Beikosteinführung: Ein Löffelchen für dich, ein Löffelchen für mich

25. November 2016 -



Dieser Beitrag kommt aus unserem Expertenteam und zwar von der Hebamme Anja Lehnertz. Sie arbeitete bis vor kurzem in Trier als letzte freiberufliche Hebamme, die auch noch immer Geburten begleitete und setzt sich enorm für selbstbestimmte Geburten ein.

Als Hebamme wird Anja oft von verunsicherten Eltern auf die Beikosteinführung angesprochen. Wann, wie und mit was sollte man sein Baby an feste Nahrung gewöhnen? Hier hat sie ihre Tipps für Euch aufgeschrieben:

Sind wir Eltern eigentlich immer so verkrampft, wenn es um die Ernährung unserer Kinder geht?

Warum habe ich immer das Gefühl, dass nach der anstrengenden Wochenbettzeit die anstrengende „Wie bekomme ich den Löffel mit Nahrung in mein Kind anstatt an die Wand ?“ Zeit kommt?

Mit dem Beginn des 4. Lebensmonates kann man als erfahrene Hebamme beobachten, wie die Frequentierung der telefonischen Beratungen zum Thema „Beikosteinführung“ stetig steigt.

Ein ganzer Rückbildungsabend geht mindestens drauf für dieses Thema… Und spätestens im Babykaffee geht es dann erst Recht los mit den Fragen:

„Anja mein Kind ist jetzt 4 Monate alt und verweigert die Brust. Ich glaube es wird nicht mehr satt. Kann ich jetzt schon mit der Beikost anfangen?“ oder: “ Mein Kind ist schon 7 Monate alt und trinkt immer noch nur aus der Brust? Reicht das noch aus?“

Im Folgenden werde ich die Fragen, die mich tagtäglich begleiten, erörtern.

Was bedeutet Beikost?

Im ersten halben Lebensjahr ist das ausschließliche Stillen oder die Ernährung mit Pre/oder HA Nahrung für das Kind ausreichend und ernährungsphysiologisch das Beste.

Mit der Einführung von Lebensmittel in den verschiedenen Formen spielt weiter die Milchernährung die Hauptrolle im Ernährungsplan des Kindes. Deshalb nennt man dieses Einführen von Lebensmitteln BeiKost.

Warum heißt es Breikost?

Noch heute erfolgt die Einführung der Beikost meist über Breie, daher der Begriff „Breikosteinführung“.

Was ist “Baby led weaning”?

2008 gab die Kinderkrankenschwester Gill Rapley einer alten Methode, Kinder mit „Fingerfood“ zu zufüttern diesen neuen Namen.

Jeder hat seinem Kind bestimmt schon einmal eine Brotkruste unterwegs in das Händchen gegeben um den Weg nach Hause zu überbrücken. Oder welches Kind freut sich nicht über das Stück Fleischwurst an der Fleischtheke.

Das Kind bekommt Nahrungsmittel in Handgerechten Stücken angeboten und kann diese selbstbestimmt entdecken, zermatschen und schmecken. Kinder sind von Natur aus neugierig und experimentieren gerne.

Mutter füttert Tochter mit Brei, Kind sitzt in einem Kleinkinderstuhl mit Essensplatte

Tipps:

  • Kinder sind im ersten Lebensjahr in der sogenannten „Oralen Phase“, das heißt sie erleben Ihre Umwelt über den Mundraum.
  • Kinder haben eine angeborene Vorliebe für „süß“.
  • In erster Linie möchte ich nochmal deutlich sagen „Kinder lernen durch Nachahmen“. Das sollte uns immer wieder bewusst werden.
  • Gemeinsames Essen am Tisch sollte Priorität im Familienalltag erhalten.
  • Die Auswahl der Lebensmittel erfolgt am Besten traditionell und saisonal.
  • Ein Erstgeborenes Kind wird eher später zum Löffel als ein Geschwisterkind greifen.
  • Der Spaß am Essen sollte im Vordergrund stehen. Neue Lebensmittel müssen mindestens 16 Mal ohne Zwang gegessen werden,
    bevor sie akzeptiert werden. (Studie in Österreich mit Vorschulkindern)

Gibt es einen Richtigen Zeitpunkt für die Beikosteinführung?

Es gibt keinen „Richtigen“ oder „Falschen“ Zeitpunkt. Der Zeitpunkt ist genauso individuell wie unsere Kinder. Ernährungsphysiologisch ist aber eine Einführung der Beikost vor dem 6. Lebensmonat unsinnig.

In der Literatur finden man einige Empfehlungen die berücksichtigt werden sollten.

  • mindestens 6 Monate sollten Kinder voll gestillt werden (WHO)
  • die Einführung der Beikost sollte frühestens am Ende des 5. Lebensmonates
  • und spätestens am Ende des 7. Lebensmonates begonnen werden
  • das Kind schaut den „Großen“ interessiert beim Essen zu und steckt dabei öfter die Hand in den Mund
  • der Schluckreflex wird beherrscht
  • das Kind kann mit Unterstützung sitzen
  • Das Kind kann das Köpfchen problemlos , einige Zeit freihalten
  • Welche Nahrungsmittel sind gut für mein Kind?

Was man bei der Beikosteinführung beachten sollte

Es sollte im ersten Lebensjahr ausschließlich salzfrei gekocht werden. Zur verbesserten Aufnahme der fettlöslichen Vitamine sollten den Mahlzeiten Öl (Rapsöl) zugefügt werden, jedoch keine kaltgepressten Öle.

Um das Zöliakierisiko* zu senken wird geraten kleine Mengen glutenhaltiges Getreide einzuführen, solange noch gestillt wird.

In Forschungen hat man Hinweise gefunden das Fischkonsum im ersten Lebensjahr einen schützenden Effekt auf die Entwicklung allergischer Erkrankungen hat.

Mit Einführung fester Nahrung folgt auch die Einführung von zusätzlicher Flüssigkeit. Ich rate zu Wasser ohne Kohlensäure. Leitungswasser findet man überall. Allerdings sind die ersten Schlücke, des Kindes an einem Glas Sprudel sensationell…

Erklärung: *Zöliakie – Darmerkrankung der eine Glutenunverträglichkeit zu Grunde liegt.

…dieses Gesicht wenn zum ersten Mal Kohlensäure auf der zarten Zunge des Kindes landet. Herrlich, den Gesichtsausdruck vergisst man nie!

Der Tageszeitpunkt der Beikosteinführung sollte von den Eltern individuell gewählt werden. Es muss nicht zwangsweise die Einführung des Mittagessens im Vordergrund stehen.

Auch mit dem Abendbrei oder Finger Food am Abend darf gerne begonnen werden.

Baby schmiert mit einer Hand in einer leeren Breischüssel, in der anderen Hand hält es einen Kinderlöffel
Mein ganz persönliches Resümee

Essen ist und bleibt Geschmacksache. Entdeckt das Kind seine Vorliebe zu Bananen und wir kaufen eine größere Menge ein, so kann es Tage später die Bananen schon wieder verweigern.

Kinder essen außergewöhnliche Dinge, die wir nie bedenken würden, aber verschmähen Obst und Gemüse. Manche Kinder sind „Allesesser“, mache essen eher wie ein „Spatz“.

Ich habe sehr schnell als Mutter bemerkt, dass das verfolgen eines zu strikten Zieles (auch wenn es hier nur ums Essen geht) mit Kindern häufig in einer Sackgasse endet. Warum also nicht locker bleiben.

Irgendwann essen alle Kinder mit Löffel, Gabel oder Finger. Mal besser und mal schlechter. Mal hinterlassen die Versuche ein Schlachtfeld und mal wundert man sich über den schon leeren Teller.

Wenn wir Erwachsenen den Kindern eine gute Essenskultur und einen sinnvollen Umgang mit den Produkten vermitteln (Erdbeeren gibt es nun mal nicht im Dezember), dann werden unsere Kinder das Ziel, die Teilnahme am gemeinsamen Familienessen am Tisch, spielerisch erlernen.

Der Weg dorthin kann halt manchmal sehr individuell sein (selbst innerhalb einer Familie).

Wir sind die Vorbilder, daher wunderte es mich auch nicht, das meine Kleinste immer bei den Hausbesuchen im zarten Alter von 2 Jahren ihren Milchkaffee verlangte. Ich bin nun mal ihre Mutter.

Und wenn Familien Rat zu diesem Thema benötigen, steht ihnen die Hebamme, dank des Gebührenpunktes „ Beratung zur Beikost“ , noch 2 Mal in ihrer aufsuchenden Tätigkeit zur Verfügung.

Viel Spaß liebe Eltern!

Anja Lehnertz (Babytalk – Gasthebamme)


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