Fehlgeburt – Wie damit weiterleben und umgehen?

5. February 2017 -



Dies ist ein sehr heikles Thema, das selbst in den betroffenen Familien häufig ausgesperrt bzw. totgeschwiegen wird. Zu groß ist die Angst, durch diesen Verlust, der „Angst, versagt zu haben“ und dem damit verbundenen Schmerz den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Bevor ich weiter auf die Antwort auf die oben genannte Frage eingehe, möchte ich klarstellen, dass jede betroffene Mutter bzw. Familie für sich entscheiden muss, wie sie mit dieser Trauer und diesem Schmerz weiterleben kann.

Warum geht ein Ungeborenes?

Wenn Ungeborene oder Neugeborene gehen, liegt es nie daran, dass die Mutter oder jemand anderes etwas falsch gemacht hat. Der Grund ist, dass diese „Engel“ gekommen waren, um durch ihr frühes Gehen allen, die sich betroffen fühlen, etwas mitzuteilen. Darin gibt es keinen Raum für „Schuld“.

Es geben immer alle ihr Bestes, wie „wenig“ es von außen oder im Nachhinein auch scheinen mag. Hilfreich ist, wenn die betroffene Mutter Raum für ihre Trauer erhält, und ggf. auch für ihre Wut auf sich, das Leben oder auf Gott.

Es ist für die „Verarbeitung“ dieses Traumas wichtig, dass darüber gesprochen wird und das Sternenkind einen Platz in dieser Familie erhält.

Ansonsten wird das Unterdrücken der Angst vor dem Schmerz der Mutter bzw. den Eltern fortwährend Kraft kosten, oder ein anderes Kind könnte den „Schmerz auf sich nehmen“.

Wie trauert man „richtig“?

Nicht selten sind Mitmenschen über den Umgang einer Mutter mit ihrer Fehlgeburt schockiert, egal ob sie sich ihrem Schmerz hingibt und in Selbstmitleid versinkt oder scheinbar gefühllos damit umgeht.

Jeder Mensch hat und braucht seinen eigenen Weg und seine Zeit, mit Trauer und Verlust umzugehen. Das afrikanische Sprichwort „Niemand weiß, wie schwer der Rucksack ist, den man nicht selber trägt“ drückt dies sehr treffend aus.

Es gibt keinen richtigen Weg zu trauern. Wir haben alle unsere unterschiedlichen Päckchen zu tragen, die es uns leichter oder eben schwerer machen, mit Trauer und Verlust umzugehen.

Wie sage ich es meinem Kind?

Dies hängt zunächst vor allem vom Alter des Kindes ab.  Egal welche Sprache man auch verwendet, wichtig ist, dass der „Tod“ des Geschwisterkinds und die Tatsache, dass niemand dafür verantwortlich ist, klar ausgedrückt werden.

Denn vor allem Kinder fühlen sich schnell für alles, was in der Familie geschieht, verantwortlich, und tragen diese „Schuld“ häufig bis zu ihrem Tod bei sich. Es sei denn, sie finden durch professionelle Unterstützung oder andere Wege eine Art Heilung.

Für kleine Kinder ist es häufig hilfreich, das Geschehene in eine Geschichte mit Tieren oder eine Art Märchen zu verpacken.

Wenn Kinder die Transformation bzw. den Tod der Raupen und die Wiedergeburt als Schmetterling, der irgendwann in den Himmel fliegt, verstehen, kann man dies auch auf das Sternenkind übertragen.

Oder man erzählt ihnen, dass es nun zu einem Stern geworden ist und liebevoll und lichtgebend auf uns hinabschaut …

Älteren Kindern kann man auch schon mitteilen, dass der Tod zum Leben gehört wie die Geburt. Und dass es denen, die von uns gegangen sind, gut geht, dort wo sie nun sind.  Und dass sie uns empfangen, wenn wir ihnen einmal folgen.

Wie gebe ich dem Sternenkind einen Platz in der Familie?

Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, ich möchte hier nur einige aufführen und würde mich sehr freuen, wenn weitere von Euch Lesern kommen.

So ist es sehr hilfreich, ein Foto aus der Schwangerschaft zu rahmen und ihm einen Platz in der Küche, im Wohn- oder Esszimmer zu gebe. An einen Platz, wo es allen Familienangehörigen immer wieder ins Auge fällt.

Des Weiteren kann es helfen, an den Tagen, an denen sich ihr „Gang nach Hause“ jährt, darüber zu reden und eine Kerze anzuzünden.

Was tun, wenn der Schmerz nicht nachlässt und der Funktionsmodus nicht endet?

Ganz wichtig ist es, jemanden an seiner Seite zu haben, der „einfach“ nur zuhört, getreu dem Motto: geteiltes Leid ist halbes Leid. Ansonsten gibt es in zumindest in größeren Orten Selbsthilfegruppen für betroffene Mütter bzw. Eltern.

Und wenn dies nicht möglich ist oder nicht hilft, sollte nicht gezögert werden, professionelle Hilfe, sprich einen Therapeuten aufzusuchen.

Wie kann der Partner oder die Familie helfen?

Die hilfreichste Unterstützung liegt in dem Verständnis für den Umgang mit dem Schmerz der betroffenen Mutter bzw. den betroffenen Eltern. Dies ist vor allem dann möglich, wenn man selber nicht zu sehr emotional involviert ist.

Des Weiteren ist es, wie ich bereits oben schrieb, eine große Hilfe, der / den Betroffenen ein offenes Ohr zu schenken und ggf. dabei liebevoll zu halten.

Auch kann es beim Umgang mit dem Schmerz der Betroffenen helfen, wenn andere einem im Alltag zur Seite stehen. Und, falls vorhanden, sich um weitere Kinder kümmern.

Ich bin mir bewusst, dass manche meiner Aussagen auf großen Widerstand stoßen können bzw. werden. Vielleicht wird die Zeit es erlauben, dass manche von denen, die dies empfinden, die Wahrheit und den Frieden in diesen Worten empfangen können.

Euer Deva (Babytalk – Redaktion)

P.S. Eure Fragen beantworte ich gerne als Kommentar oder anonym als Email.

Beitragsfoto: Vera Borovskaia / shutterstock

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