Geburt: Erfahrungsbericht einer Leserin – Gewalt unter der Geburt

20. November 2017 -



Ein sehr bewegender Bericht zum „Roses Revolution Day“ am 25. Nov.

Ein Baby zur Welt zu bringen, ist eine Grenzerfahrung – ein Akt voller Hingabe – ein entblättern seiner Selbst. Ich habe am eigenen Leib erfahren müssen, wie sich Gewalt in der Geburtshilfe anfühlt und möchte diese Erfahrung mit euch teilen. Ich war bereits im Zimmer indem das CTG geschrieben wurde, als sich die neue Hebamme nach dem Schichtwechsel vorstellte. Es war genau die Hebamme, der ich Wochen zuvor meine Vorstellungen meiner Geburt erläutert hatte. Sie wusste also Bescheid über meine sanfte Hypnobirthing Geburtsvorstellung ohne Hebamme, ganz für mich alleine sein, mit meinem Partner, in Ruhe.

Die ersten Stunden wirkten entspannt.

Ich konnte die Wellen gut veratmen und hatte kaum Schmerzen. Ich wurde in Ruhe gelassen und konnte mit meinem Partner alleine im Kreissaal entspannen. Die Wellen wurden von Stunde zu Stunde intensiver und ich fühlte mich immer wieder durch das Eintreffen der Hebamme sichtlich unwohler. Ich hatte schon extreme Schmerzen und gab mich den Wellen vollkommen hin. Immer wieder wurde nach dem Muttermund getastet und immer und immer wieder betonte sie, dass sich nicht wirklich was getan hat. Sehr motivierend nach 15 Stunden Schmerzen. Ich saß auf der Toilette und konnte aufgrund der heftigen Wellen nicht mehr ohne Hilfe aufstehen. Die Hebamme kam in die Toilette und fand mich weinend vor. Sie half mir beim Aufstehen. Das Blut lief mir an den Beinen hinunter und ich war einfach nur entkräftet. Sie sah mich an und sagte: „Da haben Sie jetzt ihre tolle, schmerzfreie Geburt, die die immer davon reden, wie schön das ist, sollten sich mal einen Tag hier zu uns stellen.“ Ich bejahte, damit ich sie nicht noch genervter machte als sie eh schon war und brach erneut in Tränen aus. Sie brachte mich zum Bett.

Trotz Schmerzen voller Vorfreude

Nun hatten wir wieder mehr Ruhe. Ich genoss diese Stunden sehr, obwohl ich extreme Schmerzen hatte. Die Momente als Paar, voller Vorfreude auf unsren Sonnenschein. Ich bat meinen Partner mir den Gymnastikball zu geben, damit ich das Becken leichter kreisen konnte. Als plötzlich die Ärztin rein kam und ganz empört war, was ich den hier mache. Das sieht wackelig aus und ich sollte mich sofort hinlegen und den Ball weglegen. Ich war schockiert. Konnte aber aufgrund der Schmerzen keinen klaren Gedanken fassen und tat was sie verlangte. Wieder wurde nach dem Muttermund geschaut. Ich fühlte mich so hilflos und allein. So unverstanden und klein. Ich hielt noch 5 Stunden durch. Danach merkte ich wie nervös die Ärztin wurde- sie hatte den OP Kittel bereits an und flüsterte der Hebamme zu ob sie schon mit mir gesprochen hätte. Sie verneinte, klopfte mir auf den Rücken und lachte,,: ach die schafft das schon! Ich wusste, sie wollte mit Absicht, dass ich noch etwas länger was von meiner ,,schmerzhaften,, Geburt hatte. Ich war am Boden zerstört.

So hatte ich mir die Geburt nicht vorgestellt

So hatte ich mir das alles auf keinen Fall vorgestellt. Wieder ließen sie uns alleine im Zimmer und ich konnte verschnaufen. Nach 24 h Leid kam plötzlich die Ärztin herein und forderte mich auf, mich zu melden, wenn die nächste Wehe käme. Ich lag im Vierfüßlerstand da und dachte, sie wolle einfach nur schauen, wie ich mit den Wellen fertig wurde. Als die nächste Welle kam, führte sie ohne jegliche Warnung ihre ganze Hand in mich und tastete nach dem Muttermund. Ich schrie vor Schmerzen und bat sie sofort aufzuhören. Drehte mich um und schrie, dass ich nicht mehr kann. Ich fühlte mich, als hätte ich all meinen Stolz verloren, nackt und um mein Frau sein beraubt. Vergewaltigt und bloßgestellt.

Sie sah mich an und meinte: „Es wäre Zeit für einen Kaiserschnitt, aber die 24 Stunden Schmerzen waren halt jetzt umsonst, der Kleine rutscht einfach nicht ins Becken.“

Als Mama versagt

Ich war schockiert! Wie eiskalt sie mir erklärte, dass ich jetzt als Mama versagt hätte. Ich wollte einfach nur meinen Sohn haben und in diesem schmerzhaften Moment war es mir egal wie. Ich unterschrieb den Zettel für den Kaiserschnitt und ließ mich in den OP fahren.

Als ich da so auf dem OP Tisch lag, konnte ich einfach keinen klaren Gedanken mehr fassen und wollte einfach nur, dass dieser Tag eine Ende hat und ich endlich mein Kind in den Armen halten kann. Ich bekam die Betäubung und sie erklärte mir, was sie jetzt genau machen.

Plötzlich passierte das, wovor wohl alle Mamas vor einem Kaiserschnitt Angst haben. Ich schrie drei Mal AUA , denn ich spürte, wie sie meine Bauchdecke aufschnitten. Es tat höllisch weh, aber niemand interessierte sich dafür. Sie sagte nur: Ich kann jetzt nicht mit dem Schneiden aufhören und machte weiter. Gott sein dank wurde ich dann in Narkose gelegt. Das für mich so unvorstellbare war, dass im Geburtsbericht angeführt wurde, dass ich so aufgebracht war und deshalb in Narkose gelegt wurde.

Ich bin heute noch extrem verletzt über diese falsche Behauptung. Nach dem Aufwachen konnte ich nur kurz meinen Sonnenschein sehen, bevor ich 3 Stunden auf der Intensivstation lag.  Wieso, weiß ich bis heute nicht. In der Zwischenzeit hatte mein Lebensgefährte unseren Sohn alleine und niemand erklärte ihm, was mit mir los sei oder wo ich bin. Als ich dann ins Zimmer kam und endlich meine Sohn und Lebensgefährten sah, vergas ich alles, was in den letzten Stunden passiert war.

Bis zu diesem Niederschreiben, hatte ich diesen Schmerz verdrängt

Erst jetzt keimt sie auf – die Traurigkeit über diese Geburtserfahrung. Ich habe die Gefühle anfangs verdrängt. War so überglücklich diesen Sonnenschein zu haben – dass ich vergaß, wie schlimm diese Geburt für mich war. Ich bin traurig und wütend. Traurig, weil ich mein Kind nicht ohne Hilfe auf die Welt bringen konnte. Wütend, dass ich nicht Frau genug war in diesen Stunden klar meine Wünsche zu äußern.

Dieser Tag sollte der schönste in meinem Leben werden und er wurde der schlimmste.

Jede Frau hat das Recht auf eine schöne Geburt und keine Frau sollte so etwas erfahren müssen. Was wir bei der Geburt leisten sollte mit Respekt behandelt werden.

Eine Geburt ist ein Prozess, in dem wir uns vollkommen hingeben – alle unsere Hülle fallen lassen müssen und in die Tiefen des Schmerzes hinabsteigen, um danach das Glück auf Erden zu sehen.

Mir wurde der schönste Moment genommen und ich werde diesen nie nachholen können. Ich werden lernen müssen nicht nur mit der äußerlichen Narbe , sondern auch mit der innerlichen leben zu müssen.

Liebe Grüße Eure Christina Watzinger (Babytalk – Leserin)

Beitragsfoto: links Tyler Olson & rechts N1_5.6 / shutterstock

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