Diastase vorliegt?

Rektusdiastase Selbsttest, eine Mutter auf dem Bauch liegend

Der Selbsttest

In einem ersten Schritt kannst du ganz einfach selbst testen, ob bei dir eine Diastase vorliegt. Hierfür legst du dich flach auf den Rücken und stellst die Beine an.

Lege zwei deiner Finger in die Mitte des Bauches, kurz über den Bauchnabel. Hebe anschließend den Kopf und drücke die Finger in den Bauch.

Wiederhole dieses Vorgehen an verschiedenen Stellen über- und unterhalb deines Bauchnabels. Dort, wo du deine Finger zwischen deiner Muskulatur in den Bauch drücken kannst, hast du eine Diastase.

Mein Tipp: Um am Anfang ein Gefühl für deine Muskulatur zu bekommen, hat es mir geholfen, bei gleichzeitig in den Bauch drückenden Fingern meinen Kopf ein paar Mal hoch- und runter zu bewegen. Dabei kannst du spüren, wie die Muskulatur in der Mitte zusammenkommt.

Diagnose durch einen Arzt

Ich war natürlich erst einmal nicht bei einem Arzt. Erstens hat man mit einem Baby daheim für sich selbst ja nie Zeit, und zweitens kam ich mir zunächst auch irgendwie doof vor, mit diesem vermeintlich rein äußerlichen Problem gleich zum Arzt zu rennen.

Jetzt rückblickend kann ich dir allerdings nur empfehlen, bei Verdacht einen Arzt aufzusuchen. Vor allem, aber nicht nur, wenn du körperliche Beschwerden hast! Denn nur ein Arzt kann dir definitiv sagen, ob und in welchem Grad eine Diastase vorliegt (z.B. mittels Ultraschall) und dir gegebenenfalls eine Physiotherapie verschreiben.

Viel wichtiger jedoch ist, dass nur ein Arzt einen Bauchwandbruch ausschließen kann. Denn diese beiden Erkrankungen gehen gerne Hand in Hand. Ich selbst habe neben der Diastase beispielsweise auch einen kleinen Bauchnabelbruch.

Welcher Arzt kann eine Rektusdiastase diagnostizieren?

Jaa, hier wird es leider ein wenig tricky. Theoretisch sollte jeder Arzt dich auf eine Rektusdiastase untersuchen können. Praktisch kennt sich jedoch leider kaum ein Arzt und auch nicht jede Hebamme mit diesem Thema aus.

Dein Gynäkologe ist jedoch eine gute erste Anlaufstelle. Oder auch ein Allgemeinchirurg. Zudem gibt es auch Physiotherapeuten, die sich hier gut auskennen.

Lass dich bitte aber nicht verunsichern, wenn du auf Unwissenheit stößt oder vielleicht sogar noch einen blöden Spruch reingedrückt bekommst (z.B. du solltest einfach mehr Sport machen – bei mir so gewesen…).  Spreche deinen Arzt konkret auf dieses Thema an und hole dir im Zweifel noch eine zweite oder dritte Meinung ein.

Nur weil der Arzt sich mit dem Thema Rektusdiastase nicht auskennt, bedeutet das nicht, dass du keine hast! Meine „Trefferquote“ waren zwei aus vier. Erst der vierte Arzt, ein Allgemeinchirurg, hat schließlich per Ultraschall eine eindeutige Diagnose gestellt.

Ich habe tatsächlich eine Diastase! Was jetzt?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten bei einer Diastase vorzugehen: Physiotherapie und/oder Operation.

Welche physiotherapeutischen Ansätze und Programme es gegen die Rektusdiastase gibt, und warum ich mich letztendlich für eine operative Korrektur entschlossen habe, erfährst du in Teil Zwei dieser kleinen Reihe.

Eure Silvia (Babytalk – Autorin)


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